Kurnaz und die Scheinheiligen

Seit geraumer Zeit beherrscht der Fall Kurnaz die Medien. Kurnaz bringt Nähe in eine Sache, die wir sonst zwar auch wahrgenommen haben, aber deren Entfernung durchaus groß wahr, das Kriegsgefangenenlager der USA in Guantanamo. Kurnaz ist ein in Deutschland geborener Türke, der in Pakistan aufgegriffen und als vermeintlicher Al Qaida-Kämpfer nach Guantanamo gebracht wurde, dort mehrere Jahre verbringen mußte und schliesslich als unschuldig freigelassen wurde. Das Medien-Interesse war hoch, Kurnaz liess dann auch gleich die Folterfragestunde bei Beckmann über sich ergehen.

Seitdem wird überall der moralische Zeigefinger gehoben, dass Kurnaz zu unrecht inhaftiert worden sei, dass er gefoltert wurde und dass die rot-grüne Bundesregierung nicht genug unternommen habe, um Herrn Kurnaz zurückzuholen. Ich kann schwer beurteilen, was da wirklich war, aber wenn die Faktenlage stimmt, dass Kurnaz als Sicherheitsproblem eingestuft wurde und die USA ihn vor 2006 eh nicht ausliefern wollten, dann verstehe ich zwar das Interesse an dem Fall, kann nachvollziehen, dass Herr Kurnaz über die Inhaftierung nicht begeistert ist, teile aber die Entrüstung seitens der Medien und der Opposition nicht.

Aber ich glaube auch nicht, dass es im Kern darum geht, dass Herrn Kurnaz im Nachhinein Gerechtigkeit widerfährt. Ich glaube es geht hier um eine Abrechnung mit der Regierung Schröder und Frank-Walter Steinmeier soll dafür den Kopf hinhalten. Ich glaube den meisten Protagonisten ist Herr Kurnaz herzlich egal, er wird nur instrumentalisiert, damit die eigene Agenda gepusht wird. Es geht darum, die Schrödersche Haltung gegen den Irak-Krieg nachträglich zu diskreditieren und zu zeigen, dass die Regierung trotz aller Beteuerungen Teil des Systems des sog. Kriegs gegen den Terror gewesen sei.

Es wirkt alles sehr scheinheilig. Herr Kurnaz wird als Spielball mißbraucht, anstatt sich wirklich seines Falls anzunehmen und sich um Gerechtigkeit in diese Fall zu kümmern.

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6 Antworten auf „Kurnaz und die Scheinheiligen“

  1. Ich würd sagen: Scheinheiligkeit auf allen Seiten. Den einen geht es nicht um Kurnaz, die anderen wollen Stimmen bei Wahlen.
    Die einen wollen nachträglich diskreditieren, die anderen vorsorglichen blinden Aktionismus scheinbar ablehnen.

    Alle sind inkonsequent. Keiner sagt was seine wahre Intention ist/war.

  2. In dieser Hinsicht muss ich dir voll und ganz zustimmen. Ich finde aber nicht, dass Herr Kurnaz das Unschuldslamm ist, dass er vorgibt zu sein. ich glaub wenn der mir auf der Strasse begegnen würde, würde ich ihn auch für einen Terroristen halten. Er macht ja auch nicht die Anstalten, nicht wie ein Terrorist auszusehen. Wie dem auch immer. Ich liebe Vorurteile und meine eigene Subjektivität. mfg Xe54

  3. Er macht ja auch nicht die Anstalten, nicht wie ein Terrorist auszusehen.
    @xe:
    Das ist ja praktisch: jetzt wo man endlich weiss \”wie Terroristen aussehen\”, macht das mit der Kameraüberwachung und Gesichtserkennung plötzlich viel mehr Sinn…

  4. @blogsgesang: 100% Zustimmung.

    Die anderen über Dir: Seid ihr Ehrenmitglieder beim Ku-Klux-Klan? Jaja: Alle Vorurteile sind hier versammelt, die es so gibt.

    Ich erspare mir hier jeden weiteren Kommentar, außer einen: Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient. Bei den obigen dummen Pöbeleien kann die Bundesregierung nicht schlecht genug sein.

    Nico: Meinst Du nicht, dass Du vielleicht Opfer von Nebelkerzen geworden bist. Unschuldvermutung! Gilt für jeden (brauchst nur die obigen Argumente zu lesen, dann wirst schon drauf kommen warum). Die (alte) Bundesregierung verteidigt die Menschenrechte, indem sie diese mit Füßen tritt (Fall K.)

    Herr Steinmeier sollte endlich zurücktreten! Das ist ein Gebot des Anstandes!

    Bem. zu Herrn Schröders Geschwätz: Wenn Herr Steinmeyer aufrecht gehen würde, dann wäre schon unter dem Bundeskanzler zurückgetreten. So etwas nennt man Zivilcourage!

  5. Der Rauchmelder hat völlig recht – Kurnaz muss ein Terrorist sein, sonst hätten ihn die Amerikaner nicht eingesperrt. Ausserdem trägt er einen islamistischen Bart und ist ein Türke.

    Wenn die Amerikaner ihn gefoltert hätten, wäre die Wahrheit aus ihm herausgekommen und ein Terrorist weniger auf freiem Fuss.

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