my.BarackObama.com

Nico —  11.02.2007

Zeitgleich mit der Bekanntgabe der Kandidatur von Barack Obama wurde auch my.BarackObama.com vorgestellt, was ich unweit interessanter finde, da die Kandidatur irgendwie seit einem Jahr klar war.

Die Grundidee dieses Netzwerkes ist super. Man vernetzt die User anhand von Regionen und Interessen, lässt sie bloggen und lädt sie zu Terminen und vor allem zum Spenden ein. Dieses soziale Netzwerk ist natürlich zeitlich begrenzt, spiegelt aber die lose Struktur des amerikanischen Parteiensystems wieder. Früher hätte man ein Schild in den Vorgarten gestellt, mit dem man seine Präferenz darstellt und sich entsprechend bei Nachbarn getroffen, nun wird das zusätzlich auch online geschen. Ich sehe zwar noch kein Widget, aber das wird sicherlich kommen. Generell ist das Netzwerk gerade ordentlich langsam, aber dennoch vom Aufbau und den Funktionen her ein anregender Beitrag zum Rennen um 2008.

Aber schwenken wir mal zurück nach Deutschland. Kann sich irgendjemand vorstellen, dass Kurt Beck oder Angela Merkel auf Sevenload ihre Kandidatur announcen und danach my.kurtbeck.de oder my.angelamerkel.de starten. Eben. Ich glaube, derartige Netzwerke, die echte Unterstützerplattformen für Kandidaten darstellen können, wird es aus Angst vor Kontrollverlust seitens der jeweiligen Parteivorstände auf absehbare Zeit nicht geben. Ich weiss zwar nicht, ob Barack Obama und Hillary Clinton das Netz verstanden haben, aber sie wissen es zu nutzen. Das kann man derzeit von deutschen Parteien und Politikern nicht behaupten.

Mich würde zu my.BarackObama.com vor allem folgendes interessieren:

1. was hat der Spaß gekostet?
2. was kommt an Spenden rein?
3. wieviele Mitglieder kann man auch zu Offline-Aktivitäten mobilisieren?

Meine Vermutung ist, dass weit mehr Spenden reinkommen werden als Kosten für das Projekt entstanden sind. Die Offline-Mobilisierung kann ich nicht einschätzen.

Kann man aus derartigen sozialen Netzwerken auch etwas Dauerhaftes schaffen? Wäre das für die Mitarbeit in deutschen Parteien interessant? Wieviel Transparenz wäre dann möglich?

4 responses to my.BarackObama.com

  1. Das hört sich doch mal sehr interessant an. Aber ich denke auch nicht, dass diese Form von Wahlkampf bei der nächsten BTW vorhanden sein wird. Aber vielleicht bei der übernächsten BTW, wenn dann (hoffentlich) neue Generationen antreten werden.

  2. \“Meine Vermutung ist, dass weit mehr Spenden reinkommen werden als Kosten für das Projekt entstanden sind.\“ – Da bin ich mir ziemlich sicher. Bei den amerikanischen Verhältnissen, dürfte Obama Spenden insgesamt in zweistelliger Millionenhöhe einfahren. Muss er auch. Sonst ist er weg vom Fenster.

    Zu unseren BTWs: Obama ist mit community-Bewegungen politisch gross geworden. das prägt. Und das hilft für so eine Vorgehensweise im Wahlkampf. Meine Frage ist dabei: Welcher Politiker in Deutschland ist politisch in Communities verankert? Für die oder den würde sich diese Vorgehensweise sehr eignen. Für die anderen salon und Kneipenhinterzimmerpolitiker bezweifele ich es eher.

  3. Nur als kleine Ergänzung:
    Ich weiß nicht, wie es bei anderen Parteien ist, aber die FDP bietet schon eine Community an: my.FDP. Leider habe ich bisher noch keine Zeit gehabt, mir das etwas genauer anzusehen.

  4. I want to contact with Barack Obama.