Edelman/Technorati-Nachlese

Nico —  13.10.2006

Gestern war bei Edelman in Frankfurt eine Gesprächsrunde angesetzt, in deren Verlauf Edelman und Technorati einige Ergebnisse ihrer Kooperation vorgestellt haben und ein wenig diskutiert wurden. Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und als Webcast zur Verfügung gestellt.

Ein paar Anmerkungen vorab: ich kenne und schätze Wolfgang seit Jahren, habe bereits mit ihm zusammengearbeitet (Seminare, Blogsponsoring) und wir haben gerade das neue Edelman-Blog PR2.0 umgesetzt, stehen also aktuell in einem Kunden-Verhältnis. Hinzu kommt, dass wir uns seit Anbeginn von Blogg.de, also seit 3 1/2 Jahren) mit Themen wie Blog-Pings, Blog-Spam und Blog-Analyse beschäftigen, mit blogstats.de mal einen recht ordentlichen Dienst hatten und gerade an Blogmonitor.de arbeiten, uns damit also in Konkurrenz zu Technorati befinden, was den deutschen Markt angeht. Ich bin also deutlich befangen, wertet das, wie ihr mögt.

Ich denke, es ist in den letzten Tagen deutlich geworden, dass zum Einen die Analyse von Blogs nicht trivial ist, insbesondere in einem globalen Maßstab, so wie es bei Technorati der Fall ist, zum Anderen Ranking-Maßstäbe durchaus diskussionswürdig sind. Aufgrund der globalen Ausrichtung des Unterfangens, gehe ich davon aus, dass Technorati an einigen Stellen mit einem ziemlich breiten Pinsel malt und somit die Feinheiten der Blogosphären in Deutschland nicht ganz zum Tragen kommen. Damit ist Technorati nicht alleine, ich erinner nur sehr gerne an die kürzlich erschienene Studie (PDF) von Infratest, die in Deutschland 1,5 mio Blogs wähnt, was natürlich totaler Quatsch ist, wie jeder weiß, der sich länger als nur mal eben mit dem Thema beschäftigt.

Zurück zu der Veranstaltung gestern. Ich kann, wie so oft, das Gebrülle und Gezeter an vielen Ecken der Blogosphäre nicht nachvollziehen. Sicher, der Webcast war nicht die Krone der Unterhaltungskunst, oder gar „vergügungssteuerpflichtig“, wie gewitzte Politiker an dieser Stelle anmerken würden, aber der Unterhaltungsaspekt stand nicht im Vordergrund. Wer Johnny, Jens und Felix einlädt, der kann sich sicher sein, dass kritische Fragen kommen. Diese Fragen kamen auch. Jens war es, der mit seiner Bewertung der Liste („crap“) dann auch gleich das Eis brach und deutlich machte, dass die Performance der Gastgeber eher ordentlich Platz für Verbesserungen gelassen hatte und nicht das darstellte, was man von Firmen mit derlei Anspruch erwartet hatte. Ob und wie nun unsere Anmerkungen aufgegriffen wurden und werden, ob Edelman und Technorati wirklich zuhören und lernen wollten, das mag jeder selber in den nächsten Wochen und Monaten beurteilen. Positiv finde ich jedenfalls, dass Edelman und Technorati diese Diskussion als Webcast ins Netz gestellt haben, sicherleich bei vollem Bewußtsein, dass die „offiziellen“ Statistiken alles andere als positiv bewertet werden.

Ich jedenfalls nehme eine Handvoll Learnings, wie man so schön sagt, mit nach Hause, oder ins Büro:

1. Die kochen auch nur mit Wasser.
2. Bei Spracherkennung sind wir weiter.
3. Links sind nicht alles, vor allem nicht, aus HTML gekratzte.
4. Top10-Listen sagen wenig aus über „Influence“.
5. LongTail ist viel spannender als Top10.
6. Irgendwie war die Analyse mehr „Traditional Media“ als „LongTail“.
7. Blogs sind Konversationen, wir sollten die Kommentare überhaupt mal berücksichtigen können bei Analysen.
8. Blog-Analyse ist durchaus spannend.
9. Beim nächsten Webcast erwarte ich, dass irgendso ein Schlankmach-Filter angewendet wird.
10. siehe 1.

