Gestern war bei Edelman in Frankfurt eine Gesprächsrunde angesetzt, in deren Verlauf Edelman und Technorati einige Ergebnisse ihrer Kooperation vorgestellt haben und ein wenig diskutiert wurden. Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und als Webcast zur Verfügung gestellt.
Ein paar Anmerkungen vorab: ich kenne und schätze Wolfgang seit Jahren, habe bereits mit ihm zusammengearbeitet (Seminare, Blogsponsoring) und wir haben gerade das neue Edelman-Blog PR2.0 umgesetzt, stehen also aktuell in einem Kunden-Verhältnis. Hinzu kommt, dass wir uns seit Anbeginn von Blogg.de, also seit 3 1/2 Jahren) mit Themen wie Blog-Pings, Blog-Spam und Blog-Analyse beschäftigen, mit blogstats.de mal einen recht ordentlichen Dienst hatten und gerade an Blogmonitor.de arbeiten, uns damit also in Konkurrenz zu Technorati befinden, was den deutschen Markt angeht. Ich bin also deutlich befangen, wertet das, wie ihr mögt.
Ich denke, es ist in den letzten Tagen deutlich geworden, dass zum Einen die Analyse von Blogs nicht trivial ist, insbesondere in einem globalen Maßstab, so wie es bei Technorati der Fall ist, zum Anderen Ranking-Maßstäbe durchaus diskussionswürdig sind. Aufgrund der globalen Ausrichtung des Unterfangens, gehe ich davon aus, dass Technorati an einigen Stellen mit einem ziemlich breiten Pinsel malt und somit die Feinheiten der Blogosphären in Deutschland nicht ganz zum Tragen kommen. Damit ist Technorati nicht alleine, ich erinner nur sehr gerne an die kürzlich erschienene Studie (PDF) von Infratest, die in Deutschland 1,5 mio Blogs wähnt, was natürlich totaler Quatsch ist, wie jeder weiß, der sich länger als nur mal eben mit dem Thema beschäftigt.
Zurück zu der Veranstaltung gestern. Ich kann, wie so oft, das Gebrülle und Gezeter an vielen Ecken der Blogosphäre nicht nachvollziehen. Sicher, der Webcast war nicht die Krone der Unterhaltungskunst, oder gar “vergügungssteuerpflichtig”, wie gewitzte Politiker an dieser Stelle anmerken würden, aber der Unterhaltungsaspekt stand nicht im Vordergrund. Wer Johnny, Jens und Felix einlädt, der kann sich sicher sein, dass kritische Fragen kommen. Diese Fragen kamen auch. Jens war es, der mit seiner Bewertung der Liste (“crap”) dann auch gleich das Eis brach und deutlich machte, dass die Performance der Gastgeber eher ordentlich Platz für Verbesserungen gelassen hatte und nicht das darstellte, was man von Firmen mit derlei Anspruch erwartet hatte. Ob und wie nun unsere Anmerkungen aufgegriffen wurden und werden, ob Edelman und Technorati wirklich zuhören und lernen wollten, das mag jeder selber in den nächsten Wochen und Monaten beurteilen. Positiv finde ich jedenfalls, dass Edelman und Technorati diese Diskussion als Webcast ins Netz gestellt haben, sicherleich bei vollem Bewußtsein, dass die “offiziellen” Statistiken alles andere als positiv bewertet werden.
Ich jedenfalls nehme eine Handvoll Learnings, wie man so schön sagt, mit nach Hause, oder ins Büro:
1. Die kochen auch nur mit Wasser.
2. Bei Spracherkennung sind wir weiter.
3. Links sind nicht alles, vor allem nicht, aus HTML gekratzte.
4. Top10-Listen sagen wenig aus über “Influence”.
5. LongTail ist viel spannender als Top10.
6. Irgendwie war die Analyse mehr “Traditional Media” als “LongTail”.
7. Blogs sind Konversationen, wir sollten die Kommentare überhaupt mal berücksichtigen können bei Analysen.
8. Blog-Analyse ist durchaus spannend.
9. Beim nächsten Webcast erwarte ich, dass irgendso ein Schlankmach-Filter angewendet wird.
10. siehe 1.
Schliessen möchte ich allerdings mit dem Hinweis, der gestern seitens der anwesenden Bloggern in Richtung der gebloggten Unternehmen gefallen ist: “Mehr Gelassenheit.” Das, denke ich, tut den gerade aufgeregten Teilen der Blogosphäre auch ganz gut.


