05. Juni 2007

Agendasetting per Pflasterstein

Die derzeit grassierende G8-Woche wird von einem Thema dominiert, dem schwarzen Block. Jede Menge Experten geben ihre Analysen zum Besten, Berichterstatter zeigen sich schockiert vom Ausmass der Gewalt und Politiker fordern entweder harte Bandagen oder Deeskalation.

Ich habe in Göttingen studiert, dort war der schwarze Block auf allen Demos präsent, was dazu führte, dass ich nicht mehr demonstrieren gegangen bin. Friedlicher Protest ist eine Sache, aber Randale ist nicht meine Art der Auseinandersetzung. Ich finde sie absolut kontraproduktiv, in den 90ern bei Demos gegen Rechts und auch jetzt bei Demos zum G8-Gipfel. Gewalt erzeugt sicherlich immense Aufmerksamkeit, aber sie lenkt dadurch von allem anderen ab.

Das ist das Dilemma, in dem derzeit die Organisatoren der Protestaktionen zum G8-Gipfel stecken, ihre Themen kommen nicht auf die Agenda, denn dort ist einzig und alleine der schwarze Block, denn dieser liefert Bilder, Emotionen und Diskussionsstoff.

Ich frage mich, wieviele Pflastersteine noch geworfen werden müssen, bis sog. linke Gruppen endlich realisieren, dass ihre Duldung des schwarzen Blocks und ihre hanebüchenen Erklärungs- und Rechtvertigungsversuche der Daseinsberechtigung eines schwarzen Blocks bei Demos einzig und allein dazu beitragen, dass das eigene Anliegen völlig ins Hintertreffen gerät. Da werden wohl noch etliche Kilometer abgedeckter Bürgersteige ins Land gehen, bis diese Erkenntnis bei den Demo-Veranstaltern durchsickert.

Bis dahin halte ich mich weiterhin von Demos fern, zum einen sind die meistens postulierten Maximalforderungen nicht meine Sache, zum anderen finde ich meine Gesundheit recht angenehm, aber vor allem will ich nicht mit dieser Art des Agendasettingprozesses in Verbindung gebracht werden.

Kann mir mal jemand sagen, was bislang an Protest in Rostock und Heiligendamm gelaufen ist, abgesehen vom Krawall? Da dringt kaum etwas durch.

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Ich bin 19 und ein Van von TH.
Ich vinde die vier Jungs total su00c3u00bcu00c3u009f.
Ha heman lust mit mir zu scheten
Gruu00c3u009f und Kuu00c3u009f eure Holi

Ich bin 19 und ein Van von TH.
Ich vinde die vier Jungs total su00c3u00bcu00c3u009f.
Ha heman lust mit mir zu scheten
Gruu00c3u009f und Kuu00c3u009f eure Holi

@der_will_nur_spielen : So, ohne Gewalt geht es manchmal nicht?

Ist evtl. Ansichtssache. Ich schick mal ein paar Jungs aus dem Frankfurter Banhofsviertel bei Dir vorbei, die polieren dir dann schu00c3u00b6n das Fresschen und gut ist. Wenn Du dann zur Polizei rennst, werde ich mich mit deinen Worten verteidigen - "Es geht halt manchmal nicht ohne Gewalt".

Junge, wer so eine Meinung vertritt, nur weil es mal gerade eben zur Gesinnung passt, bei dem mu00c3u00bcssen schon ein paar Pflastersteine auf dem Kopf gelandet sein.

@hasenmatze: geh mal zum Arzt, das ist eine ausgewachsene Paranoia, die du da - noch harmlos - mit Dir rumschleppst.

@d_w_n-s: Auch bei schlechtem Wetter darf hier noch jeder selbst entscheiden, ob er den schwarzen Block durch liegenbleiben umgehen will.

Boar, ich kann das Geschwu00c3u00a4tz von den Polizeiangriffen und Polizeileuten im Schwarzen Block nicht mehr hu00c3u00b6ren.

1. Sind die Polizisten auch nur ganz normale Menschen, die ihren Job machen und auf Anordnung entsprechend handeln oder ggf. sich selbstverteidigen und keine raufgeilen Black Men o.u00c3u00a4.

2. Wu00c3u00a4re es fu00c3u00bcr Innen- und Auu00c3u009fenpolitik (und letztere ist beim G8-Gipfel ob der internationalen Aufmerksamkeit wesentlich bedeutender) erheblich besser, wenn alles friedlich ablaufen wu00c3u00bcrde und man den Einsatz und das Sicherheitskonzept als vollen Erfolg feiern und sich auch im Ausland entsprechend pru00c3u00a4sentieren ku00c3u00b6nnte. Von Seiten der Politik und auch der Poizei besteht keinerlei Interesse an den Krawallen.

3. Auch staatliche Anstachler innerhalb des Blocks wu00c3u00a4ren keine Entschuldigung fu00c3u00bcr das Handeln der anderen. Jeder ist immernoch selbst fu00c3u00bcr sich verantwortlich.

Mit die besten Beitru00c3u00a4ge dazu hat in den letzten Tagen wohl farlion geschrieben. Wenn die Welt blou00c3u009f so einfach schwarz (Staat - whatever this is) und weiu00c3u009f (ich armer, unterjochter Bu00c3u00bcrger) wu00c3u00a4re, wie es sich eine Autonomenverteidiger hier und woanders wu00c3u00bcnschen ...

Achtung, jetzt wird's brisant, bitte die (vermutlich u00c3u00bcberzu00c3u00a4hligen) Konjunktive beachten: WENN jemand Politiker in der Innenpolitik Wu00c3u0084RE, Wu00c3u009cRDE er es VIELLEICHT als effizientes Mittel ansehen, den vorhandenen schwarzen Block durch eigene "Mitarbeiter" zu ergu00c3u00a4nzen und so eine gewisse Dynamik in einen Protest zu bringen, um die Abscheu des Volkes auf seiner Seite haben zu ku00c3u00b6nnen und damit den politischen Parcour fu00c3u00bcr eine bestimmte Strategie zu ebnen.

Dank Vermummungsmu00c3u00b6glichkeiten ist eine Umsetzung ja recht einfach.

Hallo Nico!

Ich weiu00c3u009f zufu00c3u00a4llig ein bisschen Bescheid, da ein Freund von mir bei den Demonstrationen dabei war, allerdings nicht als Teil des "Schwarzen Blocks", sondern als normaler Demonstrant.

Er hat mir total schockiert davon erzu00c3u00a4hlt, dass die gewalttu00c3u00a4tigen Proteste erst begannen, NACHDEM die Polizei die Demonstration gestu00c3u00bcrmt hat. (Und dabei nicht zimperlich vorgegangen ist - keine Spur von Ru00c3u00bccksichtsvollen Vorgehen, wenn man durch eine Gruppe von Kindern auf den "Schwarzen Block" los geht.)

Ich bin grundsu00c3u00a4tzlich gegen die Gewalt in den Protesten, welche Argumente auch immer die Demonstranten haben, im Prinzip u00c3u00a4hnlich wie du.
Aber nach diesen Erzu00c3u00a4hlungen beginne ich langsam wieder, mich zu fragen, inwieweit durch das Anstacheln der Gewalt nicht irgendwelche Interessen befriedigt wurden. (Zum Beispiel, dass keine vernu00c3u00bcnftigen Diskussionen mehr gefu00c3u00bchrt werden, sondern zur Zeit nur die Protestanten verurteilt werden.)