Videorama an den virtuellen Ecken

Nico —  25.08.2006

Momentan spriessen die Video-Portale in allen Ecken des Netzes, denn was Jahrelang ruckelig und in Daumennagelgröße als die kommende Revolution präsentiert wurde, ist mittlerweile von der Wiedergabequalität so akzeptabel geworden, dass man es sich auch angucken mag. Logischerweise beginnt irgendwann nach der Euphorie über massenhaft angehäuften User-Generated Content und immensen Downloadzahlen das Nachdenken über etwaige Geschäftsmodelle. Kaum überraschend, dass die Erkenntnis schnell reift, dass für Videos, die zu 99% an America’s Funniest Homevideos erinnern und oftmals Grenzen der Ästhetik neu definieren, kaum jemand Geld bezahlen will. Also reift die Idee Vielerorts, doch einfach richtige Filme und Serien zu verkaufen, also Content, den man aus Kino und TV bereits kennt.

Diese Entwicklung ist sehr interessant, weil nun nach der Musikbranche, die immer noch davon ausgeht, dass der gemeinse Online-Musikkäufer an sich eigentlich ein Krimineller ist, der den Erwerb lediglich getätigt hat, um danach, ganz fiese wie er nun mal ist, Kopien der Musikstücke im Netz zu verteilen, die nächste Branche mit Volldampf auf ein Kliff zusteuert, dass sich digitale Verbreitung von kommerziellen Inhalten nennt.

DRM heisst die Lösung, die keine ist. Sie ist eine Verarschung der Vebraucher, denn sie schränkt explizit dessen Nutzungsrechte ein. Bei Video wird dies momentan noch deutlicher als bei Musik, denn das oft verwendete DRM aus dem Hause Microsnot funktioniert eben nur im Wintendo MediaPlayer und nirgends sonst. Als Konsument ist das schon mal unschön, schliesslich möchte ich auch weiterhin darüber entscheiden, wo und wie ich mir den Film angucke.

Derzeit sind also viele Videoportale in Verhandlungen mit den TV-Sendern und Studios über die digitalen Nutzungsrechte von Filmen und Serien. Auch dabei kann man wieder eine Paralle zur Musikbranche sehen. Anstatt erfreut zu sein, dass Leute anrufen und sagen: „wir bauen da eine Vertriebsplattform für Ihren Content, wie ist meine Provision?“ wird erst einmal ein grosses Faß aufgemacht und Anwälte dürfen sich eine goldene Nase verdienen, schliesslich darf der mühselig produzierte Content nicht einfach so ohne Vorbedingungen verkauft werden, wo kämen wir denn da hin. Der Konsumt versteht im Allgemeinen überhaupt nicht, warum er Filme von Studio A derzeit nur bei Portal X beziehen kann, Serien nur bei Portal Y, mit Ausnahme von Serie G, die es auch bei Portal X gibt. Bei Musik ist genau das auch passiert, und die Film- und TV-Branche wird den Fehler wiederholen und damit für die nächsten 1-2 Jahren das Finden eines legalen Filmes, den man gerade jetzt gucken will, zu einer Herausforderung an die Geduld und Nerven eines Konsumwilligen machen, dass dieser genervt zum Filesharingtool der Wahl greift und sich besorgt, was er kriegen kann.

Wenn ich ein Rechte-Inhaber für Video-Content wäre, dann würde ich mir Gedanken machen, was ich pro Download verdienen möchte. Von mir aus differenziert zwischen „echtem“ Download und einem einmaligen Streaming, was man quasi mit einem Ausleihvorgang vergleichen könnte. DRM fällt weg, dafür sind die Preise so, dass sich der Gang zur Videothek nicht mehr lohnt. Diesen Content biete ich Portalen an, die ihn dann veredeln. Die einen spezialisieren sich auf Action, die anderen auf Erotik, die anderen wiederum haben einen tollen Vorschlagalgorithmus, und so weiter. Dann sind die Konsumenten glücklich, gucken Filme, bezahlen und haben kaum noch einen Anreiz, Content weiterzuverteilen, weil es pipileicht ist, sich diese Inhalte dann aus dem Netz zu holen, wenn man sie braucht. Man könnte natürlich auch das Weiterverteilen von Content mit Anreizen versehen, also irgendeinem Punktesystem, das dann für kostenlose Filme genutzt werden kann, wenn der Empfänger beim Weiterverteilen auch für die Inhalte bezahlen muss.

Das macht in meinen Augen weit mehr Sinn, als das, was jetzt gerade passiert. Video-on-Demand hat in meinen Augen ein wahnsinniges Potential, aber das, was Maxdome, T-Online Vision, AOL Video, iTunes oder wie sei alle heissen, ist nur darauf ausgelegt, den Kunden zu verarschen, in dem man ihm Häppchen hinwirft, aber die Schatztuhe erst einmal verschlossen hält.