Mehr Innere Sicherheit dank vieler Fehlalarme

Nico —  28.08.2006

Vor 10 Jahren studierte ich in Berkeley im US-Bundesstaat Kalifornien und durfte dort den amerikanischen Ansatz zu mehr Innerer Sicherheit miterleben. Aus historischen Gründen verfügte die Uni über eine Polizeidienststelle direkt im Hauptgebäude der Universität. Dort untergebracht war auch das zu der der Zeit einzige Bombenräumommando der Polizei in der Bay Area. Das derzeitige Bedrohungsszenario bestand vor allem aus dem Unabomber, der Briefbomben an Universitäten verschickte und da Ted Kaczynski kurze Zeit Assistenzprofessor in Berkeley war, vermutete man hier einen Racheakt.

Einmal konnte ich nach der Mittagspause nicht zurück auf den Campus und alles im Umkreis des Hauptgebäudes war abgesperrt und das komplette Programm wurde abgespult, inklusive Mann in grüner Schutzmontur, der sich sehr langsam dem verdächtigen Objekt näherte. Eine kleine Papptüte stand verdächtig neben einer Bank. Nach einiger Zeit vorsichtigen Handelns konnte Entwarnung gegeben werden und ein aus Alufolie entwickelter kalter Burrito wurde in den Müll geschmissen.

Klingt übertrieben? Kann hier nie passieren? Auch hier in Deutschland steigt die Nervösität merklich:

Die Mannheimer Innenstadt ist wegen eines herrenlosen Einkaufs-Trolleys weiträumig abgesperrt worden. Das Gepäckstück wurde an einer Haltestelle vor einem Warenhaus angekettet. Es erwies sich als harmlos.

Ich gehe mal davon aus, dass auch in den nächsten Tagen und Wochen die Sprengstoffexperten mehr als üblich zu tun haben werden wegen herrenloser Koffer und verdächtig aussehenden Plastiktüten. Ich finde es absurd zu sagen, dass man lieber einen Fehlalarm mehr als einen zu wenig haben will. Darunter leidet vor allem die Lebensqualität, wenn man permament mental auf der Suche nach der Bombe in der Tüte ist.