Ende der Zumutungen und der Vernunft eingeleitet

Gerade wurden die Arbeitsmarktzahlen gemeldet mit dem besten Stand seit 1995, auch wenn das sicherlich eine Frage der Zählweise ist, aber jedenfalls liest und hört man jetzt wieder Sätze wie “es muss ein Ende der Zumutungen geben” und Politiker stellen wieder fröhlich Forderungen, um das Volk zu beglücken.

Abgesehen davon, dass ich es für grundfalsch halte, bei guter Konjunktur sog. Wohltaten zu verteilen, sind die geforderten Änderungen irrsinnig. Ein Beispiel ist die Verlängerung von ALG I, wie kürzlich von der SPD beschlossen. ALG I zu verlängern konterkariert die Grundidee der Arbeitsmarktreformen, es wäre sinnvoller gewesen, Bemessungsgrundlagen für Bezieher von Hartz IV zu verändern oder ähnliches. Ein anderes Thema ist die geforderte Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer. Da wird erst lang und breit von der Klimakatastrophe und dem CO2-Ausstoß geredet, und dann fröhlich wieder diese dusselige Idee gefördert, dass Leute sich ein Eigenheim in die Landschaft stellen wollen und der Staat dies auch noch fördert. Pendlerpauschale bedeutet Geld für sinnlosen Individualverkehr auszugeben, das ist doch totaler Irrsinn. Aber natürlich kommt das an bei den Wählern auf dem Lande, so einfach kann Politik sein.

Jetzt werden alle Dämme brechen, der Wahlkampf 2009 hat begonnen und jeder wird jetzt gucken, wie man das Wahlvolk mit tollen Versprechen begeistern kann. Egal, ob es Sinn macht, ob es einen vielversprechenden Kurs ad absurdum führt oder ob es dem Land insgesamt weiterhilft. Jetzt wird analysiert, wo die Wechselwähler stecken könnten und wie sie am besten “zu knacken” sind, das steckt hinter der Versprechung des Endes der Zumutungen. Nach Vernunft wird nicht gefragt werden in den nächsten zwei Jahren, ab jetzt ist Wahlkampf und jede Partei wird sich ins Zeug legen, um die Forderungen der anderen noch zu übertreffen.

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11 Antworten auf „Ende der Zumutungen und der Vernunft eingeleitet“

  1. Wenn ich mich recht erinnere, wurden viele $Kürzungen/Notopfer mit dem Hinweis auf eine diffuse gesamtpolitische Lage argumentiert (\”Mal ein paar Monate verzichten, damit …\”). Diese zurückzunehmen, hat nichts mit dem Verteilen von \”Wohltaten\” zu tun, mitunter aber mit Würde.

    Auch die Entfernungspauschale war nicht ausschließlich ein Geschenk an Automobilisten mit einer Vorliebe für\’s Landleben (ich finde deinen Vorwurf schlicht empörend. Meine Mutter beispielsweise wurde mit Ende 50 mehrfach quer durch Deutschland versetzt. Typische Pendlerschicksal. Solchen Menschen willst du ernsthaft mangelnde Flexilibilität vorwerfen?), sondern diente auch Bahnreisenden zur Kompensation ihrer Auslagen.

  2. ich stimme nico zu, sobal es etwas aufwärts geht werden alle guten vorsätze des sparens und der neu-strukturierung verworfen und warum? weil es populärer ist…

    jetzt sollte man noch min. 4 jahre einen harten kurs fahren, dann kann man schauen ob man etwas ernten kann

    @jo thema Pendlerpauschale, da hat deine mutter aber auch keine einbußen gehabt… gekürzt wurde ja nur für die leute die ihren tägl. arbeitsweg da angeben nur weil sie (gewollt oder nicht) weiter weg wohnen

  3. Die Pendlerpauschale sollte andersherum funktionieren: Nur für die ersten 20 km sollte es was geben, danach nichts mehr.

    Das würde die Zersiedlung verhindern und Lärm und Abgase in der Stadt vermindern. Und CO2 sparen.

    Wenn die Vorhersagen der Demografen nur zur Hälfte richtig sind, sollten wir alles tun, um unsere Infrastruktur wieder zu konzentrieren statt uns immer mehr zu zersiedeln.

  4. @Pendlerpauschale: erstens muss an der Änderung was geändert werden, denn der jetzige Zustand ist bekannterweise nicht mit unserem Grundgesetz vereinbar.
    Zweitens hingegen: ich als bekennendes Landei finde Städter immer lustig, wenn sie meinen, die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben. (Dabei sind die meist nur neidisch.)
    Sicher kann man \”Zersiedelungpauschale\” oder andere Schlagwörter anbringen, aber der CO2-Ausstoß der Stadtmenschen ist auch mit dem höheren Mobilitätsaufwand der Landbevölkerung immer noch anderthalb mal so groß (Familiengröße, besser isolierte Immobilien auf dem Lande, weniger Urlaubsreisen (eine Flugstunde = 820 kG CO2 pro Person [Boeing 737])).
    Da sollte unsere liebe Stadtbevölkerung besser still sein, bevor sie den Zeigefinger erhebt.
    (Wie viele Inlandsflüge waren es denn die letzten 24 Monate, Nico?)
    Die höchste Verstädterungsquote unter den G8 haben übrigens die USA. Die haben auch das schärfste Tempolimit auf der Autobahn. Den dortigen Pro-Kopf Ausstoß mag bitte jeder selbst nachschlagen.

