Bajuwarische Erbfolgeregelung

Mir ist es völlig egal, wer von der CSU in Bayern regieren darf, es wird letztendlich kaum Unterschiede geben. Allerdings ist das mit der eindeutigen Aussage “Ich gehe nach Berlin! Oder ich bleibe in Bayern!” bei der Bundestagswahl 2005 verbundene Straucheln des Herrn Stoiber ein wirklich guter Stoff für jedes politikwissenschaftliche Proseminar. Da gibt es einen Ministerpräsidenten, der sich über Jahrzehnte hochgedient hat, solange bis er selber derjenige war, der unangefochten die Nummer 1 war. Dann kamen die Fehler, vor allem die ordentliche Selbstüberschätzung und damit dann auch das Zaudern.

Stoiber hat es augenscheinlich nicht verstanden, geeignete Nachfolger gezielt aufzubauen, weil er selber nicht daran gedacht hat, dass seine Amtszeit bereits zu Ende sein könnte. Seine Ankündigung, noch eine gesamte Legislaturperiode regieren zu wollen, zeigt einfach, wie abgehoben er ist und wie wenig er bereit ist, sich von der Macht zu trennen. In diesem Punkt ähnelt sich die Demokratie erstaunlicherweise der Wirtschaft, denn hier wird auch oft versäumt, geeignete Nachfolger rechtzeitig aufzubauen.

Demokratie lebt vom Wechsel, auch wenn ein personeller Wechsel innerhalb der CSU kaum Veränderungen mit sich bringt. Von der Macht loslassen zu können, das ist eine Gabe, mit der Politiker selten gesegnet sind. Bei Simonis konnte man dies sehen, bei Kohl sowieso und nun auch bei Stoiber. Die Dauer der Amtszeit zu begrenzen macht durchaus Sinn, weil dann klar ist, dass ein geeigneter Kandidat rechtzeitig aufgebaut werden muß, will man eine gewisse Kontinuität gewährleisten.

Die zweite Garde der CSU muß jetzt Stoiber aus dem Amt drängen, weil sonst für sie der Zug abgefahren ist und sie zum Ende der nächsten Legislaturperiode einfach schon zu alt sein werden.

Meine Prognose: Stoiber wird noch dieses Jahr aus dem Amt scheiden, dafür aber von Frau Merkel mit einem wichtig kingenden Posten abgefunden werden. Seehofer macht den Parteichef, Ministerpräsident wird Hermann, denn damit kann man einen Neuanfang begründen. Alle anderen genannten Herren sind schon zu lange Minister und damit eng mit Stoiber assoziiert.

Die Nacht der langen Messer wird in Bayern bald vorbei sein.

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6 Antworten auf „Bajuwarische Erbfolgeregelung“

  1. Nur: Welches Amt soll er denn noch bekommen? Da wurden ihm ja einige in der Vergangenheit schon angeboten, die er alle nicht wollte.

  2. Bei allen Scharmützeln hat es in Bayern bislang immer Kontinuität gegeben. MP Stoiber war schon unter F.-J. Strauß recht weit oben. Beckstein wäre ganz nett, aber ist Franke und Protestant, das geht kaum. Seehofer ist sehr beliebt, abr nicht in der Landtagsfraktion. Huber hat es sich als langer Arm der Staatskanzlei mit den kommunalen Entscheidern verscherzt. Da stehen aber noch viele Namen – Herrmann, Glück etc.pp.

  3. Also ich glaube kaum, dass er von Frau Merkel irgendein Amt zu erwarten hätte. Er hat lange genug ihr die Arbeit madig geredet und sie hat schon einmal wegen ihm zurückstehen müssen und deshalb bin ich davon überzeugt, dass sie Herrn Stoiber nur im allergrößten Notfall, also wenn er zum Beispiel in Bayern ausgewiesen würde etc., irgendeinen Job besorgt.

    Im übrigen glaube ich, dass nach dem Abflug aus der Staatskanzlei der Herr Stoiber ganz schnell in der Versenkung verschwindet, denn es ist schon sehr, sehr lange her, dass sich der Herr Stoiber irgendwie sinnvoll irgendwo betätigt hätte. Mir als \”Roter\” kann es mir ja eigentlich nur recht sein, allerdings ist es einfach nur bedenklich, wie solch inthronisierten Regierungsveranstaltungen massiv die eigentliche Regierungsverantwortung nicht nur bremsen, sondern vollens unglaubhaft machen. Die Leuts haben einfach zu wenig zu tun und fangen dann an, alle möglichen Dingen zu machen.

  4. Ich glaube den einzigen Job, den er noch bekommen könnte, wäre… taraaa: Persönlicher Adjutant vom Benedikt oder Präsident vom FC Bayern. Letzteres würde auch zu seinem Sympathiewert passen.

  5. Ich hoffe, dass Stoiber noch lange genug im Amt bleibt, damit diese Lederhosenpartei endlich mal voll gegen die Wand fährt. Danach kann er von mir aus bei Loden Frey als Verkäufer arbeiten.

  6. Der hat sein Amt ja nicht schlecht gemacht, vorallem auf die lange Zeit gesehen..nur ab einem gewissen Alter sollte man es einfach gut sein lassen sonst wird es schnell peinlich..

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