Imperialistischer amerikanischer Kaffeegenuß

25032007Vor einer guten Dekade war Starbucks der fiese Nachahmer aus Seattle, der sich die aufkommende Kaffeekultur in der San Francsco Bay Area angeguckt und kopiert hatte. Alte Recken, die Peet’s Coffee lange kannten, waren empört und machten einen Bogen um Starbucks.

Mittlerweile gilt auch in Deutschland der alte Grundsatz “an eine Strassenecke gehört ein Starbucks”, den man z.B. perfekt in New York umgesetzt hat, aber auch in Hamburg poppen alle naslang neue Starbucks auf, sogar in Bonn gibt es derer drei neuerdings. Ich trinke saugerne Kaffee und gehe oft zu Starbucks, aber auch zu Balzac, die es vor allem in Hamburg gibt. Balzac ist ein ziemlicher Nachahmer von Starbucks, aber ein guter.

Zu Tchibo gehe ich nie, da gibt es nur praktischen Partnerlook, Bedienungen in Kitteln und ein Ambiente, das an den Wartebereich des Sozialamtes Hamburg Nord erinnert. Praktisch, aber nicht einladend.

Dennoch muss ich mir ständig anhören: “Starbucks? ich lehne diese amerikanischen Ketten ab.” Und dann frage ich mich: “häh? wieso?”. Wir halten mal fest: Tchibo gibt es seit Ewigkeiten. Kaffee auch. Stehcafes in Deutschland waren bekannt für Plastikbecher, in denen brühheisser Filterkaffee serviert wurde, den man schon auf dem Weg zum Stehtisch mindestens einmal über seine Finger geschwappt hatte, es gab keine Klos, kein Wlan, dafür aber ein altes Brötchen mit einer traurigen Scheibe Mettwurst.

Man kann das auch anders machen. Und, wenn man ein wenig auf die Entwicklung der Märkte achtet, dann weiss man, dass mit einer ziemlichen Sicherheit Entwicklungen aus den USA auch auf den deutschen Markt schwappen. So auch der Kaffeegenuß in einem angenehmen Ambiente, mit Auswahl, Muffins, Musik und freundlichen Bedienungen, WLAN und Sesseln. Sicher, dass ist nicht das charmante kleine Cafe an der Ecke, aber dafür bekomme ich meinen Tall Mocha to Go so wie ich ihn erwarte. Starbucks hat das geniesserische Kaffetrinken durchoptimiert, das muß man ihnen lassen.

Warum ich das schreibe? Weil ich letztens in Hamburg zu Balzac ging, nach WLAN fragte und angeguckt wurde, als ob ich perverse Gelüste geäußert hätte. Daraufhin bin ich um die Ecke zu Starbucks und konnte mein temporäres Büro eröffnen. Wenn Balzac schon kopiert, dann bitte ordentlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen: alle kopieren das Original, andere verpennen ein Megabusiness, aber Starbucks macht trotz aller Evilness sehr leckeren Kaffee und ich gehe da gerne hin. Es ist nicht mein Problem, wenn ausser Balzac und einigen anderen alle diese Entwicklung verpeilt haben. Wie das einer Firma wie Tchibo passieren konnte, und bislang immer noch nicht korrigiert wurde, ist immer allerdings schleierhaft.

Wenn ich einen Starbucks-Kaffee haben will, dann gehe ich da hin, wenn ich in ein nettes kleines Cafe will, dann gehe ich dort hin. So einfach ist das.

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18 Antworten auf „Imperialistischer amerikanischer Kaffeegenuß“

  1. Zu Tchibo gehst du nicht? Was magst du nicht an diesem kaffeeröstenden Bekleidungsbaumarkt, bei dem es immer so schön nach Kaffee duftet?

  2. Solange hier nicht die amerikanische Plörre noch Einzug hält?

    Soll Starbucks seine Läden aufmachen wo sie wollen, solange mir das gemütliche Café an der Ecke erhalten bleibt, gerne auch mit Kittelschürze. :-) Nix gegen MacDo hin und wieder, aber individuelles Ambiente, Persönlichkeit eben, ist mir tausend mal lieber.

