Kinderbetreuungsverwaltungsgenerve

Nico —  16.02.2007

Da ich gerade so gut in Stimmung bin, mal ein kurzer Lagebericht aus dem Ort, in dem Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann seit eltichen Jahren mit ihrer Familienpolitik dafür sorgt, dass man sich als Eltern verarscht vorkommt und merkt, dass all das Gerede von der Priorität für die Familie alles nur Luft ist, noch nicht mal heisse.

In Bonn gibt es eine Handvoll Betreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahren. Das ist also aussichtslos, daher darf man sich dann um eine Tagesmutter kümmern, die halbstaatlich verwaltet werden. Das geht so. Man latscht in eine Beratungsstelle, entweder Caritas, das evangelische Pendant, dass auf das Wortungetüm Werkstatt für Friedenserziehung hört(e) oder zum Kinderschutzbund. Bei der Caritas waren wir noch nicht, aber bei den anderen beiden. Da bekommt man dann ein Formular der Stadt Bonn vorgelegt, das man ausfüllen darf. Dann gibt es einige schlecht kopierte Merkblätter und einige Hinweise, wie wichtig die richtige Auswahl der Tagesmutter für das Kind sei. Dann der Hinweis aller Hinweise: so viele Tagesmütterplätze gibt es auch wieder nicht. Dann weiss die Beratende nicht, in welchem Stadtteil man wohnt, verspricht aber, eine Karte zu konsultieren, wenn sie in ihren Karteikarten nach der richtigen Tagesmutter für uns guckt. Nach 30 Minuten geht man wieder, mit dem Gefühl, dass man gerade 30 Minuten verschenkt hat. Karteikarten? Die Kontaktanbahnung durch die Tagesmutter findet per Telefon statt, aber bitte nicht auf der Handynummer, dass sei zu teuer, dafür wird dann nach einem Anrufbeantworter beim Festnetz gesprochen. Wow. Ich hole mal die Müslikekse, lass uns drüber reden.

Was für ein Unsinn. Alle Tagesmütter sind zentral erfasst, da weiss man bestimmt auch, wo die wohnen. Anstatt irgendwelche Formulare handschriftlich auszufüllen, würde eine kleine Website total viel Sinn machen. Finanziert vom Bund mit den Daten aller von den jeweiligen Kommunen anerkannten Tagesmüttern, Kinderkrippen, -tagesstätten, -gärten und -läden in der Datenbank. Dort gibt man seine Daten rein, malt mittels Google Maps einen Radius auf, in dem man gerne die Tagesmutter hätte, klickt auf „nu los, ich hätte nun echt gerne mal einen Betreuungsplatz!“, dann bekommt man als Ergebnis ausgeworfen, welche Einrichtung derzeit wieviele Plätze frei hat, wie die Warteliste aussieht und mit den jeweiligen Kontaktinfos. Man stellt sich fix eine Liste zusammen und startet dann die Kontaktanbahnung über die Website. Von virtuellen Rundgängen durch die Einrichtungen, Wikis, Weblogs, etc. will ich nun gar nicht erst anfangen. Wenn denn der Kontakt stattgefunden hat, geht man los, guckt sich alles persönlich an und hat dann hoffentlich auch einen Platz.

Aber Karteikarten sind irgendwie kindgerechter, mehr was zum anfassen und so, nicht dieser neumodische PC-Krams, den man hochfahren muss einmal die Woche zum Lesen der elektronischen Post. Verwaltung ist was feines, da kann gerne der Hauptgrund in den Hintergrund treten.

Familienpolitik findet nur in Sonntagsreden statt.

11 responses to Kinderbetreuungsverwaltungsgenerve

  1. Ordentliche Eltern gebären Kinder im arbeitsfähigen Alter. Das entlastet die städtischen Budgets und die Sauerei mit den Windeln fällt auch weg.

  2. ich vergass.

