Deutschlandfonds

Vor ein paar Wochen wurde mir (und anderen) die Idee des Deutschlandfonds präsentiert und um mein Feedback gebeten. So ganz schlüssig bin ich mir bei dem Thema nicht. Interessant ist dazu ein Artikel in der FTD, so als Überblick zum Thema.

Ich bin mir immer noch am Zweifeln, ob die Idee, einen möglichst breit aufgestellten Fonds zu basteln, an dem Angestellte dann Anteile bekommen und somit das direkte Risiko an einem Unternehmen beteiligt zu sein, das auch Pleite gehen kann, wirklich so ein großer Wurf für die Masse der Angestellten ist oder eher eine massive Verwaltung schafft, die dann die Gelder so investiert, dass am Ende nichts bei rumkommt. Ich weiss auch nicht, ob der Fokus auf Deutschland der Vorteil oder der Nachteil ist.

Generell finde ich die Idee auf den ersten Blick charmant, aber ich bezweifle, dass die Umsetzung so erfolgt, dass sie die Idee nicht komplett verwässert.

Was meint ihr?

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8 Antworten auf „Deutschlandfonds“

  1. Das erinnert mich zum einen entfernt an eine sozialisierte Deutschland AG, zum anderen würden das alle beteilgten Arbeitgeber wie Arbeitnehmer die notwendige Einzahlung in den Fond als zusätzliche \”Steuer\” empfinden. Ich halte das Ganze für die Idee aus Politikergehirnen entsprungen, die natürlich sich gerne massgeblich in die Kontrollorgane setzen würden. Nicht durchsetzbar und in meinen Augen am Thema vorbei. Wozu dann in diesem Kontext noch ein Insolvenzgeld an die Arbeitnehmer?? Würde das dann entfallen??? Höchst problematisch.

  2. Etwas ähnliches gibt es im schwedischen Rentensystem. Dort wird ein Teil der Rentenabgaben an ein staatliches Institut abgeführt, das diese Gelder am Markt investiert, um eine Kapitalrendite zu erwirtschaften. Allerdings ist die Zielstzung dort eine andere als in Deutschland.

  3. Hmm, das könnte in Richtung der Pensionfonds gehen, wie es sie in den USA gibt. Interessant bei Denen ist, das die so riesig sind, dass sich niemand mit denen anlegt und sie ihre Größe auch dazu verwenden ihre Verantwortung wahrzunehmen. Da werden dann auch schon mal Corporate Governance Richtlinien bei den Unternehmen an dennen man beteiligt ist durchgesetzt.
    Das finde ich schon gut.

    Allerdings muss ich auf der anderen Seite auch Cem zustimmen. Das stinkt auhc schon wieder stark nach Deutschland-AG. Und würde genau die wieder volle Breitseite einführen undsogar noch institutionalisieren. Und das ist etwas das wir nun wirklich nicht brauchen.

  4. @Kai & Marcel: der Vorschlag, um den es hier geht, ist kein Pensionsfonds. Dass kluge Fondverwalter in die Wirtschaft investieren, ist ja normal. In was denn sonst? Dass der Staat dabei für stattliche Fonds bestimmte Auflagen ausspricht, ist auch normal. Das tut jeder Fondinhaber. Das hätten die mal in Bonn & Berlin mit der staatlichen Rentenkasse tun sollen (\”Die Rente sischer!\”), dann hätten wir heute keine Probleme damit.

    Was jetzt vorgeschlagen wird ist ja zu einem anderen zweck und ist ZUSÄTZLICH zu den bestehenden Abgaben.

  5. Würde es nur um Altersvorsorge und Anlage in Kapitalvermögen gehen, gäbe es dafür doch schon genug Möglichkeiten, oder? Die Politik müsste nur sicherstellen, dass der \”Masse der Angestellten\” überhaupt noch etwas bleibt zum Anlegen – neben Steuern und Abgaben. Aber mal ehrlich, glaubt wirklich jemand, dass es darum geht?

    Die SPD zimmert sich hier, neben dem Mindestlohn, ein schönes Wahlkampfthema zusammen, um vom eigenen traurigen Zustand abzulenken. Und falls das Ganze wirklich Realität werden sollte, gibt es viele schöne Pöstchen und noch viel mehr Geld für aktive Industriepolitik zu verteilen. In der Hinsicht steckt in dem Modell echt eine Menge Charme… ;-)

    Mal eine Frage am Rande: würde so ein Deutschland-Fonds eigentlich nur in Deutschland sein Geld anlegen?

  6. Becks Deutschlandfonds? Ich würde lieber Holsten Hamburgfonds kaufen ;-).

  7. Wenn man den Staat mit den Gerwerkschaften ersetzt, könnte die Idee Sinn machen.

    Statt flächendeckender Lohnerhöhungen eben auch das Argument der Beteiligung, womöglich an Branchenfonds – das mindert das Risiko eben auch – zu haben kann die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften erhöhen und ihnen über das Jahr 2000 hinaus eine Daseinsberechtigung.

  8. @Cem, das war mir schon klar. Ich meinte mehr einzelne Auswirkungen die so etwas haben könnte, die wären eben ähnlich wie bei den Pensionsfonds in den US.

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