Gedanken aus dem EC

Macpom ist dunkel wie ein Bärenarsch und die Wired ausgelesen, doch bevor ich zur aktuellen Ausgabe von mobil greife, ist mir spontan dieses stark vernachlässigte Blog wieder eingefallen.

Wie immer gibt es einige Sachen, die mich umtreiben, aber der Reihe nach. Erstens habe ich zu viele Blogs, die ich neudeutsch mit Content befüllen will, was eher die quantitative Seite abdeckt und mich unbefriedigt zurücklässt. Für lange Artikel fehlt gerade die Zeit, ausser ich sitze im Zug und habe kein Netz. Also wie jetzt, quasi. Zweitens wollte ich schon einiges über OpenSocial schreiben und anmerken, dass die Ankündigung ja ziemlich spannend war, und auch sonst alles ganz toll ist, aber bei genauerem Hinsehen ist das zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber mehr noch nicht. Es ist vor allem kein Facebook-Killer, nicht einmal ansatzweise. Dare Obasanjo hat folgendes Fazit gezogen:

OpenSocial is billed as a standardized widget platform for the Web, it isn’t. OpenSocial is a standard set of REST APIs which social networks can utilize to expose user profiles and relationship data. Everything else required by a widget platform from authentication and authorization to user interface integration and an application directory is unspecified. OpenSocial is to a standardized widget platform as an internal combustion engine is to an airplane. A step in the right direction but still very far from the end goal.

Wenn man das mit Facebook und der App Plattform vergleicht, dann ist es in der Tat schon sehr cool, aber noch lange nicht das, was Facebook anbietet. Facebook hat es verstanden, die Interaktion zwischen den Usern so abzubilden, wie man es auch vom normalen Gespräch gewohnt ist, wenn man mal genauer darüber nachdenkt.

Malte war gerade pullern, demnächst erreichen wir Büchen.

Heute hatten wir in Berlin einen Termin mit Mike Culver, der als Amazon Webservices Evangelist durch die Lande reist und das Wort predigt. Da haben wir gerne zugehört und unsere Erfahrungen mit EC2, S3 und SQS zum Besten gegeben, sowie einige Wünsche geäussert, die sich auch alle bald erfüllen sollen, jedenfalls wurde uns das glaubhaft angedeutet, aber ich darf noch nichts bloggen. Nachwievor bin ich fasziniert von dem Amazon Webservices Angebot und kann nur jedem Startup empfehlen, mal einen Blick auf das AWS Blog zu werfen.

Mein Bein ist eingeschlafen.

Viertens finde ich die Politik in Deutschland gerade wieder richtig interessant, was sicherlich auch am Wahlkampf-Auftakt der SPD letzte Woche auf dem Hamburger Parteitag liegt. Natürlich haben die SPD und mit ihr Kurt Beck bei Meinungsumfragen zugelegt, denn aufgrund der medialen Aufmerksamkeit ist sicherlich auch mehr Medien-Rezipienten als sonst eingefallen, dass es die SPD gibt. Für die große Koalition wird es jetzt schwieriger, sich gegenseitig das Verhindern von Reformen vorzuwerfen und gleichzeitig auf ihre Erfolge hinzuweisen. Die SPD tat gut daran, ihr eigenes Profil durch den Parteitag zu schärfen, auch wenn es weiterhin nicht so ist, wie die Medien aufgrund der besseren Einordbarkeit gerne hätten. Es ist in meinen Augen totaler Stuss, bei der SPD einen Linksruck festmachen zu wollen, das gibt das Hamburger Programm nicht her und auch nicht der Claim “das soziale Deutschland”. Die SPD ist weiterhin eine Volkspartei, die versucht, ein breites Spektrum links der MItte abzudecken. Das ist Vor- und Nachteil zugleich. Aber, wie ich mal im Studium gelernt habe, sind Parteien und auch ihre Wählerschichten durchaus vielschichtig und nicht immer passt alles 100% so wie man es gerne hätte. Einen Linksruck sieht man also vor allem dann gerne, wenn man über Themen wie “Deutschland in Gefahr – droht Koalition zwischen SPD und PDS?” schreiben und letztendlich Politikunsympathen wie Roland Koch medial beim Wahlkampf assistieren will. Sicher ist aber eins, Frau Merkel muss sich jetzt neben ihren Auslandsreisen auch mal in die Niederungen der Tagespolitik absenken und gucken, was ihre Union da tagtäglich so alles an Widersprüchlichkeiten verzapft. Da wird es zurecht noch einiges an Konfliktpotential in der Koalition geben, der Mindestlohn bei der Post oder das Betreuungsgeld für Kinder zuhause sind erst der Anfang.

