Vor einer guten Dekade war Starbucks der fiese Nachahmer aus Seattle, der sich die aufkommende Kaffeekultur in der San Francsco Bay Area angeguckt und kopiert hatte. Alte Recken, die Peet’s Coffee lange kannten, waren empört und machten einen Bogen um Starbucks.
Mittlerweile gilt auch in Deutschland der alte Grundsatz “an eine Strassenecke gehört ein Starbucks”, den man z.B. perfekt in New York umgesetzt hat, aber auch in Hamburg poppen alle naslang neue Starbucks auf, sogar in Bonn gibt es derer drei neuerdings. Ich trinke saugerne Kaffee und gehe oft zu Starbucks, aber auch zu Balzac, die es vor allem in Hamburg gibt. Balzac ist ein ziemlicher Nachahmer von Starbucks, aber ein guter.
Zu Tchibo gehe ich nie, da gibt es nur praktischen Partnerlook, Bedienungen in Kitteln und ein Ambiente, das an den Wartebereich des Sozialamtes Hamburg Nord erinnert. Praktisch, aber nicht einladend.
Dennoch muss ich mir ständig anhören: “Starbucks? ich lehne diese amerikanischen Ketten ab.” Und dann frage ich mich: “häh? wieso?”. Wir halten mal fest: Tchibo gibt es seit Ewigkeiten. Kaffee auch. Stehcafes in Deutschland waren bekannt für Plastikbecher, in denen brühheisser Filterkaffee serviert wurde, den man schon auf dem Weg zum Stehtisch mindestens einmal über seine Finger geschwappt hatte, es gab keine Klos, kein Wlan, dafür aber ein altes Brötchen mit einer traurigen Scheibe Mettwurst.
Man kann das auch anders machen. Und, wenn man ein wenig auf die Entwicklung der Märkte achtet, dann weiss man, dass mit einer ziemlichen Sicherheit Entwicklungen aus den USA auch auf den deutschen Markt schwappen. So auch der Kaffeegenuß in einem angenehmen Ambiente, mit Auswahl, Muffins, Musik und freundlichen Bedienungen, WLAN und Sesseln. Sicher, dass ist nicht das charmante kleine Cafe an der Ecke, aber dafür bekomme ich meinen Tall Mocha to Go so wie ich ihn erwarte. Starbucks hat das geniesserische Kaffetrinken durchoptimiert, das muß man ihnen lassen.
Warum ich das schreibe? Weil ich letztens in Hamburg zu Balzac ging, nach WLAN fragte und angeguckt wurde, als ob ich perverse Gelüste geäußert hätte. Daraufhin bin ich um die Ecke zu Starbucks und konnte mein temporäres Büro eröffnen. Wenn Balzac schon kopiert, dann bitte ordentlich.
Zusammenfassend lässt sich sagen: alle kopieren das Original, andere verpennen ein Megabusiness, aber Starbucks macht trotz aller Evilness sehr leckeren Kaffee und ich gehe da gerne hin. Es ist nicht mein Problem, wenn ausser Balzac und einigen anderen alle diese Entwicklung verpeilt haben. Wie das einer Firma wie Tchibo passieren konnte, und bislang immer noch nicht korrigiert wurde, ist immer allerdings schleierhaft.
Wenn ich einen Starbucks-Kaffee haben will, dann gehe ich da hin, wenn ich in ein nettes kleines Cafe will, dann gehe ich dort hin. So einfach ist das.


