Erklärungsversuche zu Blogs in D und USA

Nico —  25.08.2006

Blogs, Macht und der Unterschied zu den Vereinigten Staaten bringt einige interessante Aspekte in die Diskussion über das altbekannte Thema „warum dümpelt die deutsche Blogosphäre immer noch vor sich hin, während sie in den USA seit Jahren rasant wächst?“:

Ein Blog ist für die Amerikaner eine normale, logische Fortsetzung ihres Demokratieverständnisses. Dieses mag sich zwar von unserem unterscheiden, aber ist mit einer herzerfrischenden Naivität und Neugierde ausgestattet, die bedauerlicherweise hierzulande im Laufe der letzten Jahre abhanden gekommen ist und unser Vertrauen und unsere Lust auf Blogs etwas lähmt.

Das stößt in dieselbe Kerbe wie mein oft unternommener Erklärungsversuch, dass man in Deutschland einen anderen Diskurs gewohnt ist, der eher darauf ausgelegt ist, dass einer redet und die anderen durch Stillschweigen ihre wie auch immer gerartete allgemeine Zustimmung signalisieren. Konträre Meinungen werden oft persönlich genommen, sind oft auch so gemeint, die Auseinandersetzung an der Sache fällt immer noch schwer. Ich glaube auch, dass ein Streben nach Konsens dazu führt, dass man Diskussionen nur da führt, wo man sich der Unterstützung der eigenen Thesen durch die Zuhörer oder Leser sicher ist. Also quasi der gute alte Stammtisch. In den USA ist die Lust an der Argumentation und am Meinungsaustausch weiter verbreitet als hier, jedenfalls ist das mein Eindruch. Um der „Gefahr“ aus dem Weg zu gehen, etwas falsches zu sagen, wird in Deutschland lieber gar nichts gesagt, gerne auch mit dem Hinweis „so genau kenne ich mich da auch nicht aus“.

Wenn man aber eine Meinung zu einem Thema hat, dann sollte man auch lernen, sie zu artikulieren. Man kann dann ja immer noch seinen Standpunkt ändern und einen Lerneffekt verbuchen. Klar, man kann auch einfach so seine Meinung haben und nicht darüber bloggen, das bleibt weiterhin ein legitimes Stilmittel der Konversation, aber dann soll man sich später nicht beschweren, dass niemand die eigenen, viel besseren Argumente wahrgenommen hat.

Ich glaube, dass ein wenig mehr Naivität und weniger Abwägen dazu beitragen würde, dass die Blogosphäre lebendiger und poröser nach aussen hin wird. Oftmals ersticken die Schreibenden in ihrem moralinsauren Wortwust, in der steten Hoffnung, nun den die Welt rettenden Beitrag aus dem wunden Hirn gepresst zu haben. Weniger ist oft mehr und kann noch dazu anregend beim Lesen wirken.