Magentasonderwürste

Bei der Schlagzeilenlage der letzten Woche wird man das Gefühl nicht los, die Bonner Magentajungs betreiben gerade recht ordentliche Lobby-Arbeit. Man könnte auch denken, der alte Stamokap-Flügel der Jusos hat wieder zugeschlagen und will die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien doch noch durchsetzen, in dem der Telekom als Staatsbeteiligung mal eben ein Sonderrecht eingeräumt wird, damit für VDSL die Regulierungsbehörde nicht eingreifen muß. Hallo? Was soll das denn bitte? Wir regulieren mal ein bißchen, aber wenn dann die ehemalige Fernsprechabteilung der Bundespost daherkommt, dann schmeißt man alles gelernte wieder über Bord und gewährt Regulierungsferien. Schön auch, dass die EU schon vorher sagt, dass sie bei einer Verabschiedung des neuen Telekommunikationsgesetzes vor den Europäischen Gerichtshof ziehen wird. Da stellt sich doch die Frage, was ist hier wichtiger, das Aktienpaket des Bundes an der Telekom, der VDSL-Ausbau oder einfach nur der (regulierte) Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt?

Und da die Bonner Jungs nach ihrer zügigen CEO-Wechselei auf einer Magentawolke schweben, wurde auch gleich noch angekünigt, eine Datenmaut fordern zu wollen von Portalen, die ordentlich Traffic machen. Google und Konsorten reagieren wenig verzückt, aber eine Debatte über Netzneutralität will hierzulande nicht wirklich starten. Ich frage mich ja, wie die Telekom auch nur auf die Idee kommt, eine zusätzliche Datenmaut zu fordern, wo nicht nur der Inhalte-Anbieter Bandbreite irgendwo einkaufen muß und auch der User irgendwelche DSL-Leitungen braucht. Wo ist da jetzt der Part, wo die Datenmaut anfallen soll? Es ist ja nicht so, dass irgendwelche Portale nur so aus lauter Dankbarkeit mit Bandbreite versorgt werden und man sich schon länger gefragt hat, ob die nicht auch mal Kosten übernehmen sollten. Klar, der Preis für Bandbreite ist über die letzten Jahre rapide gefallen, aber das war ja nun auch durchaus vorauszusehen bei einem sich stark entwickelnden Markt.

Mich würde es verdammt freuen, wenn irgendjemand mal realisieren würde, dass diese ganze Triple Play, Content is King, wir basteln lauter tolle Sachen, die keine Sau braucht und verpacken sie in undurchsichtige Preispakete, die niemand versteht, sondern alles, was wir von einem Telekommunikationsunternehmen erwarten, ist ganz einfach der Zugang! Das zählt. Ich will Telefonieren, ins Netz, oder gar Fernsehen, aber ich suche mir die Inhalte weitesgehend selber aus. Alles andere ist mir egal, da brauche ich keine Werbewundertüte mit tollen Preisoffensiven, sondern einfach nur eine Konzentration auf das Wesentliche! Dann kann die Telekom auch auf Regulierungsferien verzichten und muß auch nicht über Datenmaut nachdenken, sondern macht das, wofür sie eigentlich da ist. Aber das wäre ja zu einfach.

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