16. März 2007

Faszination Autobahnbrücke

Ich habe Kinder, ich kann mittlerweile viele Dinge nachvollziehen, die mir sonst nicht einleuchten wollten. Ich kann nachvollziehen, dass ein Kind gerne von einer Brücke guckt und die anwesenden Erziehungsberechtigten nötig, ebenfalls von der Brücke zu gucken.

Aber: wieso bitte stehen ständig Leute auf den bundesdeutschen Autobahnbrücken und gucken herunter?

Ist es die Sehnsucht nach Geschwindigkeit? die Hoffnung auf einen Unfall? Langeweile? Angst vor dem Sprung? wildes Waswärewennnachgedenke?

Ich sehe Spaziergänger, Leute auf Fahrrädern, auf Pferden, Leute, die aus Autos aussteigen, alle haben sie nur ein Ziel: von der Autobahnbrücke auf die vorbeirasenden Autos zu gucken. Hat man das Konzept, kurz “brruuuum” genannt, nicht nach einem Mal verstanden? Wird das nicht langweilig? Bekommen wir so das Problem marodierender Großstadtbanden in den Griff, indem wir attraktivere Autobahnbrücken zum Runtergucken bauen? Oder warten die alle nur auf den geeigneten Moment, um herzhaft auf einen vorbeifahrenden Wagen zu rotzen?

Das sind so viele Fragen, bestimmt kommt bald eine Dokusoap, die mir das beantwortet: “Die Autogucker – Menschen auf Deutschlands Autobahnbrücken. Ihre Motivation, ihre Ängste, aber auch ihre Sehnsüchte.”

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Als Kind bin ich gerne _in_ Autobahnbru00c3u00bccken gegangen (die sind nu00c3u00a4mlich nicht massiv). War cool. Endlos lange Gu00c3u00a4nge und ein cooler sound....

Ich denke das Ganze hat wirklich etwas mit Faszination zu tun. Das Kind sieht aus einem anderen Blickwinkel auf die vorbeiziehenden Fahrzeuge, wie sie sich syncron ihren Weg bahnen und auf "Schienen" dahingleiten.
Interessanterweise kann ich aus persu00c3u00b6nlichen Erfahrungen feststellen, dass ich fu00c3u00bcr diesen Augenblick, des hinunterschauens die Umgebung um mich herum in den Hintergrund ru00c3u00bcckt. Da ich immer schon ein wenig melancholisch angehaucht war, streuen sich meine Gedanken recht schnell und folgen verschiedenen Pfaden, die sich oftmals fragen: welche Persu00c3u00b6nlichkeiten, Gedanken und Schicksale fu00c3u00bchren diese blechernen Kisten mit sich. Nungut, dieser Ablauf geschieht meist sehr schnell und flu00c3u00bcchtig und dauert meist nur wenige Sekunden, und doch erfasst mich diese Faszination immer wieder auf das Neue.
Doch fu00c3u00bcr ein Kind, sind sie einfach nur vorbeiziehende Autos, wie die Zu00c3u00bcge einer Modelleisenbahn, auf dem Bahnhof und die Kinder sich die Nase an der Scheibe platt dru00c3u00bccken.

Ich glaube, man hat einfach einen besseren u00c3u009cberblick von da oben.
Auf Zu00c3u00bcge gucke ich ... u00c3u00a4hem... gucken die auch immer gerne runter. Habe ich mal gesehen.

Das mit den Flussbru00c3u00bccken ist ja noch halbwegs verstu00c3u00a4ndlich, Schiffe sieht man schlieu00c3u009flich nicht jeden Tag (es sei denn, man wohnt direkt neben so 'nem Wasserdings). Aber es vergeht tatsu00c3u00a4chlich nicht eine Hin- oder Ru00c3u00bcckfahrt, wo Leute von der Bru00c3u00bccke runterstarren. Ich warte noch auf das Galileo Extra nach dem Pro7-Movie "Die Bru00c3u00bccke - Todessehnsucht in Wanne-Eickel", um es endlich zu begreifen...

Solange mir keiner von denen vor das Auto springt, ist es doch eigentlich egal. Dieses Phu00c3u00a4nomen beschru00c3u00a4nkt sich u00c3u00bcbrigens nicht auf Autobahnen, auch von Bru00c3u00bccken, die u00c3u00bcber Wasserwege fu00c3u00bchren, guckt man gern herunter.

Das sind alles getarnte Zivilpolizisten die in Wirklichkeit Geschwindigkeitsmessungen machen...