In den 90ern wurde viel publiziert zum Thema Niedergang der Großstadtpartei und ich hatte immer gehofft, dass derartige Texte auch bei meinen Hamburger Genossen gelesen werden würden, zumal ich in den 90ern dort in Wahlkampfzeiten als Student arbeiten durfte.
Wenn man sich allerdings anguckt, was sich seit dem Ende der Amtszeit von Henning Voscherau auf allen Ebenen abspielt, dann muß man leider sehen, dass in Hamburg alle Chancen zu einem ordentlichen Neu-Anfang verpennt wurden. Nachwuchspolitiker leiden an mentaler Frühvergreisung und versprühen soviel Charisma wie ein Besen, die ehemals zweite Garde will zur ersten werden und überhebt sich maßlos an der Aufgabe, von Ideen keine Spur.
Da ist es logisch und konsequent, dass sich die SPD Hamburg bei der Suche nach einem Spitzenkandidaten gerade mit einer wundersamen Selbstinszinierung permanent in den Schlagzeilen der örtlichen Springerpresse hält und deutlich macht, dass sie nicht nur in der Opposition ist, sondern dort eigentlich auch am Liebsten noch lange bleiben will, denn da kann man sich so vortrefflich mit sich selber beschäftigen.
Nun also Entsetzen in SPD: Wahl manipuliert und ich kann dazu nur sagen: Rücktritt. Alle. Lasst es. Ihr seid augenscheinlich unfähig.
Es geht hier doch nur um eins, die Gräben zwischen Links und Rechts aufzureissen, die ja keine Linien anhand politischer Grundausrichtungen sind, sondern nur Verortungen von Einflußsphären darstellen, wobei die einen vielleicht etwas mehr sozialromantischer veranlagt sind als die anderen, damit die kommende Wahl vergeigt wird und dann ein strahlender Johannes Kahrs als neuer starker Mann in Hamburg seinen so lange angestrebten Thron besteigen kann.
Regenerierung in der Opposition kann es geben, die SPD Hamburg wählt lieber den Weg der Selbstzerfleischung. Die CDU feixt sich eins und muss, wenn sie Pech hat, nach der nächsten Wahl mit einem Juniorpartner SPD auskommen, der überhaupt nicht weiss, wo überhaupt das Personal für eine Regierung gefunden werden könnte.
Eigentlich sehen wir derzeit nur den konsequent durchgesetzten und offen ausgetragenen immer währenden Machtkampf in der Hamburger SPD, nur dass jetzt die Akteure kaum mehr zweite Wahl sind.
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