Dieckmann über fortschrittliche Familienpolitik

Nico —  14.09.2006

Folgende Meldung auf SPD.de lässt mich dann doch eher daran zweifeln, dass Frau Dieckmann und ich dieselbe Wahrnehmung der Realität haben:

Die stellvertretende SPD-Parteivorsitzende und Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann sieht es als Verdienst der SPD, dass in der Familienpolitik „wirkliche Fortschritte“ gemacht wurden.

„Elterngeld, Investitionen in die Infrastruktur, Veränderung des Bewusstseins der Arbeitgeber, das sind Verdienste der SPD“, unterstrich Dieckmann in einem Interview mit dem Bonner Generalanzeiger [..].

Bärbel, hast Du eigentlich auch nur den Hauch einer Ahnung, was Familienpolitik in Bonn bedeutet? Du bist seit 1994 Oberbürgermeisterin von Bonn und die Kindergartensituation ist gelinde gesagt absolut unzureichend und nervt nur. Es gibt für unter 3-Jährige keine Plätze, man muß zu kirchlichen Stellen laufen für Informationen, man kämoft mit vorsinnflutlichen Öffnungszeiten und viel Bürokratie. Und dann stellst Du dich hin und erzählst, wie toll alles sei und das die CDU so toll sozialdemokratische Ideen aufgreife. Ich könnte kotzen! Kommt aus deinem Mund nur sinnentleertes Gelaber? Hast Du schon mal mit Familien mit Kindern gesprochen, wo mehr als nur ein Elternteil über einen Beruf nachdenkt oder wo die Erkenntnis gereift ist, dass Kinder viel lieber mit anderen Kindern spielen und der Kindergarten dafür eine wunderbare Einrichtung darstellt? Ich sehe in Bonn keine Verdienste von Irgendjemandem, der Zustand ist desolat! Mach lieber mal deine Hausaufgaben in Bonn bevor Du derartige Reden schwingst! Die SPD hat in NRW nun wirklich ein paar Jahrzehnte Zeit gehabt und Du bist in Bonn auch schon 12 jahre im Amt, da kann man echt mehr erwarten! Aber klar, konzentrier Dich weiter auf die Aufgaben bei der Bundes-SPD, da kann man wenigstens viel erzählen, wenn der Tag lang ist.

3 responses to Dieckmann über fortschrittliche Familienpolitik

  1. Hmm, ab wann werden Blogeinträge eigentlich ehrabschneidend, sprich können diese rechtlich gewürdigt werden? Nicht, dass ich diesen Äußerungen sachlich widersprechen möchte ;-), sondern nur aus Interesse …

  2. jup. Bin auch immer wieder fassungslos darüber, wie gering man in Deutschland anscheinend den Stellenwert einer adäquaten Versorgung mit Kindergartenplätzen einschätzt.

  3. Wobei ich jetzt das mal aus Sicht des Lokalpolitikers sehen möchte:
    Klar Kindergartenplätze sind notwendig, aber auch verdammt teuer. Am besten ist es dann noch, wenn übergeordnete Stellen (ich glaube damals war es Claudia „Rüschenbluse“ Nolte) einen Anspruch durchsetzen, dann aber bei der Finanzierung die Kommunen im Regen stehen lassen.

    Sieht man z.B. momentan die derzeitige Landespolitik dazu, dann kann man fast nur noch irre lachen. Da werden Landeszuschüsse gekürzt und man hofft in Düsseldorf, daß die Städte das nicht an die Eltern weitergeben. Ich weiß ja nicht ob das Stadttor in Düsseldorf in einem anderen Raum-Zeit-Kontinuum liegt, aber bekanntlich geht es den Städten hierzulande gerade nicht rosig. Sehr viele Städte sind in einem Haushaltssicherungskonzept und müssen hier die Beträge enorm erhöhen, was natürlich logischerweise zu enormen Protesten führt (zuletzt z.B. in Mülheim an der Ruhr).