Da ich gerade so gut in Stimmung bin, mal ein kurzer Lagebericht aus dem Ort, in dem Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann seit eltichen Jahren mit ihrer Familienpolitik dafür sorgt, dass man sich als Eltern verarscht vorkommt und merkt, dass all das Gerede von der Priorität für die Familie alles nur Luft ist, noch nicht mal heisse.
In Bonn gibt es eine Handvoll Betreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahren. Das ist also aussichtslos, daher darf man sich dann um eine Tagesmutter kümmern, die halbstaatlich verwaltet werden. Das geht so. Man latscht in eine Beratungsstelle, entweder Caritas, das evangelische Pendant, dass auf das Wortungetüm Werkstatt für Friedenserziehung hört(e) oder zum Kinderschutzbund. Bei der Caritas waren wir noch nicht, aber bei den anderen beiden. Da bekommt man dann ein Formular der Stadt Bonn vorgelegt, das man ausfüllen darf. Dann gibt es einige schlecht kopierte Merkblätter und einige Hinweise, wie wichtig die richtige Auswahl der Tagesmutter für das Kind sei. Dann der Hinweis aller Hinweise: so viele Tagesmütterplätze gibt es auch wieder nicht. Dann weiss die Beratende nicht, in welchem Stadtteil man wohnt, verspricht aber, eine Karte zu konsultieren, wenn sie in ihren Karteikarten nach der richtigen Tagesmutter für uns guckt. Nach 30 Minuten geht man wieder, mit dem Gefühl, dass man gerade 30 Minuten verschenkt hat. Karteikarten? Die Kontaktanbahnung durch die Tagesmutter findet per Telefon statt, aber bitte nicht auf der Handynummer, dass sei zu teuer, dafür wird dann nach einem Anrufbeantworter beim Festnetz gesprochen. Wow. Ich hole mal die Müslikekse, lass uns drüber reden.
Was für ein Unsinn. Alle Tagesmütter sind zentral erfasst, da weiss man bestimmt auch, wo die wohnen. Anstatt irgendwelche Formulare handschriftlich auszufüllen, würde eine kleine Website total viel Sinn machen. Finanziert vom Bund mit den Daten aller von den jeweiligen Kommunen anerkannten Tagesmüttern, Kinderkrippen, -tagesstätten, -gärten und -läden in der Datenbank. Dort gibt man seine Daten rein, malt mittels Google Maps einen Radius auf, in dem man gerne die Tagesmutter hätte, klickt auf “nu los, ich hätte nun echt gerne mal einen Betreuungsplatz!”, dann bekommt man als Ergebnis ausgeworfen, welche Einrichtung derzeit wieviele Plätze frei hat, wie die Warteliste aussieht und mit den jeweiligen Kontaktinfos. Man stellt sich fix eine Liste zusammen und startet dann die Kontaktanbahnung über die Website. Von virtuellen Rundgängen durch die Einrichtungen, Wikis, Weblogs, etc. will ich nun gar nicht erst anfangen. Wenn denn der Kontakt stattgefunden hat, geht man los, guckt sich alles persönlich an und hat dann hoffentlich auch einen Platz.
Aber Karteikarten sind irgendwie kindgerechter, mehr was zum anfassen und so, nicht dieser neumodische PC-Krams, den man hochfahren muss einmal die Woche zum Lesen der elektronischen Post. Verwaltung ist was feines, da kann gerne der Hauptgrund in den Hintergrund treten.
Familienpolitik findet nur in Sonntagsreden statt.


