20. April 2007

Stadt der Talente?

Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger hat mit Hilfe von Roland Berger herausgefunden, dass für das Wachstum einer Metropole nicht nur Unternehmens-Ansiedlungen wichtig seien, sondern auch eine große Anzahl kreativer Menschen, die in der Stadt leben und arbeiten. Ach.

Dräger interessiert sich vor allem für junge Leute: “Deren Anwerbung ist leichter und günstiger als die von ausgebildeten Fachkräften”. Stimmen müssten dafür aber auch Standortfaktoren wie das Lebensgefühl, das mit Hamburg verbunden werde. Die “Stadt am Wasser” reiche dafür als Konzept nicht aus. Deshalb sei etwa eine gezielte Vermarktung auch alternativer Stadtteile und Wohnviertel, in denen Kreative gerne leben, ein denkbarer Weg.

Kreative sind nicht doof, die finden schon die lebenswerten Stadtteile von ganz alleine. Es würde allerdings ordentlich helfen, wenn in Hamburg finanzierbarer Wohnraum verfügbar wäre, gerne auch in Wohnvierteln, in den man gerne leben wollen würde. Da gab es mit der Hafencity eine Riesenchance, die bislang vergeigt wurde und jetzt zum Penthouse-Ghetto wird. Dräger sollte mal in den ICE steigen und nach Berlin fahren, da gibt es massig viel finanzierbaren Wohnraum, der eine enorme Sogwirkung auf die Kreativen auslöst. Und ich rede hier nicht von Wohnsilos am Rande der Stadt oder in altbekannten Problemstadtteilen wie Veddel oder Wilhelmsburg, sondern von Altbau mitten drin.

Wenigstens wurde jetzt mal etwas Geld für Powerpoints aus dem Hause Roland Berger angelegt, die das offensichtliche, was man u.a. aus jeder anderen wachsenden westlichen Großstadt auch sehr einfach hätte selber ableiten können, darstellt und eine schöne Pressekonferenz abgehalten, das ist ja auch etwas.

[ via: Hamburg soll Stadt der Talente werden ]

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Wilhemsburg entwickelt sich momentan ja tatsu00c3u00a4chlich in so eine Richtung. Die Gegend um die Grou00c3u009fe Bergstrau00c3u009fe (u00c3u0096stlich vom Bahnhof Altona) u00c3u00a4hnlich.

Das Zutun der Stadt ist hierdran aber wirklich null.

Cem, ich gebe dir natu00c3u00bcrlich recht, wie ku00c3u00b6nnte ich auch anders, was die entwicklung der genannten stadtteilen angeht. das muster ist ja auch bekannt. verfall, ku00c3u00bcnstler, galerien, arschteuer, yuppies, langeweile.

nur, die substanz bzw. die mu00c3u00b6glichkeiten waren damals andere als jetzt in den genannten stadtteilen veddel und wilhelmsburg. in den betonburgen will man nicht wohnen wollen.

Man vergesse nicht die begnadeten Ku00c3u00b6rperku00c3u00bcnstler und kinu00c3u00a4sthetische Genies der Reeperbahn :)

Die hamburger Stadtteile Ottensen, St.Georg, Schanze, Karo, St.Pauli beispielsweise waren vor 20-30 Jahren aufgegebene Stadtteile. Da hatten fast nur Rentner gewohnt und Sozialhilfeempfu00c3u00a4nger. Das war mal billigster Wohnraum. Mit dem Zuzug junger kreativer Leute haben alle diese Stadtteile enorm an Attraktivitu00c3u00a4t hinzugewonnen. heute sind es In-Viertel. Und teilweise etsprechend teuer. Die Stadt hat wenig mit der Entwicklung dieser Stadtteile zu tun. Unter Ole (CDU) ist aber auch das Thema Stadtentwicklung an diesen Stellen komplett auf "0" gesunken.

So. Eigentlich mu00c3u00bcsste man als junger Mensch mittlerweile auf die "hu00c3u00a4sslichen aber billigen Ecken" Hamm, Veddel, Wilhelmburg usw gucken. Nur Mut Herr Lumma! Du bist jung und kreativ! ... ;-)

Ju00c3u00b6rg Dru00c3u00a4ger? Der hat doch "Geh aufs Ganze" moderiert... Wer jetzt schon alles Politiker wird... tststs...