08. August 2007

Lokführerstreikerei

Es ist schon seltsam, da fordert eine Gewerkschaft für ihre Mitglieder mehr Geld, und will dafür das Mittel des Streiks einsetzen, das ein legitimes Mittel im Arbeitskampf darstellt, und schon bricht ein Aufschrei los, es würde ein volkswirtschaftlicher Schaden entstehen und das Ansehen Deutschlands in der Welt würde ramponiert werden.

Es geht mir gar nicht darum, ich ich die Forderungen der GDL für sinnvoll halte oder nicht, sondern eher darum, dass das Mittel des Streiks von Gerichten gestoppt wird mit der Begründung, dass die Volkswirtschaft Schaden nehmen könnte. Das ist doch gerade Sinn und Zweck eines Streiks, der soll weh tun und ausserdem auch noch Aufmerksamkeit erzeugen, oder nicht? Wie soll denn sonst der Arbeitskampf aussehen, wenn die Tarifparteien nicht zu einander finden und die Arbeitnehmerseite den Druck erhöhen muss? Ist Streik noch ein probates Mittel dafür?

Ähnliche Artikel:

  1. “Aus Respekt vor dem Amt…” Wie häufig hört man in letzter Zeit, dass es der Respekt vor dem Amt des...
  2. Ignorance is Bliss Seit knapp einer Woche komme ich mit einer stark reduzierten Anzahl von Feeds in meinem...
  3. Disruptive Lifestyle Years Man könnte auch sagen “No more Mr. Nice Guy!”, denn das entscheidene an den Entwicklungen...

Post comment as twitter logo facebook logo
Sort: Newest | Oldest

Oh, endlich mal eine differenzierte Diskussion zu dem Thema, sieht man selten!

Fu00c3u00bcr mich zeigt das Beispiel des Lokfu00c3u00bchrerstreiks vor allem: Eine Aufweichung des Branchentarifsystems fu00c3u00bchrt 1. zu mehr Streiks und 2. teilweise zu hu00c3u00b6heren Lohnforderungen von Arbeitnehmern.

Da war die jahrelange Verteufelung des Flu00c3u00a4chentarifs als Lohntreiber und Streikmotor wohl voreilig. Tatsu00c3u00a4chlich hatte D im internationalen Vergleich eine der niedrigsten Streikraten - dass es den Gewerkschaften nie gelang, diesen Vorzug zu kommunizieren, ist fu00c3u00bcr mich u00c3u00bcbrigens ein gewaltiges PR Desaster.

Ich bin nun gespannt wie es weitergeht, wenn weitere Berufsgruppen ihre Verhandlungsmacht erkennen und sich nicht mehr an Branchenvereinbarungen halten. Mich wu00c3u00bcrde es nicht wundern, wenn bald schon die ersten Arbeitgeberverbu00c3u00a4nde nach Ru00c3u00bcckkehr zum Flu00c3u00a4chentarifvertrag verlangen.

Bizarr ist es allerdings, wenn nun Arbeitgeber den Lokfu00c3u00bchrern "Erpressung" vorwerfen. Schlieu00c3u009flich sind es doch die selben Arbeitgeber, die am Aushu00c3u00b6hlen des Flu00c3u00a4chentarifes arbeiten, und damit den Berufsgruppen-Separatismus erst ermu00c3u00b6glicht haben!

Sehe es genauso. Nur ein Problem habe ich damit. Die Bahn wird die Lohnerhu00c3u00b6hung auf die Fahrgu00c3u00a4ste abwu00c3u00a4lzen. Es wird alles teurer.

Ich hab Verstu00c3u00a4ndnis fu00c3u00bcr berechtigte Forderungen auf Lohnerhu00c3u00b6hung. Was mir allerdings etwas Bauchschmerzen verursacht ist die Frage, welche Berufsgruppe mit hohem Erpressungspotential als nu00c3u00a4chstes eine eigene Gewerkschaft gru00c3u00bcndet und einen eigenen Tarifvertrag fordert.

