Agendasetting per Pflasterstein

Die derzeit grassierende G8-Woche wird von einem Thema dominiert, dem schwarzen Block. Jede Menge Experten geben ihre Analysen zum Besten, Berichterstatter zeigen sich schockiert vom Ausmass der Gewalt und Politiker fordern entweder harte Bandagen oder Deeskalation.

Ich habe in Göttingen studiert, dort war der schwarze Block auf allen Demos präsent, was dazu führte, dass ich nicht mehr demonstrieren gegangen bin. Friedlicher Protest ist eine Sache, aber Randale ist nicht meine Art der Auseinandersetzung. Ich finde sie absolut kontraproduktiv, in den 90ern bei Demos gegen Rechts und auch jetzt bei Demos zum G8-Gipfel. Gewalt erzeugt sicherlich immense Aufmerksamkeit, aber sie lenkt dadurch von allem anderen ab.

Das ist das Dilemma, in dem derzeit die Organisatoren der Protestaktionen zum G8-Gipfel stecken, ihre Themen kommen nicht auf die Agenda, denn dort ist einzig und alleine der schwarze Block, denn dieser liefert Bilder, Emotionen und Diskussionsstoff.

Ich frage mich, wieviele Pflastersteine noch geworfen werden müssen, bis sog. linke Gruppen endlich realisieren, dass ihre Duldung des schwarzen Blocks und ihre hanebüchenen Erklärungs- und Rechtvertigungsversuche der Daseinsberechtigung eines schwarzen Blocks bei Demos einzig und allein dazu beitragen, dass das eigene Anliegen völlig ins Hintertreffen gerät. Da werden wohl noch etliche Kilometer abgedeckter Bürgersteige ins Land gehen, bis diese Erkenntnis bei den Demo-Veranstaltern durchsickert.

Bis dahin halte ich mich weiterhin von Demos fern, zum einen sind die meistens postulierten Maximalforderungen nicht meine Sache, zum anderen finde ich meine Gesundheit recht angenehm, aber vor allem will ich nicht mit dieser Art des Agendasettingprozesses in Verbindung gebracht werden.

Kann mir mal jemand sagen, was bislang an Protest in Rostock und Heiligendamm gelaufen ist, abgesehen vom Krawall? Da dringt kaum etwas durch.

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7 Antworten auf „Agendasetting per Pflasterstein“

  1. Hallo Nico!

    Ich weiß zufällig ein bisschen Bescheid, da ein Freund von mir bei den Demonstrationen dabei war, allerdings nicht als Teil des \”Schwarzen Blocks\”, sondern als normaler Demonstrant.

    Er hat mir total schockiert davon erzählt, dass die gewalttätigen Proteste erst begannen, NACHDEM die Polizei die Demonstration gestürmt hat. (Und dabei nicht zimperlich vorgegangen ist – keine Spur von Rücksichtsvollen Vorgehen, wenn man durch eine Gruppe von Kindern auf den \”Schwarzen Block\” los geht.)

    Ich bin grundsätzlich gegen die Gewalt in den Protesten, welche Argumente auch immer die Demonstranten haben, im Prinzip ähnlich wie du.
    Aber nach diesen Erzählungen beginne ich langsam wieder, mich zu fragen, inwieweit durch das Anstacheln der Gewalt nicht irgendwelche Interessen befriedigt wurden. (Zum Beispiel, dass keine vernünftigen Diskussionen mehr geführt werden, sondern zur Zeit nur die Protestanten verurteilt werden.)

  2. Achtung, jetzt wird\’s brisant, bitte die (vermutlich überzähligen) Konjunktive beachten: WENN jemand Politiker in der Innenpolitik WÄRE, WÜRDE er es VIELLEICHT als effizientes Mittel ansehen, den vorhandenen schwarzen Block durch eigene \”Mitarbeiter\” zu ergänzen und so eine gewisse Dynamik in einen Protest zu bringen, um die Abscheu des Volkes auf seiner Seite haben zu können und damit den politischen Parcour für eine bestimmte Strategie zu ebnen.

    Dank Vermummungsmöglichkeiten ist eine Umsetzung ja recht einfach.

  3. Boar, ich kann das Geschwätz von den Polizeiangriffen und Polizeileuten im Schwarzen Block nicht mehr hören.

    1. Sind die Polizisten auch nur ganz normale Menschen, die ihren Job machen und auf Anordnung entsprechend handeln oder ggf. sich selbstverteidigen und keine raufgeilen Black Men o.ä.

    2. Wäre es für Innen- und Außenpolitik (und letztere ist beim G8-Gipfel ob der internationalen Aufmerksamkeit wesentlich bedeutender) erheblich besser, wenn alles friedlich ablaufen würde und man den Einsatz und das Sicherheitskonzept als vollen Erfolg feiern und sich auch im Ausland entsprechend präsentieren könnte. Von Seiten der Politik und auch der Poizei besteht keinerlei Interesse an den Krawallen.

    3. Auch staatliche Anstachler innerhalb des Blocks wären keine Entschuldigung für das Handeln der anderen. Jeder ist immernoch selbst für sich verantwortlich.

    Mit die besten Beiträge dazu hat in den letzten Tagen wohl farlion geschrieben. Wenn die Welt bloß so einfach schwarz (Staat – whatever this is) und weiß (ich armer, unterjochter Bürger) wäre, wie es sich eine Autonomenverteidiger hier und woanders wünschen …

  4. @hasenmatze: geh mal zum Arzt, das ist eine ausgewachsene Paranoia, die du da – noch harmlos – mit Dir rumschleppst.

    @d_w_n-s: Auch bei schlechtem Wetter darf hier noch jeder selbst entscheiden, ob er den schwarzen Block durch liegenbleiben umgehen will.

  5. @der_will_nur_spielen : So, ohne Gewalt geht es manchmal nicht?

    Ist evtl. Ansichtssache. Ich schick mal ein paar Jungs aus dem Frankfurter Banhofsviertel bei Dir vorbei, die polieren dir dann schön das Fresschen und gut ist. Wenn Du dann zur Polizei rennst, werde ich mich mit deinen Worten verteidigen – \”Es geht halt manchmal nicht ohne Gewalt\”.

    Junge, wer so eine Meinung vertritt, nur weil es mal gerade eben zur Gesinnung passt, bei dem müssen schon ein paar Pflastersteine auf dem Kopf gelandet sein.

  6. Ich bin 19 und ein Van von TH.
    Ich vinde die vier Jungs total süß.
    Ha heman lust mit mir zu scheten
    Gruß und Kuß eure Holi

  7. Ich bin 19 und ein Van von TH.
    Ich vinde die vier Jungs total süß.
    Ha heman lust mit mir zu scheten
    Gruß und Kuß eure Holi

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