Die disruptive Eleganz des iPhone

In meinen Gedanken zu 2008 schrieb ich:

– Die Konvergenz zwischen Desktop, Web und Mobil schreitet weiter voran, mit dem iPhone-SDK und dem 3G-iPhone wird ein weiterer Schritt zur Abnabelung von den Mobile Operators getan werden.

und Oliver Lauer fragte in den Kommentaren nach:

Wieso gerade das iPhone?
Dieses locked einen heute doch doppelt. Auf der einen Seite mit T-Mobile und auf der anderen Seite mit Apple, sozusagen einem “Double-Vendor-Lock”.
M.E. hat das nichts mit Abnabelung zu tun, dann schon eher Android, auch wenn es von Google ist… :-)
Zudem ist das iPhone ohne 3G alles andere als eine “Surfmaschine” finde ich…

Das will ich gerne erläutern.

Das iPhone ist sicherlich nicht perfekt, aber es hat den Mobil-Markt durcheinander gewirbelt:
– einzig der Launch des iPhone wird von der Masse der Bevölkerung wahrgenommen und sorgt für eine Meinungsbildung pro oder contra, andere Mobiltelefone werden weder derart stark wahrgenommen, noch emotionaliseren sie so sehr wie das iPhone.
– durch die Koppelung an T-Mobile muss sich der Käufer keine Sorgen machen – die Konfiguration ist simpel, im Internet surfen klappt und über die Kosten ist man auch im Bilde, und diese niedrigen Nutzungsbarrieren machen das iPhone und die damit verbundene Internet-Nutzung für viele Leute interessant.
– durch das iPhone wird klar, dass die Internet-Nutzung nicht nur mühseliges langsames Rumscrollen auf einem fipseligen Display sein muss, sondern auch durchaus einfach und schnell gehen kann.
– Apple hat mit dem iPhone eine Abnabelung vom Goodwill der Mobilfunkanbieter eingeläutet, denn bislang haben diese bestimmt, was auf ein Handy kommt und was der Nutzer zu nutzen hat. T-Mobile darf sein Netz zur Verfügung stellen und Apple an den Umsätzen beteiligen.
– das iPhone vereint ein elegantes Design mit einer intuitiven Benutzerführung, derartiges war im Mobilfunkbereich noch nie zu finden. Bislang wurden lediglich Specs gebolzt, damit man mit mehr Megapixeln, Speicher oder sonstwas angeben konnte.

Zusammenfassend sehe ich in Design, GUI, Internet-Access und der Beschränkung des Mobilfunk-Anbieters auf das Anbieten des Netzes die disruptive Eleganz des iPhone. Damit hat Apple den Markt durcheinander gewirbelt und mit der schrittweisen Öffnung der Plattform sowie dem nächsten Hardware-Release wird Apple weiter den alteingesessenen Marktbegleitern Kopfschmerzen bereiten und neue Käuferschichten von mobiler Internetnutzung begeistern.

[ Disclaimer: ich habe kein iPhone, warte auf das nächste Release… ]

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7 Antworten auf „Die disruptive Eleganz des iPhone“

  1. Ich hab seit ein paar Tagen einen iPod Touch, also dieses Iphone ohne Phone. Ich stimme Dir zu: Apple hat das mobile Internet revolutioniert. Gleichzeitig ist das sowohl das Phone als auch der Ipod Touch proprietäre Scheisse. Zwangsanbindung an Itunes, die tolle Videofunktion kann nur mp4, und der Safari Browser kommt ohne Flash daher, dass man auch nicht nachinstallieren kann. Andere Browser wie Opera Mini kann man auch nicht installieren. In Zeiten des wachsenden offenen Software Marktes der falsche Ansatz. Wenn sie wie Nokia auf ein halbwegs offenes System gesetzt hätten, würden kein Mensch mehr Nokia kaufen.

  2. ja, es ist proprietäre Scheisse, aber im Gegensatz zu irgendwelchen offenen Frickellösungen funktioniert es einfach, auch für den grössten DAU.

    Die meisten Nutzer wollen gar nix installieren, die wollen das Ding nur nutzen und freuen sich ueber das, was sie haben.

  3. Tja, kommt halt drauf an, welche Brille man aufsetzt. Der technikverliebte Gizmokäufer wird eher entäuscht sein, der hippe hauptsache-einfach-Benutzer wird sich um die technologischen Nachteile nicht kümmern. Und genau für den baut Apple diese Dinger…

  4. ich habe das seltsame gefühl, dass die hauptsache-einfach-Benutzer ein klein wenig in der mehrheit sind…

  5. verstehe nur die vokabel \”disruptiv\” in diesem zusammenhang nicht.
    disruptive technologies sind ja bei der einführung teuer und in bezug auf vorhanden technologien (noch) unterlegen, auch wenn sie spezielle kundenbedürfnisse besser bedienen.
    das telefon war bei der einführung dem telegrafen faktisch noch unterlegen. das mobiltelefon war bei der einführung dem festnetz im punkto sprachqualität deutlich unterlegen..
    worin unterliegt das iPhone entsprechenden, existierenden lösungen? ist es nur das fehlende UMTS?

    grusz aus osnabrück
    klm

  6. hmm, wo steht geschrieben, dass disruptive Technologien teuer sein müssen bei der Einführung? entscheidend ist doch die Disruption.

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