Lokführerstreikerei

Es ist schon seltsam, da fordert eine Gewerkschaft für ihre Mitglieder mehr Geld, und will dafür das Mittel des Streiks einsetzen, das ein legitimes Mittel im Arbeitskampf darstellt, und schon bricht ein Aufschrei los, es würde ein volkswirtschaftlicher Schaden entstehen und das Ansehen Deutschlands in der Welt würde ramponiert werden.

Es geht mir gar nicht darum, ich ich die Forderungen der GDL für sinnvoll halte oder nicht, sondern eher darum, dass das Mittel des Streiks von Gerichten gestoppt wird mit der Begründung, dass die Volkswirtschaft Schaden nehmen könnte. Das ist doch gerade Sinn und Zweck eines Streiks, der soll weh tun und ausserdem auch noch Aufmerksamkeit erzeugen, oder nicht? Wie soll denn sonst der Arbeitskampf aussehen, wenn die Tarifparteien nicht zu einander finden und die Arbeitnehmerseite den Druck erhöhen muss? Ist Streik noch ein probates Mittel dafür?

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9 Antworten auf „Lokführerstreikerei“

  1. Es ist denke ich schon ein Unterschied ob für eine längst fällige Lohnerhöhung ein Betrieb bestreikt wird, oder ob eine Spaltergewerkschaft zwecks Durchsetzung abstruser Forderungen das infrastrukturelle Rückgrat einer Nation lahmlegt.
    Mag sein daß Lokführer unterbezahlt sind und sich nicht mehr \”hinten anstellen\” wollen für eine Lohnerhöhung. Aber 31%?
    Es gibt einfach Dienstleistungssektoren die nicht stillstehen dürfen und dadurch, so sie denn bestreikt werden dürfen, einen enormen Druck aufbauen können.
    Ob der Personenfernverkehr hierzu zählt ist sicher diskutabel. Aber ÖPNV und Güterverkehr sind für das tägliche Leben und die Volkswirtschaft Deutschland von höchster Bedeutung.

  2. Wer das \”infrastrukturelle Rückgrat einer Nation\” privatisieren und zu Schleuderpreisen an die Börse bringen möchte, muss wohl damit leben, dass auch miserabel bezahlte Mitarbeiter gewinnorientiert zu denken anfangen und von verbrieften Rechten Gebrauch machen – wie verhältnismäßig das in manchen Augen auch sein mag. Zum Schutz deratiger Strukturen sollte dann doch der Arbeiter dem Aktionär vorgezogen werden und in öffentlichen Händen bleiben, was in öffentliche Hände gehört.

  3. Interessant, interessant, solche Texte bin ich eh von blog.fefe.de gewohnt, aber recht hast du in jedem Fall.

  4. Seh das ähnlich wie basquiat: Wenn Die Bahn tatsächlich eine Schlüsselfunktion für die deutsche Volkswirtschaft hat, dann ist die Privatisierung falsch; wenn man sie dennoch will, muss man damit leben, dass die Angestellten eines ihrer wenigen Mittel nutzen, um Forderungen durchzusetzen.

  5. Es ist auch immer die Frage ob eine Gewerkschaft für ihre Mitglieder bzw. deren Lohnerhöhung kämpft oder ob es nur um sie selbst geht. Dann bekommt das ganze einen faden Beigeschmack und wird wohl auch in der Gesellschaft nicht akzeptiert.

  6. Hier geht es um Lohnerhöhungen und Streiks, die Privatisierung steht auf einem ganz anderen Blatt.
    Und wer spricht überhaupt von Aktionären. Wenn ich als mittelständischer Unternehmer keine Rohstoffe mehr geliefert bekomme oder meine Erzeugnisse nicht zum Kunden bekomme interessiert das die (potentiellen) Aktionäre der DB einen Dreck.
    Ich als Pendler komme nicht zur Arbeit, weil der ÖPNV bestreikt wird – es könnte den Aktionären nicht egaler sein.
    Wenn Fachkräfte streiken wirds immer brenzlig, wenn es aber um solch essentielle Dienstleistungen geht, müßen auch Grenzen gesetzt werden.

  7. Ich hab Verständnis für berechtigte Forderungen auf Lohnerhöhung. Was mir allerdings etwas Bauchschmerzen verursacht ist die Frage, welche Berufsgruppe mit hohem Erpressungspotential als nächstes eine eigene Gewerkschaft gründet und einen eigenen Tarifvertrag fordert.

  8. Sehe es genauso. Nur ein Problem habe ich damit. Die Bahn wird die Lohnerhöhung auf die Fahrgäste abwälzen. Es wird alles teurer.

  9. Oh, endlich mal eine differenzierte Diskussion zu dem Thema, sieht man selten!

    Für mich zeigt das Beispiel des Lokführerstreiks vor allem: Eine Aufweichung des Branchentarifsystems führt 1. zu mehr Streiks und 2. teilweise zu höheren Lohnforderungen von Arbeitnehmern.

    Da war die jahrelange Verteufelung des Flächentarifs als Lohntreiber und Streikmotor wohl voreilig. Tatsächlich hatte D im internationalen Vergleich eine der niedrigsten Streikraten – dass es den Gewerkschaften nie gelang, diesen Vorzug zu kommunizieren, ist für mich übrigens ein gewaltiges PR Desaster.

    Ich bin nun gespannt wie es weitergeht, wenn weitere Berufsgruppen ihre Verhandlungsmacht erkennen und sich nicht mehr an Branchenvereinbarungen halten. Mich würde es nicht wundern, wenn bald schon die ersten Arbeitgeberverbände nach Rückkehr zum Flächentarifvertrag verlangen.

    Bizarr ist es allerdings, wenn nun Arbeitgeber den Lokführern \”Erpressung\” vorwerfen. Schließlich sind es doch die selben Arbeitgeber, die am Aushöhlen des Flächentarifes arbeiten, und damit den Berufsgruppen-Separatismus erst ermöglicht haben!

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