GoogleTalk und Skype

Wolfgang weist in seinem Beitrag zur Kooperation von Ebay und Google auf einen Satz in der Pressemitteilung hin, den ein geschulter Pressemitteilungsprofi wahrnimmt, ich aber einfach mal überlesen habe:

The companies will also explore interoperability between Skype and Google Talk via open standards to enable text chat and online presence.

Offen Standards und Skype in einem Satz, das sind fürwahr schwere Geschütze, die dort aufgefahren werden. Google hat bereits mit AOL ein Abkommen über die gegenseitige Öffnung der IM-Netze und nun soll also Skype hinzukommen.

Eine Öffnung von Skype hin zu GoogleTalk basierend auf offenen Standards wäre schon mal sehr spannend, aber eben nur, wenn dann jeder Jabber-basierte Dienst mit Skype-Kontakten messagen kann. Das verstehe ich unter Offenheit, mal sehen, wie die beteiligten Unternehmen das interpretieren.

Duftkerze für echte Fans

Riecht das nach Schweiß? Wieso Blutorange, das müsste doch Blutgrätsche sein?
Ich wäre ja neuen Produkten viel aufgeschlossener gegenüber, wenn das Marketing nicht so viele Fragen aufwerfen würde, die mich nur verwirrt zurücklassen. Scheinbar war das auch eher nicht der Abverkaufskracher während der WM, sonst würde der Aufsteller nicht mittenmang vor der Kasse stehen.

Tagträume im BKA

Wenn man als BKA-Chef gerade mal vom Thema ablenken muß und eine diffuse Angst zu schüren hat, dann ist dieses für viele Deutsche immer noch sehr seltsam anmutenden Internet doch eine tolle Sache:

Im Zuge der Terrorbekämpfung hat der Chef des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, an die Internet-Provider appelliert, Bauanleitungen für Bomben aus dem Netz zu nehmen. Es könne nicht angehen, dass im Internet derartige Anleitungen veröffentlicht würden, sagte Ziercke im Gespräch mit der “Aktuellen Stunde” (WDR-Fernsehen). Notfalls, so der BKA-Präsident, müsse dazu eine gesetzliche Regelung her.

Was ist das für ein Verständnis von Rechststaat, wenn man meint, dass einfach ein Appell ausreicht, um Inhalte zu löschen? Ich habe keinerlei Verwendung für Bombenbauanleitungen, aber was wird als nächstes gefordert? Wenn demnächst Absonderungen von BKA und Innenministerium zu einem mehrtägigen Aufenthalt nach China zwecks “Erfahrungsaustausch im gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus” aufbrechen und sich eingängig über die chinesische Firewall informieren, dann wundert mich gar nichts mehr. Auf die angekündigte gesetzliche Regelung bin ich jetzt schon gespannt. Vor meinem inneren Auge flackert eine Liste von Fragen auf, die man bei jeder neuen Netzsession beantworten muss, die stark an die Fragen erinnert, die bei der Einreise in die USA verlangt werden. Danach wird man dann darauf hingewiesen, was man alles nicht darf und das Zuwiderhandlungen strafbar sind.

Ein paar Monate später wundert sich jemand im Wirtschaftsministerium über den Exodus kluger Köpfe und Firmen, die mit dem Internet Geld verdienen wollen. Ist dann eben doch zu unsicher in Deutschland, um eine Netzbenutzung zu riskieren.

Bundesarbeitsdienst

Urlaubszeit, Reisezeit, Zeit auch zum Ausspannen und mal neue Ideen zu denken, so handeln derzeit etliche Politiker, die auch prompt die Gunst der Stunde nutzen, und ihre halbgaren Ideen gleich mal den beglückt lauschenden Journalisten zum Aufschreiben diktieren. Ganz groß im Kurs sind natürlich mal wieder die Hartz-IV-Empfänger, aber auch die derzeit grassierende Sicherheitsmanie.

Während der CSU-Generalsekretär Söder in seiner gewohnt sysmpathischen und rücksichtsvollen Art gleich mal Stammtisch-tauglich die Streichung des Urlaubsanspruches für Hartz-IV-Empfänger empfahl, ging Verkehrsminister Tiefensee den entscheidenen Schritt weiter und sah schon ehemals letharg zuhause sitzende Hartz-IV-Horden im Patrouille-Dienst für unser aller Sicherheit.