  3. in münchen ist der balzac-äquivalent die \”san francisco coffee company\” und der kaffee dort schmeckt ebenfalls sehr lecker. die baumarkt-romantik von tchibo vermisse ich dort auch nicht.

  4. die antwort auf all deine fragen lautet: caras, aber die gibt es wiederum nur in berlin, so wie einstein (soweit ich weiß), was doch einiges über hamburg sagt :) yeah, city-dissen rockt!

  5. Früher war alles besser. Da gab\’s Kaffee draussen nur im Kännchen und der Kaputtschino schmollte unter einem Hütchen aus Spritzsahne.
    So macht man Wirtschaftswunder qed.

  6. Im Lummaland, dem Blog von Nico Lumma findet sich heute eine Lobrede für die Cafés der amerikanischen Kette Starbucks. \”Starbucks hat das geniesserische Kaffetrinken durchoptimiert, das muß man ihnen lassen.\”

  7. Der einzig annehmbare Kaffee von McD ist der in den McCafe Filliaen, aber der kommt von Jacobs und ist ein wenig bitter :) (Zumindest steht da meist ein Jacons Schild)

  8. ich finde das Bedürfnis, Kaffee aus Pappbechern zu trinken ziemlich absurd. Egal ob WLAN vorhanden ist, oder von mir aus ein Serverraum.
    Das einzige, was ich Starbucks abgewinnen kann sind Blaubeermuffins, davon nehme ich schon mal einen mit. Zwischen das ganze spackige Volk setzt ich mich in dem Schietladen aber nich.

  9. die haben da auch sehr schöne große becher, die an waechtersbacher becher erinnern, die man irgendwie nirgends mehr im laden findet.

  10. Ja, Jacobs ist Lieferant für McCafé, aber ob die den Espresso von Jacobs hergestellt wird weiss ich nicht.

    Ab 2008 wird es mehr McCafés als Tchibo Cafés (450) geben. Starbucks (100?) hat den deutschen Markt völlig verschlampt, ich weiss nicht ob die je aufholen können.

  11. Ich weiss nicht, ob das in allen Starbucks-Filialen so ist, aber mindestens in einer kostet 1 Stunde WLan 8 Euro!

    Bei Woyton gibts das kostenlos …

  12. Also selbst ich als nicht-Kaffeetrinker gehe zu Starbucks… gibt ja noch andere Sachen da.

    BTW: Tchibo hat\’s (lt. einem Welt-Artikel von heute) nicht geschafft, weil einer der Besitzer eine Art Bedenkenträger ist, der lieber Micromanagment betreibt (Filialen besucht und nachher deren Regalaufeilung kritisiert) anstatt auch mal riskante Entscheidungen zu treffen.

  13. Was mich wirklich stört: Ich kann jetzt schon das typische Starbucks-Design nicht mehr sehen. Ich finde die Inneinrichtung von Starbucks außerdem so furchtbar mainstreamig, unmutig, gleichförmig, global, kuschelig-schlimm, möchtegern-studentisch. Grässlich!!

  14. Soviel zu “Starbucks” :

    http://www.zeit.de/2003/17/Starbucks?page=all

    Geschäftemacherei auf Kosten anderer und ohne Sinn für “Persönlichkeit” geht für mich nicht in Ordnung.
    Den ganzen Großkonzernscheiss, sei es Starbucks, Balsac, Mcdonalds, H und M oder die Ansammlung von Discountketten und, zumindest in Berlin, übertriebene Eröffnungen von Einkaufscentern.
    Wenn ich hier durch die Straßen laufe, seh ich bald nur noch Einkaufsläden von großen Ketten, die versuchen sich den besten Platz in der Strasse zu ergattern. Kleine Läden werden gnadenlos ausgebootet… Diese Stadt verliert immer mehr sich selbst, leider…das schlimme dabei ist, dass den meisten es egal ist. Und Starbucks mischt kräftig mit.

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