Schliessen möchte ich allerdings mit dem Hinweis, der gestern seitens der anwesenden Bloggern in Richtung der gebloggten Unternehmen gefallen ist: „Mehr Gelassenheit.“ Das, denke ich, tut den gerade aufgeregten Teilen der Blogosphäre auch ganz gut.

7 responses to Edelman/Technorati-Nachlese

  1. Vorab: Ich hab´s mir in voller länger gestern zwischen 01.00 und 02.30 reingetan. Es WAR vergnügungssteuerpflichtig und ausgesprochen interessant, sofern man zuvor Gross-Bloggersdorf zum Thema der edelman-alpha-offiziellen 0.01 Version der Ranking-Liste besucht hatte und in der einen oder anderen Blogger-Bar einkehrt war.
    Meine Erkenntnis: Mehr von diesen Casts, vielleicht in wechselnden Runden, auch auf Deutsch und nicht nur mit PR-Agenturen als Gastgeber, die die Bloggersdorfer Sau wieder einfangen müssen. Bloggersdorf TV als Internet Format. Wär doch was?!

  2. Der Link zu Technorati führt zu technorati.de und funxioniert nicht. Ich kannte auch nur .com.

    Und zu Punkt 1/10: Ja! Aber wir kochen mit Mineralwasser :-)

  3. „Bloganalyse ist spannend“. Ja. „Blog sind Konversationen“. Ja. „Links sind nicht alles“. Ja. „Top 10 Listen sagen nichts über Influence“. Sehr schön.
    Ja eben darum wäre es doch schön, wenn es mal, bei den scheinbar doch vielfältigen und allerorts unternommenen Anstregungen, wirklich interessante und damit diskussionswürdige Daten geben würde. Ist wohl leider nicht so im selbstreferenziellen – wir brauchen erstmal Top-Listen, Top-Blogger, und, und, und – Bloggeschäft. Find das persönlich nicht schlimm, hat durchaus, wie dieser Fall eindrucksvoll zeigt, viel Unterhaltsames. Aber wenn man es ernst meint, dann sollte auch, ohne dass man gleich von „Medien- oder Kommunikationsanalyse“ oder deren Methoden ;) sprechen will, irgendein Rahmen oder Konzept erkennbar sein. Selbst bei einer „reinen“ Top Liste – die nicht den Anspruch erhebt, Inhalte, Themen, oder Zusammenhänge analysieren zu wollen . Aussagen wie „die „Probanden“ (in diesem Fall wohl die fehlenden 32? Blogger) mögen sich doch bitte „freiwillig stellen“, kann doch eigentlich nicht ernsthaft gemeint sein. Was ist das denn? Analyse 2.0? Die Untersuchungsobjekte untersuchen sich jetzt selbst und übermitteln die Ergebnisse an eine PR-Agentur ihrer Wahl?
    Technik ( Links, Pings, Trackbacks, Logfiles- Tracking- Superdingsanalysetools) sind definitiv wichtige Voraussetzungen für die Datenerhebung im Web. Ein bisschen Kopf darf aber gerne auch dabei sein. Dann würden vielleicht nicht in periodischen Abständen immer irgendwelche Untersuchungen durch die Blogs getrieben werden, die schon wieder eine Topliste proklamieren, die widerum irgendwas (ja was eigentlich?) über die Blogentwicklung aussagen soll.

  4. Habe ich jetzt was gewonnen? Ich hab hier Werbung generiert ;)

  5. @Peter … vielleicht trägt sich ja jemand von Edelmann ein und hört zu :D

  6. 1. Die kochen auch nur mit Wasser.

    Das ist eine Erkenntnis die ich auch immer wieder erlange ;)

  7. Denke wir tun gut daran, dass wir uns statt der schnöden Orientierung an Top 10 Listen mehr und hauptsächlich auf Inhalte und Qualität konzentrieren. Die spielte wohl bei allem weniger eine Rolle.

    Wo Nachholebedarf liegt und wer mit Wasser kocht war allerdings interessant kennen zu lernen.