  3. Nico: Get real! So stellen WIR uns das vor. Andere sind froh, wenn sie keine E-Mail-Adresse haben, auf der man sie anschreiben könnte.

    Ich habe das Kämpfen aufgegeben. Kommunikation ist immer nur mittels kleinstem gemeinsamen Nenner möglich. Der ist nunmal nicht Internet.

    Wenn ich meinen Kollegen erzähle, dass ich etwas Interessantes im Netz gefunden habe, zweifeln die erstmal die Seriösität an und wollen dann einen Ausdruck.

  4. Peter Fisch 17.02.2007 at 9:32

    DATENSCHUTZ! Persönlichkeitsrechte! Wir Mütter und MütterInnen und Väter und VäterIinnen vom Aktionsbündnis gemeinsam gegen den Datenwahnsinn protestieren energisch gegen diese Vorschläge und solidarisieren uns mit den GewerkschaftlerInnen der Volkssolidarität in der öffentlichen Verwaltung für teileffektive Transparenz.

  5. Sollen sie doch weiter Karteikarten benutzen. Hauptsache wir finden irgendwie bezahlbare Betreuungsplätze.
    In Bochum hilft übrigens die Stadt. Und manchmal klappt das sogar überraschend gut. Manchmal…

  6. Ich hab die Hoffnung aufgegeben. Bei manche Menschen schaffen es bis zu ihrem Tod nicht, zu lernen und mit der Veränderung zu leben. Aber warte mal 10-20 Jahre, dann ist die Welt etwas besser. Halt! Nein! Dann gibts ja wieder die nächste Veränderung. Sorry, mein Fehler.

  7. Hi
    solch eine Webseite gibt es bereits wie du sie in dem Artikel vorgschlagen hast.
    Sie nennt sich kita-finden.de leider sind die Gemeinden und auch die Städte noch nicht so auf den Trichter gekommen das es für sie wesentlich billiger und effzienter wäre die Kitas bei uns einzutragen als womöglich eigene Portale zu eröffnen.
    Viele Grüße aus HH

    Christian

  8. chic, aber für unsere plz gibt es da nix. ehrlich gesagt kann das auch nur mit den daten der kommunen gehen. viel glück beim überzeugen der verwaltungen…

  9. Ich sollte mal eine Seite für einen privaten Kindergarten machen. Dachte sich der Förderverein, als Werbung und um Spenden einzutreiben.

    Die Eltern waren dagegen, weil Kinderschänder dadurch auf Ideen kommen könnten und dann ja auch schon die Räume kennen würden, und vielleicht über das Internet also durch das Internet durch… man hört ja soviel.

  10. Hier im Osten klappt es eigentlich ganz gut mit den Kitas und Tagesmüttern.
    Online ist da aber auch nicht so viel los.

    Wobei ich festgestellt habe, dass gerade bei den Tagesmüttern meistens die Mund-zu-Mund-Propaganda ausreicht. Die brauchen kein Internet, um ihre 2-3 Plätze anzubieten. Die persönlichen Erfahrungen anderer Eltern sind da sowieso goldwert.

    Gerade erlebt, als wir endlich den Platz bei einer begehrten Tagesmutter bekommen konnten und der anderen(unfähigen) entkommen sind.

  11. Danke Nico, da bin ich gerade dabei und es ist harte Arbeit die Gemeinden zu überzeugen, doch denke ich am Ende wird sich Qualität durchsetzen und je bekannter das portal wird deso weniger könen sich die Gemeinden dagegen sträuben. Ich habe auch schon auf einigen Bezirksämtern hier in Hamburg die Erfahrung gemacht, das die Leute begeistert sind und leider nichts machen können da sie nicht die nötigen Befugnisse haben. Fazit für mich: Die Leute an der Front in den Behörden kennen den Zustand und können Ihn leider nicht so einfach ändern. Wenn du deine Verwaltung beim nächsten Besuch auf Kita-finden.de aufmerksam machen möchtest kannst du das gerne tun.

    Viele Grüße aus HH
    Christian