  5. @falk: was hat die pendlerpauschale jetzt mit meinen dienstreisen zu tun? wie so oft verstehe ich deine argumentationskette nur ansatzweise…

  6. Robert: Es geht ja nicht nur um gute Vorsätze, sondern vor allem um temporäre Zugeständnisse/Opfer angesichts gemachter Versprechen politischer Entscheidungsträger.

    Bei meiner Mutter geht es nicht einmal um die Pauschale, sondern um eine von arbeitswilligen Menschen verlangte Flexibilität, hier euphemistisch als \”Zersiedelung\” bezeichnet.

    Die wenigsten mir bekannten Pendler pendeln, weil sie lieber im Grünen wohnen.

  7. @Falk

    Wo der Zusammenhang Landei Flugreisen besteht, kann ich nicht nachvollziehen. Bei mir war es dieses Jahr eine, davor vor zwei Jahren die letzte. Vorurteile sollte man mal uberprüfen und nicht alle in einen Topf werfen.

    Ja, wahrscheinlich gibt es in Städten mehr Singlehaushalte. Und? Wenn die Singles alle aufs Land ziehen verbrauchen sie weniger Energie? Absurd.

    Und nein, neidisch auf die Landeier bin ich nicht. Ich habe 26 Jahre meines Lebens auf dem Land verbracht und freue mich, jetzt in Hamburg zu wohnen.

    Zu dem niedrigeren Energieverbrauch von Häusern auf dem Land hätte ich gerne eine Quelle.

    In den meisten Fällen ist die Pendlerpauschale doch nur eine versteckte Mietsubvention, weil die Mieten auf dem Land billiger sind. Warum kann ich die relativ hohe Miete in der Stadt nicht von der Steuer absetzen?

  8. @jo

    naja allein wenn ich mir mein umfeld anschaue gibt es genug leute die an den stadtrand gezogen sind, und jeden tag ihre 10 km in die stadt fahren…

    dies sollte meiner meinung nach nicht gefördert werden, wer sich freiwillig weiter vom arbeitsort weg bewegt – pech gehabt..

  9. Immer wieder lustig wenn die Diskussionen zum Thema Pendlerpauschale aufflammen. Da wird auch von sonst so toleranten Menschen gleich die Argumentationskeule ausgepackt. In der offenbar eingeschränkten Verständniswelt mancher ist es offenbar undenkbar einen Job zu machen den man nicht zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Und offensichtlich ist es ebenso undenkbar das man nicht bei jedem neuen Job sofort umzieht um am besten neben dem Werkstor zu arbeiten sondern lieber Pendelt. Das manch einer nicht mitten in der Stadt leben will – aus Prinzip – ist diesen offenbar dem \”urbanen Lebensstil\” verfallenen nicht einsichtig. Leider ist das nur wieder eine Neuauflage der allgegenwärtigen Neidkultur bei der man versteckt hinter sog. Gerechtigkeit dem Mitmenschen das nicht gönnt was man, zumindest manchmal, auch gerne hätte.

  10. Lieber SvenS,

    Du kannst wohnen und arbeiten wo du willst. Das ist mir völig schnuppe. Dein Landhaus sei die gegönnt.

    Aber warum muss ein Lebens/Wohnstil mit hohen Mobilitätskosten von allen Steuerzahlern subventioniert werden? *Das* ist die Frage und sonst gar nichts. Lebe wie du willst, aber zahle es selber.

    Oder noch einmal andersherum gefragt: Warum wird ein Lebensstil mit hohen Mobilitätskosten subventioniert, einer mit hohen Wohnkosten (höhere Mieten und Grundstückspreise in der Stadt) aber nicht?

    Klar gibt es Arbeitsplätze, bei denen Mobilität zwingend dazugehört. Aber dann soll das bitte der Arbeitgeber bezahlen.

    Also noch einmal die Frage: Warum werden Mobilitätskosten subventioniert? Diese Frage hast du nicht beantwortet.

  11. Irgendwie passt da was nicht, wenn behauptet wird, dass die Pendlerpauschale einen bestimmten Lebensstil unterstützt. Soll ich jetzt jedes mal umziehen, wenn meine Zeitarbeitsverträge auslaufen? Es ist heutzutage halt oft so, dass man nur noch befristete Arbeitsverträge bekommt. Ich hab mir mit meiner Frau ein Häuschen in einer Kleinstadt gekauft. Damals waren es 2 km zur Arbeit. Dann musste ich ne neue Stelle suchen und es wurden 50 km zur Arbeit. Hätte ich jetzt mein Haus verkaufen sollen und was Neues suchen? Wer gibt mir denn das Geld für die zwangsläufig entstehenden Renovierungen?? Wer zahlt mir die Steuer für die Spekulationsgewinne wenn ich z.B. alle zwei Jahre mein Haus verkaufen würde um bei meinem Arbeitsplatz zu sein?
    Wer heute Arbeit will muss zwangsweise weitere Wege in Kauf nehmen. Die meisten Menschen in der BRD sind froh wenn sie nen Job haben, den sie aber sicher nicht bekommen wenn der Arbeitgeber noch die Wegekosten zahlen muss.

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