Faszination Autobahnbrücke

Ich habe Kinder, ich kann mittlerweile viele Dinge nachvollziehen, die mir sonst nicht einleuchten wollten. Ich kann nachvollziehen, dass ein Kind gerne von einer Brücke guckt und die anwesenden Erziehungsberechtigten nötig, ebenfalls von der Brücke zu gucken.

Aber: wieso bitte stehen ständig Leute auf den bundesdeutschen Autobahnbrücken und gucken herunter?

Ist es die Sehnsucht nach Geschwindigkeit? die Hoffnung auf einen Unfall? Langeweile? Angst vor dem Sprung? wildes Waswärewennnachgedenke?

Ich sehe Spaziergänger, Leute auf Fahrrädern, auf Pferden, Leute, die aus Autos aussteigen, alle haben sie nur ein Ziel: von der Autobahnbrücke auf die vorbeirasenden Autos zu gucken. Hat man das Konzept, kurz “brruuuum” genannt, nicht nach einem Mal verstanden? Wird das nicht langweilig? Bekommen wir so das Problem marodierender Großstadtbanden in den Griff, indem wir attraktivere Autobahnbrücken zum Runtergucken bauen? Oder warten die alle nur auf den geeigneten Moment, um herzhaft auf einen vorbeifahrenden Wagen zu rotzen?

Das sind so viele Fragen, bestimmt kommt bald eine Dokusoap, die mir das beantwortet: “Die Autogucker – Menschen auf Deutschlands Autobahnbrücken. Ihre Motivation, ihre Ängste, aber auch ihre Sehnsüchte.”

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6 Antworten auf „Faszination Autobahnbrücke“

  1. Solange mir keiner von denen vor das Auto springt, ist es doch eigentlich egal. Dieses Phänomen beschränkt sich übrigens nicht auf Autobahnen, auch von Brücken, die über Wasserwege führen, guckt man gern herunter.

  2. Das mit den Flussbrücken ist ja noch halbwegs verständlich, Schiffe sieht man schließlich nicht jeden Tag (es sei denn, man wohnt direkt neben so \’nem Wasserdings). Aber es vergeht tatsächlich nicht eine Hin- oder Rückfahrt, wo Leute von der Brücke runterstarren. Ich warte noch auf das Galileo Extra nach dem Pro7-Movie \”Die Brücke – Todessehnsucht in Wanne-Eickel\”, um es endlich zu begreifen…

  3. Ich glaube, man hat einfach einen besseren Überblick von da oben.
    Auf Züge gucke ich … ähem… gucken die auch immer gerne runter. Habe ich mal gesehen.

  4. Ich denke das Ganze hat wirklich etwas mit Faszination zu tun. Das Kind sieht aus einem anderen Blickwinkel auf die vorbeiziehenden Fahrzeuge, wie sie sich syncron ihren Weg bahnen und auf \”Schienen\” dahingleiten.
    Interessanterweise kann ich aus persönlichen Erfahrungen feststellen, dass ich für diesen Augenblick, des hinunterschauens die Umgebung um mich herum in den Hintergrund rückt. Da ich immer schon ein wenig melancholisch angehaucht war, streuen sich meine Gedanken recht schnell und folgen verschiedenen Pfaden, die sich oftmals fragen: welche Persönlichkeiten, Gedanken und Schicksale führen diese blechernen Kisten mit sich. Nungut, dieser Ablauf geschieht meist sehr schnell und flüchtig und dauert meist nur wenige Sekunden, und doch erfasst mich diese Faszination immer wieder auf das Neue.
    Doch für ein Kind, sind sie einfach nur vorbeiziehende Autos, wie die Züge einer Modelleisenbahn, auf dem Bahnhof und die Kinder sich die Nase an der Scheibe platt drücken.

  5. Als Kind bin ich gerne _in_ Autobahnbrücken gegangen (die sind nämlich nicht massiv). War cool. Endlos lange Gänge und ein cooler sound….

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