Das Ende der Volkspartei an sich

Nico —  17.09.2006

Nun langsam sollte es aber auch allen klar werden: die klassische Volkspartei ist vorbei. Wenn die stärkste Partei knapp bei 30% liegt und die Wahlbeteiligung irgendwo bei 60%, dann sollte man nicht mehr von Volkspartei sprechen. Auch wenn diese Wahlen im Osten stattfanden mit einer starken Linkspartei, denke ich mal, dass wir bei den nächsten Landtagswahlen im Westen einen Abwärtstrend der ehemals grossen beiden Parteien sehen kann.

Warum? Das kann man bestimmt in den nächsten Tagen bei Franz Walter auf SpOn nachlesen. Ich tippe mal auf weitergehende Lockerungen der Parteibindungen, Unzufriedenheit mit der Großen Koalition, wenig Vertrauen in Reformen an sich und vor allem das Problem, eine breite Palette von Politikfeldern so zu besetzen, dass man nachwievor viele Wähler hinter sich bringt. Das Reduzieren auf nur wenige Themen macht es den Wählern sicherlich leichter, eine Partei zu unterstützen, insbesondere, wenn man sich mit Kompromissen schwer tun mag. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber das Erodieren der Wählerbasis der Volksparteien ist offensichtlich.

Wie man sich angesichts dieser Ergebnisse noch als strahlender Sieger vor einer Kamera präsentieren mag, so wie heute Kurt Beck, der zeigt eher, dass er entweder sehr zynisch ist oder überhaupt nicht merken will, wie sich die politische Landschaft verändert. Die herkömmlichen Rezepte bringen keine Wirkung mehr, das Politik-Angebot findet immer weniger Wähler, diese Sache mit dem Repräsentieren findet kaum noch statt.

Politik im 21. Jahrhundert, wo geht die Reise hin?

7 responses to Das Ende der Volkspartei an sich

  1. Die große Frage ist, ob das temporär ist oder dauerhaft. Du sprichst das Stichwort große Koalition als Grund an. Die ist ja nur temporär. Oder ist das ein genereller Trend, der durch die große Koalition nur noch verstärkt wird?

    Nicht nur weil ich Grüner bin, würde mich ernsthaft mal interessieren, was wäre, wenn eine der kleineren Parteien alleine regieren könnte oder zumindest eine Koalition anführen würde (am 19.07.2004 waren die Grünen in Umfragen vor der SPD). Wir hatten und haben Alleinregierungen der CDU und der SPD, wir hatten Rot-Gelb, Rot-Rot, Schwarz-Gelb, Schwarz-Rot. Da ist weniges noch nicht ausprobiert. Eine Ampel (Rot-Gelb-Grün) wäre mir noch die liebste Dreierkonstellation, andere bevorzugen Schwarz-Gelb-Grün. Aber wie wär’s einfach mal andersrum?

  2. Man sollte den Ausdruck „starke Linkspartei“ konkretisieren zu „traditionell hohen Wähleranteilen der Linkspartei.PDS“, denn a) hat sich die Linkspartei.PDS in Regierungsverantwortung inhaltlich schon fast neoliberal zurückentwickelt und b) ist der Anteil der WASG lange nicht so groß wie das, was die Linkspartei.PDS verloren hat.

    Zum Fazit „Die herkömmlichen Rezepte bringen keine Wirkung mehr, das Politik-Angebot findet immer weniger Wähler, diese Sache mit dem Repräsentieren findet kaum noch statt“ möchte ich ergänzen: „und die Vertreter realer Alternativen werden nicht wahrgenommen“. Denn die Politik ist durchaus nicht alternativlos, gerade die WASG ist ja als Wahlalternative angetreten und hat ihren Alternativstandpunkt auch gegen Widerstand in der eigenen Partei heldenhaft verteidigt. Oder ich selbst bin 2005 als Unabhängiger zur Bundestagswahl angetreten. Gebracht hat’s gerade mal 1000 Stimmen…

  3. „Dagegen“ ist keine Alternative.

  4. Aber immerhin „dagegen“.

  5. Und dann wird halt gar nicht mehr regiert oder wie? Kein Staat ist für die sozial Schwachen wohl immer noch die schlechteste Alternative.

  6. Jetzt hat Franz Walter doch alle überrascht. Die Volksparteien sind deshalb am Ende, schreibt er in SpOn, weil ihnen der „Sinn“ fehlt. Und zwar nicht irgend ein Sinn, sondern der „Mörtel des die Gegenwart weit transzendentierenden Sinns“. Sein Artikel hingegen ist eher ein Beispiel für einen bis in die Medien transzendentierenden akademischen Unsinn.

  7. Helmut Leih 4.10.2007 at 0:33

    Hallo!Ihr Volkspartei verneiner.
    Ihr habt ja recht,die Volksparteien
    sind bald am ende!.WASG ging nicht,trotz guten anfangserfolg.
    Und die linke geht auch nicht mehr
    lange,weil die PDS im Westen Deutschland nur gering erfolg hat.
    Die etablierten Parteien jetzt auch noch die Grenzvergehen aus der Kiste holen,und dann kommt die erinnerung der ehemaligen DDR Bürger,die in den Westen geflohen sind wieder hoch.