Charismedia und die Kommunikation im Internet

Vor ein paar Tagen fing die Agentur Charismedia an, über unsinnige Kommentare in Weblogs ihr neues Blog-Projekt zu promoten. Wie sich jedes mit einem halbwegs ausgeprägten Menschenverstand vorstellen kann, führt dieses Vorgehen nicht immer nur zu Zustimmung. Um es anders auszdrücken: die Street Credibility beim Bloggen lässt seitens Charismedia noch einige Möglichkeiten zur Verbesserung zu.

Damit aber nicht genug. Gestern las ich bei Thomas, daß er einen Anruf mitsamt Aufforderung zur Löschung des Namens Charismedia aus seinem Blogposting erhalten hatte. Vorher kommentierte ein gewisser Jonas bei ihm und bei mir mit einem nahezu identischen Wortlaut und dem Hinweis:

Die Namensnennung ist unzulässig und ein Anruf vor einer Abmahnung eine faire Geste.

Nunja, dieser Kommentar lies mich dann doch durchaus erheitert zurück, aber damit die Erheiterung nicht abflaute, traf dann gestern abend noch eine Email des Geschäftsführers der Charismedia GmbH, Nils Regge, ein, die die Argumentation von “Jonas” aufgreifen sollte und in der die Bitte um Löschung noch einmal verstärkt wurde:

Die Namensnennung verstößt gegen geltendes deutsches Recht. […] Wie gesagt, die Bitte ist freundlich gemeint und ich hoffe sie stößt auf Verständnis. Andere Leute gehen damit direkt zum Anwalt und dann sitzen Sie auf den Abmahnkosten.

Es kann ja sein, dass ich in den letzten Jahren nicht immer so aufmerksam war, wenn neue Gesetze erlassen wurden, aber eine Grundgesetzänderung, in dem die freie Meinungsäußerung abgeschafft wurde, die hätte ich durchaus mitbekommen! Ich kann meine Meinung zu Personen, Firmen, Produkten und Dienstleistung Kund tun so lange und so oft ich möchte, und ja, ich nenne dabei auch den Namen. Es ist mir dabei egal, ob die Firma Charismedia heisst oder Nokia, oder SonyEricsson, oder Krawuttke&Partner. Einer Bitte um Löschung unter Berufung auf angebliches deutsches Recht komme ich natürlich nicht nach, ebenso wenig gehe ich auf einen Hinweis auf eine mögliche Abmahnung ein.

Die Firma Charismedia hat mit ihrer Aktion in den Kommentaren versucht, Aufmerksamkeit und GoogleJuice zu bekommen. Das hat geklappt, wenn auch unter anderen Vorzeichen als ursprünglich intendiert. Das Internet verändert die Kommunikation zwischen Firmen und ihren möglichen Kunden. Man sollte lernen, mit dem Feedback umzugehen, die Veränderungen werden nicht zurückgedreht werden, auch wenn es in Einzelfällen etwas unvorteilhaft sein könnte.

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2 Antworten auf „Charismedia und die Kommunikation im Internet“

  1. Wenn man mit dem Hinweis unter Druck gesetzt wird, eine Nichtfolgeleistung hätte eine Abmahnung mit erheblichen Kosten zur Folge — dann ist das Nötigung und damit ein Straftatbestand. Da würde ich nicht zögern, das anzuzeigen.

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