Mittweidernd nach Berlin

Nico —  8.11.2007

Während der sog. ICE Sprinter in Duisburg hält, versuche ich einmal die Ereignisse der letzten Tage zusammenzufassen. Ist das wirklich ein Wort, zusammenzufassen? zu sammen zu fassen? zusammen zu fassen? Unfassbar, die deutsche Sprache ist schon immer wieder wundervoll in ihren Ausprägungen.

Am Dienstag morgen bin ich nach Leipzig gefahren, um dann mit einem Mietwagen weiter nach Mittweida zu fahren, eine angenehme Landpartie inklusive einer an einem Dorfeingang fein säuberlich hingestellten Kuh. In Mittweida fand das Medienforum statt, eine Veranstaltung, die von Studenten für Studenten organisiert wurde und wie ich finde, ein durchaus spannendes Programm hatte. Das muss ich ja sagen, schliesslich war ich Teil des Programms, wenn auch nur für kurzweilige zwei Stunden auf einer Podiumsdiskussion rund um das Thema Web 2.0, Blase, Hype, und so weiter. Mit mir auf dem Podium sassen Ibo, Rainer Meyer / Don Alphonso, Prof. Horst Möller und Marc Schwieger von Scholz&Friends, moderiert wurde die Runde von Holger Hank. Der geneigte Leser kann sich ungefähr vorstellen, welches die Themen einer solchen Diskussion sein könnte, wenn man sich die jeweiligen Protagonisten anguckt. Rainer und Don machten dann gleich mal klar, dass sie Werbung nicht nur nicht mögen, sondern absolut hassen und Werber verachten. Der Einfachkeit halber war ich dann als fieser Investor und finsterer Werber einsortiert, auch wenn das nur entfernt den Kern trifft, und eine muntere Diskussion war garantiert. Ich hatte selten so viel Spass auf einem Podium, und ich glaube, dass dies allen so ging, Zuschauern wie Mitdiskutanten. Ich hoffe, ich konnte ein klein wenig erläutern, was die Media Ventures GmbH macht und welche Art Beteilungen wir suchen, aber auch warum wir Werbung als einen wichtigen Antriebsfaktor für das Web sehen.

Direkt nach der Veranstaltung bin ich auf dem Weg zum Auto in eine ca. 1m tiefe Pfütze mit beiden Füssen reingelatscht und trotz des Hinweises „für Konferenzteilnehmer erlaubt“ hatte ich ein Ticket am Auto kleben, aber das habe ich erst auf der Autobahn entdeckt und es ist dann irgendwann abgeflogen. Wer möchte, kann das irgendwie als Moral von der Geschicht werten, aber ich hatte erst wieder in Berlin richtig trockene Füsse. Da wir Werber zusammenhalten müssen, habe ich Marc mit nach Berlin genommen, der zu meinem schockierten Erstaunen zwar Creative Director ist, aber keinen schwarzen Rolli trug. Werber an sich sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, in diesen schnelllebigen Zeiten an sich.

Das Medienforum Mittweida hat wirklich Spass gemacht und ich war von der Professionalität der Organisation begeistert. Zur unbändigen Freude meiner Frau habe ich jetzt auch eine weitere Umhängetaschen mit Prospekten und Demo-CDs, aber das nur am Rande. Ich habe zwar ausser dem erwähnten Panel einen Vortrag von Peter Hausmann, dem ehemaligen Regierungssprecher unter Helmut Kohl und jetzigen Senior Partner von Pleon, mitbekommen, aber da ich das Thema politische Kommunikation sehr spannend finde, war ich sehr angetan von dem Vortrag und den damit verbundenen Einblicke in den Ablauf des politischen Agendasettingprozesses und dem damit verbundenen Zusammenspiel zwischen Politik, Interessensverbänden und den Medien.

In Berlin wollte ich dann an zwei Abendveranstaltungen teilnehmen, brauchte aber bereits auf der ersten so lange zum Tschüß-Sagen, dass die zweite Veranstaltung bereits zu Ende war, als ich dort ankam. Zur Web 2.0 Expo wurde schon viel geschrieben und das meiste deckte sich mit meinen Erwartungen und getreu meiner Maxime „ich gehe nur auf Konferenzen, auf denen ich rede, es sei denn es ist DLD, Le Web 3, SIME oder irgendeine andere coole Veranstaltung“ bin ich also gar nicht erst zur Web 2.0 Expo gegangen, wohl aber zur Party. Da traf man jeden, der weder Rang noch Namen hat und es war sehr kurzweilig, auch wenn ich ein Buffet erhofft hatte, aber das wenige, das ich esse, kann ich auch trinken.

Getrübt wurde der Ausflug lediglich durch die Rückreise, denn obwohl der Zug ewig lang und leer war und ich dachte „die finden mich nie“, sassen dann doch diese zwei Gestalten neben mir und hielten mich vom Schlaf ab. Mittlerweile sitze ich wieder mal im ICE und bin gleich in Köln, morgen geht es dann in die Eifel zur Gründerwerkstatt der RWTH Aachen, wo ich über Trends im Web reden soll, aber ich verrate denen nichts.

2 responses to Mittweidernd nach Berlin

  1. Du hattest nur das Pech, neben dem Hauptzeil von Scholz & Friends zu sitzen und mich ihn nicht ungestört schlachten zu lassen, das war eigentlich alles.

  2. Es war wirklich ein großer Spaß und zugleich Highlight des Medienforums … kein Wunder bei diesen Gästen.

    Video kommt bald bei Sevenload online. Ich sag bescheid.