Hier geht es um Lohnerhu00c3u00b6hungen und Streiks, die Privatisierung steht auf einem ganz anderen Blatt.
Und wer spricht u00c3u00bcberhaupt von Aktionu00c3u00a4ren. Wenn ich als mittelstu00c3u00a4ndischer Unternehmer keine Rohstoffe mehr geliefert bekomme oder meine Erzeugnisse nicht zum Kunden bekomme interessiert das die (potentiellen) Aktionu00c3u00a4re der DB einen Dreck.
Ich als Pendler komme nicht zur Arbeit, weil der u00c3u0096PNV bestreikt wird - es ku00c3u00b6nnte den Aktionu00c3u00a4ren nicht egaler sein.
Wenn Fachkru00c3u00a4fte streiken wirds immer brenzlig, wenn es aber um solch essentielle Dienstleistungen geht, mu00c3u00bcu00c3u009fen auch Grenzen gesetzt werden.

Es ist auch immer die Frage ob eine Gewerkschaft fu00c3u00bcr ihre Mitglieder bzw. deren Lohnerhu00c3u00b6hung ku00c3u00a4mpft oder ob es nur um sie selbst geht. Dann bekommt das ganze einen faden Beigeschmack und wird wohl auch in der Gesellschaft nicht akzeptiert.

Seh das u00c3u00a4hnlich wie basquiat: Wenn Die Bahn tatsu00c3u00a4chlich eine Schlu00c3u00bcsselfunktion fu00c3u00bcr die deutsche Volkswirtschaft hat, dann ist die Privatisierung falsch; wenn man sie dennoch will, muss man damit leben, dass die Angestellten eines ihrer wenigen Mittel nutzen, um Forderungen durchzusetzen.

Interessant, interessant, solche Texte bin ich eh von blog.fefe.de gewohnt, aber recht hast du in jedem Fall.

Wer das "infrastrukturelle Ru00c3u00bcckgrat einer Nation" privatisieren und zu Schleuderpreisen an die Bu00c3u00b6rse bringen mu00c3u00b6chte, muss wohl damit leben, dass auch miserabel bezahlte Mitarbeiter gewinnorientiert zu denken anfangen und von verbrieften Rechten Gebrauch machen - wie verhu00c3u00a4ltnismu00c3u00a4u00c3u009fig das in manchen Augen auch sein mag. Zum Schutz deratiger Strukturen sollte dann doch der Arbeiter dem Aktionu00c3u00a4r vorgezogen werden und in u00c3u00b6ffentlichen Hu00c3u00a4nden bleiben, was in u00c3u00b6ffentliche Hu00c3u00a4nde gehu00c3u00b6rt.

Es ist denke ich schon ein Unterschied ob fu00c3u00bcr eine lu00c3u00a4ngst fu00c3u00a4llige Lohnerhu00c3u00b6hung ein Betrieb bestreikt wird, oder ob eine Spaltergewerkschaft zwecks Durchsetzung abstruser Forderungen das infrastrukturelle Ru00c3u00bcckgrat einer Nation lahmlegt.
Mag sein dau00c3u009f Lokfu00c3u00bchrer unterbezahlt sind und sich nicht mehr "hinten anstellen" wollen fu00c3u00bcr eine Lohnerhu00c3u00b6hung. Aber 31%?
Es gibt einfach Dienstleistungssektoren die nicht stillstehen du00c3u00bcrfen und dadurch, so sie denn bestreikt werden du00c3u00bcrfen, einen enormen Druck aufbauen ku00c3u00b6nnen.
Ob der Personenfernverkehr hierzu zu00c3u00a4hlt ist sicher diskutabel. Aber u00c3u0096PNV und Gu00c3u00bcterverkehr sind fu00c3u00bcr das tu00c3u00a4gliche Leben und die Volkswirtschaft Deutschland von hu00c3u00b6chster Bedeutung.