Büchen, Malte steigt aus.

Fünftens wird in Hamburg gerade für einen Volksentscheid für eine Einheitsschule plakatiert und die CDU hält mit einer Plakataktion dagegen. Schulformen ist ein Thema, das nur total emotional diskutiert werden kann, entweder oder, Untergang des Abendlandes oder besseres Leben für alle. Diese Diskussion verfolge ich jetzt seit den frühen 80ern und ehrlich gesagt ist bislang noch nicht wirklich etwas dabei herausgekommen. Die einen haben lieber Gymnasien, die anderen wollen Gesamtschulen ausschliesslich, die anderen die bisherigen Schulformen erhalten, und so weiter und so fort. Da werden Studien zitiert, Absonderungen nach Skandinavien geschickt und und und, aber eine Lösung wird nicht wirklich gefunden. Ich war auf einem Gymnasium, das sich großspurig Gelehrtenschule nennt, und auch auf einer Highschool in den USA. Ich fand es um Längen besser, mit allen Kids des Stadtteils auf einer Schule zu sein und dann Kurse je nach Interessenlage und Können zu besuchen, als nur mit einem Teil der Jugendlichen auf einer Schule zu sein. Aus meiner Grundschulklasse sind sechs Kinder aufs Gymnasim gekommen, das hat das Freundschaftsgefüge durchaus durcheinander gebracht. Mein Freundeskreis in den USA viel facettenreicher, um das mal so auszudrücken, als meine Freund während der Zeit am Gymnasium. Freunde an Real- oder Hauptschule hatte ich kaum, ebenso wenig Zugang zu deren real existierender Welt von Ausbildung oder Berufsschule. Ich fände eine gemeinsame weiterführende Schule für alle ziemlich sinnvoll, wenn die Schüler entsprechend ihrer Interessen und Begabungen dann gefördert werden. Ich weiss auch, dass dies in Deutschland trotz Pisa und allen Studien niemals eintreten wird. Zu sehr wird das Gymnasium als die Krone der Schulformen angesehen und ignoriert, wie die Zukunftschancen von Hauptschülern mittlerweile aussehen.

Sechstens wird Dienstag in vielen Orten in Deutschland gegen die Vorratsdatenspeicherung protestiert und zwar völlig zu recht. Geht hin. Das ist ein Thema, was kaum auf Interesse stösst und doch alle tangiert. Frau Zypries steht leider auf einem Standpunkt, den ich null teilen kann. Da habe ich es nicht leicht mit meiner Partei. Ich wünsche mir allerdings, dass die SPD weiterhin Schäubles Wahnvorstellungen blockiert, auch wenn sie erst spät endlich mal Kritik geäussert hat.

Siebtens hat für mich die Reisezeit begonnen, war heute in Berlin, bin morgen in Mittweida beim Medienforum, danach in Berlin abends zu Web 2.0 Expo Party und zur Plazes Party, Mittwoch dann im Büro, Donnerstag in Köln, Freitag in Prüm in der Eifel zur Gründerwerkstatt der RWTH Aachen, dann nächste Woche Mittwoch bis Donnerstag zur SIME 07 in Stockholm. Da ich viel Bahn fahren werde, habe ich bestimmt noch mal Gelegenheit für den einen oder anderen Blogbeitrag. Ansonsten werde ich weiterhin twittern, das bin ich meinen Followern schuldig, oder so.

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2 Antworten auf „Gedanken aus dem EC“

  1. Dein Blog ist wieder etwas lesbarer geworden. Meiner Erinnerung nach, da mag ich mich evtl. täuschen, hattest Du da schon mal mehr Werbung reingeschmiert, äh , -platziert.

    Die Lesbarkeit von Deinem Blog könnte gesteigert werden, wenn Du die Textlinks unter der acical-Werbung rauswirfst. Sonderlich viel dürften die sowieso nicht einbringen.

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