16. Oktober 2006

TVp2p

Die TV-Landschaft verändert sich gerade ordentlich schnell, auch wenn Hubert das bezweifelt, und ich gehe mal davon aus, dass in Deutschland wieder einiges verpennt wird, alles andere würde mich wundern. Die Kazaa- und Skype-Gründer Janus Friis und Niklas Zennstrom haben das Venice Project gestartet, jedenfalls heisst der P2P-basierte Dienst so in der Betaphase. Was Venice machen wird? Nun ja, da wird gerade viel versprochen:

It’s simple, really – we are trying to bring together the best of TV with the best of the Internet.

Bei Om Malik im Interview wird dann noch ein wenig mehr verraten:

What we have done is created a streaming P2P platform for television. This is a platform, which is good for content owners, for advertisers and of course the viewers. Since there are no borders on the Internet, this is a global platform. Sometimes we think content owners have legal reasons to restrict content locally and the technology allows them to do that. [...] We are building an ad-based system, and it is close to the television model. We will do revenue share with the content providers. With our system, people can be targeted with the right kind of ads. We are respecting the copyrights.

Das klingt durchaus interessant. Ich bezweifle nur, dass derzeit P2P so geeignet ist für Video. Die Upstreams sind immer noch recht schmal und mit ordentlicher Videoqualität wird man zwar seinen Upstream vollpusten, aber dennoch recht lange brauchen, um das Material zu übertragen. Ganz davon ab werden natürlich die Provider nicht von der Saturierung der DSL-Leitungen angetan sein, aber das wird deren Problem sein.

Mir würde ja für den Anfang schon ein netter Wrapper für Bittorrent und tvRSS reichen, denn mir ist es auch mit Anleitung zu umständlich. Das ist sicherlich der interessanteste Punkt: es muß quietsch-einfach sein. Der Satz von Janus Friis “People like the freedom of choice and like freedom from choice.” fasst es ganz prima zusammen. Die Berieselung muß möglich sein, aber so wie der User es will. Dem User wird es auch egal sein, ob der Video-Content per P2P kommt oder von einer Plattform gestreamt wird, solange er es ohne viel Tüdelüt auf der Glotze ansehen kann.

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Da bin ich mal gespannt, wann bei uns (1000 Einwohner/400 Haushalte vertreut auf 5 Siedlungen - jeweils 1-2 Kilometer auseinander) die neue TV-Zeit beginnt. Bisher schafft es die Telekom nur einen DSL-light -Anschluss zu legen.

Nennt man das dann "digital divide"?

Na klar wird sich das Fernsehen u00c3u00a4ndern. Dazu braucht es nur noch ein paar Jahre und mehr Leute mit einem guten DSL Anschluss. Schon jetzt kann mittels diverser Onlinerekorder sein TV Programm selber zusammenstellen. Dazu Programme wie TVU, ein p2p Programm, das, illegal, TV Inhalte aus anderen Lu00c3u00a4ndern ins Netz stellt. Wen der chinesische Kommentar nicht stu00c3u00b6rt, der kann die Bundesliga live im Netz sehen. Gilt auch fu00c3u00bcr die Formel Eins und fast alle US Sportarten, die hier in Deutschland nur per PayTV zu sehen sind. Dazu kommt Bittorrent, wo man jetzt schon die neusten Episoden seiner Liebingsserie bekommt, ohne auf RTL und Co warten zu mu00c3u00bcssen. Das, was die Telekom da plant, geht ja noch einen (richtigen) Schritt weiter. TV on demand. Komm ich abends nach Hause und will CSI sehen, hol ich mir die neuste Folge on demand. Oder einen Film und danach eine Doku.
Meine Prognose: Vollanbieter wie RTL, die ein Programm fu00c3u00bcr alle machen, werden in den nu00c3u00a4chsten 10 Jahren verschwinden. Rechteinhaber wie Murdoch (Filme, Serien, Nachrichten) werden ihre Inhalte selber vermarkten und noch reicher werden, weil pro Kunde mehr abrechnen ku00c3u00b6nnen als das heute der Fall ist.

Hast ja recht, dass sich die TV-Landschaft rapide veru00c3u00a4ndert. Gottseidank. Leb ich ja auch von. Aber bis das massenfu00c3u00a4hig/-attraktiv ist, das dauert noch. Zwischen ganz schu00c3u00b6n lang und viel zu lang.