Bloggst Du noch, oder produzierst Du schon?

Nico —  6.10.2006

Zwei kurze Kommentare von Martin Röll haben mich dann doch etwas nachdenklich zurückgelassen:

Lustig. Ich sitze mit Robert Basic in einem Raum und sein Blog bloggt Einträge wie verrückt. Posting-Automatik.
[…]
Das ist diese Sache mit der Authentizität: Dein Blog bloggt acht Einträge, während Du auf der Autobahn bist und im Meeting sitzt. Content-Knallen statt Journal-Schreiben. Auch was, was man mit Blogs machen kann.

Ich käme nie auf den Gedanken, Artikel vorzuschreiben oder auf Teufel komm raus noch mal schnell einen witzigen Spot, einen tollen Witz oder sonstwas zu bloggen, nur damit keine Leere im Blog entsteht, weil die Massen ja unterhalten werden wollen. So rein vom Feeling her habe ich das Gefühl, dass Blogs verkrampfter und irgendwie „produzierter“ werden, sobald die PageImpressions oder vielmehr die AdImpressions an Bedeutung gewinnen.

Wenn man nur noch Content für ein Blog produziert, wo ist denn da der Unterschied zu anderen Portalen? Irgendwie ist doch das Prickelnde an den Weblogs, dass hier Content entsteht, weil jemand es will, nicht weil er es muß, oder habe ich da etwas übersehen? Sobald es nur noch um die Adsense-Erlöse geht, wirft man doch das über Bord, was ein Weblog ausmacht und wird letztendlich nur zum schnöden Content-Produzenten, der letztendlich auch PR-Meldungen von OpenPR.de vervielfältigen kann, um irgendwelchen Content mit guten Keywords zu veröffentlichen.

Ich prangere das an, jawohl! Ich will Spreeblick Rock’n Roll oder Punk oder so, ich will fiesesten Enthüllungsjournalismus und nicht die 78. Korrektur pro Woche a la „Hans Gerd Koslowski ist nicht 63, wie Bild schreibt, sondern in Wahrheit 62 und 11 Monate.“ und ich will wenn schon eine Basic-Rampensau und nicht irgend einen vorproduzierten Content von der Videoresterampe. Wo bleibt der Spur of the Moment, das Rausrotzen ohne viel Nachdenken oder geschliffenen Formulierungen, die eine Konversation ausmachen?

Mich würde allerdings schon mal interessieren, ob man beim Produzieren von Content dann auch Leitfäden hat und genau guckt, dass man neben sachlichen Infos auch Witze, Videos und ein paar Nackfotos bringt, damit man möglichst eine breite Zielgruppe abdecken kann. Gibt es redaktionelle Richtlinien, die man dann als Content-Produzent einhält, damit das optimale Ergebnis bei Adsense oder anderen Werbemitteln herauskommt?

Dieser Artikel entstand heute morgen, aber damit es nicht immer so aussieht, als ob ich im Büro bloggen würde, erscheint er erst jetzt, aber das nur am Rande.