Ich finde das im Ansatz schon mal ganz anständig, schliesslich wird es von der FDP als “populistischer Quatsch” bezeichnet, muss also gut sein. Man sollte aber auch hier Nägel mit Köpfen machen und eine Behörde zur Regulierung des Bundesarbeitsdienstes einrichten, die dann die Kompetenzen mit den jeweiligen Landesbehörden und karitativen Einrichtungen koordinieren muß. Ohne Behörde geht schon mal gar nix, das ärgert mich immer so maßlos an diesen wenig durchdachten Forderungen. Wichtig ist, dass die Ansiedlung der Behörde bundesweit ausgeschrieben wird, damit sich noch mal überall im Land Bürgermeister zu eloquenten Reden hinreissen lassen können, warum gerade ihr Ort einen Standortvorteil für die Behördenansiedlung mit sich bringen würde.

Meßbarkeiten 2.0

Pageviews are Obsolete schreibt Evan Williams, ehemals Chef von Blogger und nun CEO von Odeo, und haut damit in eine Kerbe, die in den letzten Monaten immer grösser geworden ist. Zwar orientiert man sich nachwievor an PageImpressions, vor allem weil es gelernt ist und weil PageImpressions vergleichbarkeit suggerieren.

PageImpressions sagen immer weniger über die Zugriffszahlen aus, man betrachte einfach mal die vielen auf den “weiter…”-Click optimierten Websites mit Bildergalerien oder massenhaften Teasertexten. Auf der anderen Seite des Spektrum haben wir immer mehr AJAXifizierte Seiten, die viele PageImpressions verhindern. Auf beiden Sites navigiert ein User, aber gezählt wird völlig unterschiedlich.

Was soll man stattdessen nehmen? Verweildauer? Kann man die Site-Struktur miteinbeziehen? Die Art der Site?

Es gibt noch andere Methoden, eine Relevanz zu messen, beispielsweise die Links oder Zitate. Gerade bei Blogs ist es weit verbreitet, die Links auf ein Blog zu zählen und damit Relevanz zu verbinden. Dieses Verfahren ist besonders deshalb so beliebt, weil diese Linkzählerei öffentlich ist und man beispielsweise auf DeutscheBlogCharts.de sehen kann, wie man aktuell gerankt wird. Dies ist angelehnt an die Art und Weise wie Google seinen PageRank herausfindet, der ja auch URLs mit mehr eingehenden Links eine höhere Priorität einräumt. Allerdings ist das Verfahren von Technorati in meinen Augen total sinnlos. Es werden nicht nur Links gezählt, die eine Art Beleg-URL für ein Zitat oder einen Verweis in einem Artikel darstellen, sondern auch hemmungslos die Blogrolls abgegrast, die lediglich eine Aussage a la “mag ich, les ich, verlinken viele andere auch” wiedergeben. Dadurch dass eine enorm großes Zeitfenster gewählt wird, kommt man locker auf über 1000 Links aus paar hundert Blogs, was aber kaum etwas aussagt. Völlig fehlt bislang die Einbeziehung von RSS und das Herunterbrechen von Verlinkungen, um zu sehen, von wem welches Thema ausging und wie weit das Thema gewandert ist.

Ich sehe Blogs als Konversationen an und dementsprechend sollte auch der Trackingmechanismus aussehen, der uns eine Aussagekraft über die Relevanz eines Weblogs bieten kann. Eine Verknüpfung von PageImpression, Zitatlink und zwei zeitlichen Komponenten, zum Einen der Verweildauer auf dem Artikel, zum Anderen aber auch ein gewisses Verfallsdatum der Aufmerksamkeit für den Artikel stellen eine gute Annäherung an die Meßbarkeit von Relevanz für Weblogs dar.

Bei Social Networks wie MySpace, openBC oder neu.de müssen dann auch wieder jeweils eigene Kriterien gefunden werden. Das schränkt natürlich die Vergleichbarkeit von Websites ein, aber letztendlich werden da schon seit Jahren Äpfel mit Birnen verglichen, denn die Aufmerksamkeit, die einem Newsticker geschenkt wird, ist eine andere als einem Suchergebnis bei Google oder einem Weblog mit zero-day Katzenfotos.

PageImpressions werden immer irrelevanter, aber eine einfache Lösung für die Meßbarkeit von Websites wird es erst einmal nicht geben, da je nach Art der Site unterschiedliche Aspekte gemessen werden sollten.