Iowa Caucus

Nico —  2.01.2008

Ich war 89/90 als Senior in der Theodore Roosevelt Highschool in Des Moines und beobachte daher mit einem gesteigerten Interesse den Iowa Caucus und die Abläufe drumherum. Der Iowa Caucus und die Primaries in New Hampshire spielen im Rennen um die Wahl zum Präsidentschaftskandidaten in den USA eine große Rolle, obwohl sie völlig unteschiedlicher Natur sind. Wer allerdings schlecht abschneidet, wird Schwierigkeiten beim Spendensammeln und damit verbunden Probleme beim Weiterführen des Wahlkampfes haben.

Die mediale Aufmerksamkeit ist seit geraumer Zeit auf Des Moines gerichtet, denn Iowa ist am 3. Januar mit dem dran, was in Deutschland immer Vorwahlen genannt wird. Im lokalen Käseblatt, dem Des Moines Register, wird netterweise das Verfahren anschaulich erläutert. In vielen Wahllokalen treffen sich die registrierten Demokraten und Republiker zur Abstimmung über die jeweiligen Kandidaten. Bei den Republikanern gibt es eine Stimmenabgabe und dann ein Resultat, aber die Demokraten machen es ein wenig interessanter. Dort trifft man sich und sammelt sich dann in den verschiedenen Ecken einer Halle, um die Unterstützung für einen Kandidaten auszudrücken. Je nachdem, wie die Gewichtung ausfällt, entsteht dann ein Gerenne zwischen den Lagern, bzw. Nachbarn diskutieren über die Vorzüge der Kandidaten, um Unentschlossene im wahrsten Sinne des Wortes zu mobilisieren. Das Verfahren erinnert ein wenig an die Kinderspielshow 1, 2, oder 3, nur ohne Plopp. Nach einer Weile ist das Verfahren abgeschlossen und dann werden als Ergebnis Deligierte zum Parteitag der Demokraten entsandt.

In Iowa wird es ein ziemliches Gewusel geben, denn Clinton und Obama liegen eng aneinander und ihre Anhänger werden versuchen, die Anhänger abgeschlagener Kandidaten zu sich zu holen. Ich finde, dass der Begriff Vorwahlen dieses Prozedere etwas sehr kurz beschreibt, freue mich aber über viele schöne Bilder aus Iowa im saukalten Winter. Danach ist dann wieder für einige Jahre Ruhe, auch wenn im Jahr vor den Vorwahlen schon die ersten möglichen Kandidaten sich beim Iowa State Fair blicken lassen, ein Schwein streicheln und danach an einem Maiskolben knabbern, nur um im Vorwahl-Wahlkampf sagen zu können: „It’s great to be back in Iowa.“

6 responses to Iowa Caucus

  1. Ich habe jüngst verstärkt gelesen, dass in Iowa Obama stark vor Clinton liegen soll. Übermorgen wissen wir mehr.

    Was mich irritiert ist, dass keiner der Spitzenkandidaten der Demokraten von Truppenabzug im Irak spricht. Obama sogar von einer Verstärkung der Truppen. Nach fast 4.000 toten US-Soldaten im Krieg und dem politischen Desaster für mich nicht verständlich. Mein Eindruck ist, egal wer gewinnt, es ändert sich für den Rest der Welt nicht viel bezüglich des absoluten Hegemonialanspruchs der zukünftigen amerikanischen Regierung.

  2. Schön ist die Kopfzeile in Abendblatt heute: \“Obama deutlich vor Hillary Clinton\“! Wer nicht weiter blättert bleibt dumm. :-)

    http://www.abendblatt.de/daten/2008/01/02/832715.html

  3. eben. die \“deutlichen\“ 7% können sich schnell verändern, wenn man sieht, wo die Nachbarn stehen…

  4. Ich hatte an Geografie gedacht… als Senator von Illinois, hat Obama in Iowa quasi ein Heimspiel gegen die Senatorin aus die ferne Ostküste. Wenn er in Iowa nicht gewinnen kann, kann er jetzt schon einpacken. Und \“strong second\“ wäre für Clinton einen moralischen Sieg.

  5. na, das kommt erschwerend hinzu :)

  6. C-SPAN dokumentiert den Vorwahlkampf sehr ausführlich auf einer speziell für die Wahl \’08 eingerichteten Seite: http://www.campaignnetwork.org

    @Cem: Obama tritt für einen zeitnahen und fast vollständigen Truppenabzug ein (s. Wahlprogramm: http://www.barackobama.com/issues/iraq/): \“Obama has a plan to immediately begin withdrawing our troops engaged in combat operations at a pace of one or two brigades every month, to be completed by the end of next year.\“