Disruptive Lifestyle Years

Man könnte auch sagen “No more Mr. Nice Guy!”, denn das entscheidene an den Entwicklungen der letzten zwei Jahre ist nicht, dass man mit Always On, User Generated Content oder Web 2.0 tolle Schlagworte gefunden hat, sondern dass sich die Auswirkungen der digitalen Wirtschaft so richtig bemerkbar machen. Vor 10 Jahren ging es vor allem darum, online zu sein und Sachen anders zu machen, evtl. besser, jetzt geht es primär darum, bestehende und gelernte Geschäftsmodelle auszuhebeln.

Es gibt einige Bereiche, in denen es nicht mehr darauf ankommt, einfach nur besser zu sein, sondern es geht darum, den Platzhirschen ordentlich Marktanteile abzunehmen, indem deren Geschäftsmodelle über den Haufen geworfen werden. Video und Audio fallen einem da sehr ins Auge, P2P sorgt dafür, dass langsam aber sicher auch die letzte DRM-Bastion geschliffen wird, es sei denn, Convenience siegt, wie bei Apples iTunes Store. Online-Verkäufe bei Musik steigen, bei Video wird das mit zunehmenden Bandbreiten auch ordentlich zunehmen. VOIP ist mittlerweile schon so weit verbreitet, dass kaum noch jemand denkt, dass dies etwas neues ist, dass Sprache Paket-basiert über das Internet verteilt wird. Undenkbar noch vor Jahren, dass POTS wirklich durch das Internet eine Konkurrenz bekommen könnte, jedenfalls für die Telkos damals.

Was kommt als nächstes? Ein paar Beispiele. Wir sehen jetzt schon erhebliche Disruption im Bereich Mobilfunk, wo die Preise weiter fröhlich sinken und die Telkos versuchen, Marktanteile durch eigene MVNOs zu halten. Firmen wie Blyk oder Rebtel werden dafür sorgen, dass auch der Mobilfunkberereich noch einmal ordentlich ins Wanken geraten wird und gerade die Zielgruppe der 15- bis 25-Jährigen werden noch härter umkämpft werden. Ich denke mal, dass lokale Tageszeitungen in den nächten Jahren noch mehr Probleme bekommen werden, weil mehr Teile des Anzeigenmarktes zu Gunsten von Online-Angeboten wegbrechen, die überwiegend von interessierten Amateuren zusammengestellt werden. Das Stichwort Hyperlocal kommt mir da in den Sinn und so etwas wie Readers Edition, nur lokaler verwurzelt. Einhergehend mit dem Vordringen von Online-News im lokalen Bereich werden Portale wie Qype dafür sorgen, dass auch die Gelben Seiten wie unsere Eltern sie kannten und wir sie nur als Altpapier zur Kenntnis nehmen, einen ordentlichen Schlag verpasst bekommen werden, der sie direkt in ihrer dezentralen Struktur treffen wird.

Insofern ist die DLD-Konferenz in München ganz interessant, da hier die Platzhirschen auf ihre Herausforderer treffen, ohne dass viele dies ahnen. Ich glaube, dass gerade in Deutschland viele Unternehmen noch denken, dass die veränderungen, die durch die Digitalisierung vieler Lebensbereiche gekommen sind und noch kommen werden, erst einmal nichts an dem Kerngeschäft ändern wird. Aber da irren sie. Wer jetzt noch nicht erkannt hat, wie der User immer mächtiger wird und sich seine digitale Lebenswelt selber zusammenstellt und die daraus resultierenden Vorteile geniesst, der wird sich 2010 wundern, wo all die feinen Marktanteile hin sind. Es ist Bewegung im Markt und der User ist mittendrin, er ist Teil einer Disruption, die eine ordentliche Brandung hat.

KategorienAllgemein