27. Juni 2007

Deutschlandfonds

Vor ein paar Wochen wurde mir (und anderen) die Idee des Deutschlandfonds präsentiert und um mein Feedback gebeten. So ganz schlüssig bin ich mir bei dem Thema nicht. Interessant ist dazu ein Artikel in der FTD, so als Überblick zum Thema.

Ich bin mir immer noch am Zweifeln, ob die Idee, einen möglichst breit aufgestellten Fonds zu basteln, an dem Angestellte dann Anteile bekommen und somit das direkte Risiko an einem Unternehmen beteiligt zu sein, das auch Pleite gehen kann, wirklich so ein großer Wurf für die Masse der Angestellten ist oder eher eine massive Verwaltung schafft, die dann die Gelder so investiert, dass am Ende nichts bei rumkommt. Ich weiss auch nicht, ob der Fokus auf Deutschland der Vorteil oder der Nachteil ist.

Generell finde ich die Idee auf den ersten Blick charmant, aber ich bezweifle, dass die Umsetzung so erfolgt, dass sie die Idee nicht komplett verwässert.

Was meint ihr?

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@Cem, das war mir schon klar. Ich meinte mehr einzelne Auswirkungen die so etwas haben ku00c3u00b6nnte, die wu00c3u00a4ren eben u00c3u00a4hnlich wie bei den Pensionsfonds in den US.

Wenn man den Staat mit den Gerwerkschaften ersetzt, ku00c3u00b6nnte die Idee Sinn machen.

Statt flu00c3u00a4chendeckender Lohnerhu00c3u00b6hungen eben auch das Argument der Beteiligung, womu00c3u00b6glich an Branchenfonds - das mindert das Risiko eben auch - zu haben kann die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften erhu00c3u00b6hen und ihnen u00c3u00bcber das Jahr 2000 hinaus eine Daseinsberechtigung.

Becks Deutschlandfonds? Ich wu00c3u00bcrde lieber Holsten Hamburgfonds kaufen ;-).

Wu00c3u00bcrde es nur um Altersvorsorge und Anlage in Kapitalvermu00c3u00b6gen gehen, gu00c3u00a4be es dafu00c3u00bcr doch schon genug Mu00c3u00b6glichkeiten, oder? Die Politik mu00c3u00bcsste nur sicherstellen, dass der "Masse der Angestellten" u00c3u00bcberhaupt noch etwas bleibt zum Anlegen - neben Steuern und Abgaben. Aber mal ehrlich, glaubt wirklich jemand, dass es darum geht?

Die SPD zimmert sich hier, neben dem Mindestlohn, ein schu00c3u00b6nes Wahlkampfthema zusammen, um vom eigenen traurigen Zustand abzulenken. Und falls das Ganze wirklich Realitu00c3u00a4t werden sollte, gibt es viele schu00c3u00b6ne Pu00c3u00b6stchen und noch viel mehr Geld fu00c3u00bcr aktive Industriepolitik zu verteilen. In der Hinsicht steckt in dem Modell echt eine Menge Charme... ;-)

Mal eine Frage am Rande: wu00c3u00bcrde so ein Deutschland-Fonds eigentlich nur in Deutschland sein Geld anlegen?

@Kai & Marcel: der Vorschlag, um den es hier geht, ist kein Pensionsfonds. Dass kluge Fondverwalter in die Wirtschaft investieren, ist ja normal. In was denn sonst? Dass der Staat dabei fu00c3u00bcr stattliche Fonds bestimmte Auflagen ausspricht, ist auch normal. Das tut jeder Fondinhaber. Das hu00c3u00a4tten die mal in Bonn & Berlin mit der staatlichen Rentenkasse tun sollen ("Die Rente sischer!"), dann hu00c3u00a4tten wir heute keine Probleme damit.

Was jetzt vorgeschlagen wird ist ja zu einem anderen zweck und ist ZUSu00c3u0084TZLICH zu den bestehenden Abgaben.

Hmm, das ku00c3u00b6nnte in Richtung der Pensionfonds gehen, wie es sie in den USA gibt. Interessant bei Denen ist, das die so riesig sind, dass sich niemand mit denen anlegt und sie ihre Gru00c3u00b6u00c3u009fe auch dazu verwenden ihre Verantwortung wahrzunehmen. Da werden dann auch schon mal Corporate Governance Richtlinien bei den Unternehmen an dennen man beteiligt ist durchgesetzt.
Das finde ich schon gut.

Allerdings muss ich auf der anderen Seite auch Cem zustimmen. Das stinkt auhc schon wieder stark nach Deutschland-AG. Und wu00c3u00bcrde genau die wieder volle Breitseite einfu00c3u00bchren undsogar noch institutionalisieren. Und das ist etwas das wir nun wirklich nicht brauchen.

Etwas u00c3u00a4hnliches gibt es im schwedischen Rentensystem. Dort wird ein Teil der Rentenabgaben an ein staatliches Institut abgefu00c3u00bchrt, das diese Gelder am Markt investiert, um eine Kapitalrendite zu erwirtschaften. Allerdings ist die Zielstzung dort eine andere als in Deutschland.

Das erinnert mich zum einen entfernt an eine sozialisierte Deutschland AG, zum anderen wu00c3u00bcrden das alle beteilgten Arbeitgeber wie Arbeitnehmer die notwendige Einzahlung in den Fond als zusu00c3u00a4tzliche "Steuer" empfinden. Ich halte das Ganze fu00c3u00bcr die Idee aus Politikergehirnen entsprungen, die natu00c3u00bcrlich sich gerne massgeblich in die Kontrollorgane setzen wu00c3u00bcrden. Nicht durchsetzbar und in meinen Augen am Thema vorbei. Wozu dann in diesem Kontext noch ein Insolvenzgeld an die Arbeitnehmer?? Wu00c3u00bcrde das dann entfallen??? Hu00c3u00b6chst problematisch.