1414 – die häßliche Fratze des User-generated Content

Nico —  25.08.2006

Vor Jahren habe mal versucht, einer deutschen Zeitschrift, die sich den Stars und Sternchen widmet das Thema Moblogging nahe zu bringen. Mein Ansinnen wurde abgelehnt mit dem Hinweis, dass dies Stalking schon recht nah käme und man zudem ein seriöses Magazin sei. Das fand ich schade, ging es mir doch nicht um Stalking, sondern um das Mobloggen von Events durch Redakteure.

Bild legt jetzt allerdings eine Schippe drauf, nennt es hochtrabend BILD-Leser-Leporter und verspricht für jedes im Blatt veröffentlichte Bild 500 EUR Prämie. BILD-Leser-Reporter: Dieter Bohlen und Jürgen Drews auf Mallorca zeigt dann auch, um welche Themen es sich vornehmlich handelt und die entstehenden Bilder-Galerien lassen mit wenig Phantasie erahnen, was auf die B- und C-Promis der Republik in den nächsten Monaten auf sie zukommen wird. Auch der Warnhinweis wird daran nichts ändern:

Und eine Bitte: Respektieren Sie bei Ihren Foto-Aufnahmen die Privatsphäre anderer Menschen. Behindern Sie nicht die Arbeit von Polizei und Rettungsdiensten.

Effektiv bedeutet die 1414 das Ende der Privatspähre für viele Promis, die bislang darauf hoffen konnten, dass sie unter dem Radar der deutschen Boulevardblätter hindurchsegeln und wenigstens im Urlaub oder in der Freizeit auf ihre Privatsphäre zählen konnten. Dies ist nun vorbei. Für die Chance auf 500 EUR und ein klein wenig Ruhm wird alles geknipst werden, was sich auf der Strasse zeigt. Auch so kann User-generated Content aussehen. nicht schön, aber für Bild sicherlich die einfachste Möglichkeit, den Lesern kontinuierlichen bebilderten Klatsch und Tratsch zu bieten.

So grenzwertig ich die Einrichtung der 1414 auch finde, so muß ich doch zugeben, dass Bild es hiermit ganz prächtig versteht, eine weitere User-Blatt-Bindung aufzubauen und damit zusätzlich frischen Content für Blatt und Portal zu generieren. Die Veröffentlichung im Portal erfolgt honorarfrei, bringt also Zielgruppen-gerechten kostenlosen Content für Bild.de. Der nächste Schritt wäre noch eine Whitelabel-Version von Shozu, dann kann man anstatt auf „Save to Web“ gleich auf „Bei Bild ablegen“ drücken.

7 responses to 1414 – die häßliche Fratze des User-generated Content

  1. Da geht sie hin die Privatsphäre. Was kommt als nächstes? „Fotografieren sie alle Verdächtigen am Bahnhof!“ und dann „Save To BND & BILD“

  2. Wenn ich mir anschaue wie bisweilen Nicht-Prominente durch Blogs getrieben werden, ist das auch nicht lustig. Bild übertreibt es nicht nur, das könnte auch ein Bumerang werden: Wenn Döpfner erstmals am Strand mit einer Unbekannten von einem Taz-Leserreporter geknipst wird.

  3. Och , ich könnte mir vorstellen jeden Tag den Herrn Diekmann per 1414 eine Widmung zu schicken.

  4. Kurios, denkt man doch, daß alleine der Hinweis „Wichtig! Sie können nur teilnehmen, wenn […] die darauf abgebildeten Personen mit der Veröffentlichung in BILD und unter http://www.bild.t-online.de einverstanden sind.“ kaum Einsendungen zulassen wird. BILD polarisiert nach wie vor die Massen und die machen mit.

  5. „Zielgruppen-gerechter Content“: Nie war dieses Schlagwort aussagekräftiger ;)

  6. Marcus Andre Wolter 31.03.2007 at 23:58

    hallo ich wolte mit ein bild wa sich auf der straße gemacht habe an euch schicken freunde von mir sagen ich kann das als sms schicken die nr 1414 und kann ich das auch per email machen ?
    melden sie sich doch bitte bei mir danke

  7. Vielleicht sollte man sich eine
    \“1414\“ Domain kaufen
    (bei sedo.de werden welche angeboten)
    und dann BILD zum Kauf anbieten ;-)