Stadt der Talente?

Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger hat mit Hilfe von Roland Berger herausgefunden, dass für das Wachstum einer Metropole nicht nur Unternehmens-Ansiedlungen wichtig seien, sondern auch eine große Anzahl kreativer Menschen, die in der Stadt leben und arbeiten. Ach.

Dräger interessiert sich vor allem für junge Leute: “Deren Anwerbung ist leichter und günstiger als die von ausgebildeten Fachkräften”. Stimmen müssten dafür aber auch Standortfaktoren wie das Lebensgefühl, das mit Hamburg verbunden werde. Die “Stadt am Wasser” reiche dafür als Konzept nicht aus. Deshalb sei etwa eine gezielte Vermarktung auch alternativer Stadtteile und Wohnviertel, in denen Kreative gerne leben, ein denkbarer Weg.

Kreative sind nicht doof, die finden schon die lebenswerten Stadtteile von ganz alleine. Es würde allerdings ordentlich helfen, wenn in Hamburg finanzierbarer Wohnraum verfügbar wäre, gerne auch in Wohnvierteln, in den man gerne leben wollen würde. Da gab es mit der Hafencity eine Riesenchance, die bislang vergeigt wurde und jetzt zum Penthouse-Ghetto wird. Dräger sollte mal in den ICE steigen und nach Berlin fahren, da gibt es massig viel finanzierbaren Wohnraum, der eine enorme Sogwirkung auf die Kreativen auslöst. Und ich rede hier nicht von Wohnsilos am Rande der Stadt oder in altbekannten Problemstadtteilen wie Veddel oder Wilhelmsburg, sondern von Altbau mitten drin.

Wenigstens wurde jetzt mal etwas Geld für Powerpoints aus dem Hause Roland Berger angelegt, die das offensichtliche, was man u.a. aus jeder anderen wachsenden westlichen Großstadt auch sehr einfach hätte selber ableiten können, darstellt und eine schöne Pressekonferenz abgehalten, das ist ja auch etwas.

[ via: Hamburg soll Stadt der Talente werden ]

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5 Antworten auf „Stadt der Talente?“

  1. Jörg Dräger? Der hat doch \”Geh aufs Ganze\” moderiert… Wer jetzt schon alles Politiker wird… tststs…

  2. Die hamburger Stadtteile Ottensen, St.Georg, Schanze, Karo, St.Pauli beispielsweise waren vor 20-30 Jahren aufgegebene Stadtteile. Da hatten fast nur Rentner gewohnt und Sozialhilfeempfänger. Das war mal billigster Wohnraum. Mit dem Zuzug junger kreativer Leute haben alle diese Stadtteile enorm an Attraktivität hinzugewonnen. heute sind es In-Viertel. Und teilweise etsprechend teuer. Die Stadt hat wenig mit der Entwicklung dieser Stadtteile zu tun. Unter Ole (CDU) ist aber auch das Thema Stadtentwicklung an diesen Stellen komplett auf \”0\” gesunken.

    So. Eigentlich müsste man als junger Mensch mittlerweile auf die \”hässlichen aber billigen Ecken\” Hamm, Veddel, Wilhelmburg usw gucken. Nur Mut Herr Lumma! Du bist jung und kreativ! … ;-)

  3. Cem, ich gebe dir natürlich recht, wie könnte ich auch anders, was die entwicklung der genannten stadtteilen angeht. das muster ist ja auch bekannt. verfall, künstler, galerien, arschteuer, yuppies, langeweile.

    nur, die substanz bzw. die möglichkeiten waren damals andere als jetzt in den genannten stadtteilen veddel und wilhelmsburg. in den betonburgen will man nicht wohnen wollen.

  4. Wilhemsburg entwickelt sich momentan ja tatsächlich in so eine Richtung. Die Gegend um die Große Bergstraße (Östlich vom Bahnhof Altona) ähnlich.

    Das Zutun der Stadt ist hierdran aber wirklich null.

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