Von Investitionsheuschrecken und Karavanen-Kapitalismus

In Bochum macht Nokia ein Werk dicht, um die Produktion nach Rumänien zu verlagern. Dort entstehen Arbeitsplätze, in Bochum werden 2000 Arbeitsplätze abgebaut. Für die Betroffenen in Bochum ist dies bitter, für Nokia rechnet es sich und für die Arbeitssuchenden in Rumänien sicherlich auch.

Subventionen sind immer so eine Sache, denn wer davon profitiert, findet sie gut, alle anderen irgendwie nicht. Ob es nun Bauern, Bergbau, Werften oder Autos sind, nur die jeweils anderen sollten keine Investitionen bekommen oder sie verteilen.

Wir sind in Deutschland mitten in einem massiven Umwälzungsprozess innerhalb der Arbeitswelt. Das ist nichts Neues, sondern ein Prozess, der schon einige Jahrzehnte andauert und zur Folge hat, dass immer mehr Industriearbeitsplätze wegfallen, und ganz besonders die, für die eine eher geringe Qualifikation notwendig ist oder die körperlich anstrengend sind. Diese Arbeitsplätze wandern ab, auch innerhalb der EU. Denn schliesslich soll es im vereinten Europa auch eine Angleichung der Lebens- und Sozialstandards geben.

Wie gehen wir damit um, dass die soziale Marktwirtschaft in Deutschland und die damit verbundenen Sozialstandards, das Lohnniveau und vor allem der Lebensstandard dazu führen, dass Jobs in Länder gehen, wo dies alles weniger entwickelt ist und weniger kostet? Mehr Subventionen sorgen ja eher dafür, dass die betroffenen Branchen noch länger vor sich hinsiechen, wobei zwar Arbeitsplätze gesichert werden, aber am Grundproblem nichts geändert wird.

Was passiert mit all den Jugendlichen, die jetzt eine Ausbildung bekommen in einem Bereich, der dauerhaft keine Chance mehr in Deutschland hat? Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft hin und her, da fallen in der Zukunft viel zu viel Menschen durchs Raster, die sich nicht nur in der Arbeitswelt und den damit verbundenen Anforderungen nicht zurecht, sondern auch keinen Job finden.

Wenn wir jetzt entrüstet unsere Handys von Nokia, Motorola und Siemens weglegen, dann können wir morgen Spielzeug nicht mehr kaufen, Printerzeugnisse in den Regalen lassen und so weiter und so fort.

Platte Sprüche helfen in der globalisierten Welt eher nicht weiter und auch nicht das Appellieren an das soziale Gewissen von Nokia, da unterschiedliche Standards und Kostenstrukturen auch weiterhin dafür sorgen werden, dass Produktionen sich verlagern. Eine Lösung ist eher nicht vorhanden, aber auch nicht wirklich trivial herbeizuführen.

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7 Antworten auf „Von Investitionsheuschrecken und Karavanen-Kapitalismus“

  1. Du bist mir ein Sozialdemokrat ;-) Ich hatte eigentlich ein zertretenes N tüdelüten i bei Dir erwartet.

    Und ich dachte schon, ich wäre allein mit meinem Befremden.

    Ne Lösung hab ich auch nicht. Mindestlöhne sind aber eher kontraproduktiv.

  2. Der Herr ist nicht nur ein Sozialdemokrat sondern vor allem ein was weiß ich für ein verständnisvoller W-Demokrat. W für 4 auf einanderfolgende W-Absätze. Es gibt ja auch mal die Möglichkeit nix zu irgendwas zu sagen und da setz ich jetzt mal Mister Arbeiterführer NRW mit Mister Hamburg LKW together. Keine Lösung für Nix Triviales ist genauso idiotisch wie eine Meinung zum Gegenteil.

  3. @50hz:
    Du solltest doch wissen, dass es in der Sozialdemokratie vielschichtige Meinungen gibt.

    Und um einen überstrapazierten Spruch zu zitieren: \”… und das ist auch gut so!\”

  4. Das mit dem Lohnniveau zweifele ich zunächst mal an, darüber gibt es die unterschiedlichsten Aussagen. Eine besagt zum Beispiel, dass die Lohnkosten auch hier schon nur bei 5% der Gesamtkosten lagen. (die Wahrheit kenn ich natürlich nicht)
    Wie du schon sagtest, in den letzten Jahrzehnten hat sich hier viel getan, unter anderem ist die Reallohnetnwicklung in Deutschland wohl die schlechteste innerhalb von Europa. Ich denke, man muss dazu nicht viel sagen, man kann danach google und alle Ergebnissse gleichen in etwa dem im Link http://tinyurl.com/3c545m
    Ein weiterer Punkt sind die Midestlöhne, die hier angesprochen werden. afaik ist Deutschland das einzige Land in Europa, das keine hat, auch ein Ergebnis der \”sozialdemokratischen Politik\” (hahaha) in den letzten jahren. Diese also generell als Kontraproduktiv zu bezeichnen hat schon was Menschenverachtendes.

    Ansonsten bin ich ziemlich deiner Meinung, Subventionen beheben keine Probleme sondern verschieben sie höchstens, ob zeitlich oder geographisch ist eigentlich egal.
    Ein soziales Gewissen Nokias darf locker vernachlässigt werden, denn in der globalisierten Welt zählen Human Ressources nix. Der Aktionär will befriedigt werden. Unter diesem Aspekt würde ich vermuten, dass man zu dem Ergebnis kommen würde, dass die Nokiaentscheidung korrekt ist, wenn man sich die Zahlen angucken könnte.

  5. Ein angenehmer Kommentar von Dir, nicht hysterisch, sondern sachlich. Mittlerweile ist die Politik schon so peinlich, dass man kaum mehr dazugehören möchte. Habe mich zu diesem Thema dann etwas anders ausgelassen.

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