Informationsfreiheit und Web 2.0

Nico —  7.09.2006

Don Alphonso weist in einem Artikel auf das Schwarzbuch Datenschutz hin und empfiehlt es als eine notwendige Lektüre für die Diskussion um Datenschutz und Sicherheit.

Dabei wird wie folgt von dem Stammkommentator strappato kommentiert:

Lumma ist da ambivalent. Einerseits gegen eine Einschränkung des Internets und für Informationsfreiheit schreiben, aber auf der anderen Seite sich für den Web(2.0)kommerz aussprechen. Das kann man nicht trennen, da die Unternehmen im freien Netz ihr Geschäftmodell bedroht sehen.

Das ist echt völliger Quatsch! Klar, Vorurteile muß man ausleben, sonst bringen sie nix, aber dieser Kommentar ist echt kompletter Stuß!

Natürlich kann ich mich für Kommerz aussprechen, sogar für Web 2.0-Kommerz, wenn der dann mal so anders wäre. Und ich sehe in einem freien Netz keines der von mir umgesetzten, angedachten oder präferierten Geschäftsmodelle bedroht, ganz im Gegenteil. Ich habe keine Ahnung, wer mit „die Unternehmen“ gemeint ist, aber die Unternehmen, für die ich arbeite, haben ein großes Interesse an einem freien Netz.

Was Web 2.0 angeht und die Art und Weise, wie User Ihre Daten und/oder ihre Profile preisgeben: das sehe ich pragmatisch. Es ist ein Geben und Nehmen. Niemand wird gezwungen, sich bei OpenBC zu registrieren und alle seine Bekannten dort zu verknüpfen. Niemand muß ein MySpace-Profil anlegen. User sollten im Einzelfall abwägen, ob Ihnen ein Dienst so wertvoll erscheint, dass man im Gegenzug etwas von sich preisgibt. Ich sehe Web 2.0 ja gerade so, dass der User mit seinen Entscheidungen im Mittelpunkt steht und entscheidet, was und wie er es will.

5 responses to Informationsfreiheit und Web 2.0

  1. Der User im Mittelpunkt klingt gut, aber: Wenn XY sich entscheidet, sich (mit mir als Verknüpfung) irgendwo einzutragen (zumal ohne ???Einladung? oft ja nix läuft, Verknüpfungen (siehe z.B. GMail) also automatisch zustande kommen), habe ich diese Entscheidungsfreiheit eben nicht.

    Automatisch bin ich ebenfalls im Raster der Datenkrake Google und werde auf keywords hin gescannt, wenn ich auch nur auf eine GMail antworte, selbst wenn ich’s persönlich ablehne. Insofern hat der User in Wahrheit keine Entscheidungsbefugnis, es wird ihm nur suggeriert.

  2. Ganz so einfach ist das nicht. Durch Datenabgleich aus verschiedenen Quellen kann man viel mehr erfahren, als der Nutzer glauben mag. Datensicherheit ist bei allen Web2.0-Klitschen kein kleineres Problem als in der New Economy. Unter den Bloganbietern gibt es in der Hinsicht durchaus schwarze Schafe, denen Persönlichkeitsrechte egal sind. Du bist da m.E. kein passendes Beispiel, aber solange es Dreckschweine gibt, die für erschnüffelte Daten zahlen, gibt es die Gefahr. Im Bereich von Web2.0, Personal Media, ist die Gefahr nun mal erheblich grösser, und die wenigsten Benutzer begreifen, was möglich ist.

  3. Am Ende ist es eine Frage der Macht.

    Kumuliert Marktführerschaft in der digitalen Welt mit ausufernder Informationslust, dann birgt das eine elementare Gefahr. Am Beispiel Google und seinem zynischen „dont be evil“ Gequatsche manifestiert es sich bereits sichtbar.

    Ein Hamburger oder Bayrischer Datenschutzbeauftragter wird da gar nicht wahr genommen. Und da liegt das Problem.

    Den Schuh, dass gerade auch wir, die wir unsere Brötchen digital verdienen, eine besondere Verantwortung hier tragen, den ziehe ich mir an.

    Eine klare Trennlinie zwischen nützlichem Angebotefiltern in einer vor Angeboten überbordenen Welt und dem Mißbrauch wird wohl nie klar erkennbar sein.

  4. Pragmatisch, aha. Die Entscheidung des users besteht doch nur theoretisch. Für die praktische Umsetzung bräuchte es Transparenz beim Anbieters. Niemand weiss, was ein Anbieter mit den Daten macht, und er bekommt noch dazu einen Freibrief für die Zukunft.

    Mit Transparenz, klaren Regeln, Information und Zustimmungspflicht der User würde web2.0 nicht funktionieren.