Irgendwann im Jahr 2002 habe ich festgestellt, dass es Blogs gibt, Ende 2002 die ersten Gehversuche gemacht, nicht gewusst, was ich schreiben könnte und dann im Frühjahr 2003 losgelegt mit meinem Blog. Damals war die Blogosphäre klein, man konnte locker an einem Tag alle Blogs lesen, jedenfalls gab es Dienste, die das ermöglichten und das wurde auch genutzt. Blogger waren unter sich, kommentierten hin und her, verlinkten was das Zeug hielt und wurden weitesgehend belächelt. Die Frage nach der Relevanz der Blogs an sich wurde oft gestellt, und als Antwort wurde gerne auf das Wachstum verwiesen, das Argument war geprägt von Qualität durch Quantität. Die Professionalierung war nur eine Frage der Zeit.
5 Jahre später haben wir deutlich mehr Quantität, wenn auch immer noch winzige absolute Zahlen im Vergleich mit anderen Ländern, aber das mit der professionellen Qualität lässt immer noch auf sich warten. Wir haben einen Haufen guter Journalisten, die bloggen fast ausschliesslich über Medien, wir haben viele Corporate Blogs, die bloggen nur über sich selber, wir haben viele Berater, die tagtäglich zeigen müssen, wie toll sie sind und wir haben eine Handvoll Blogger, die mit ihrem Schreiben Geld verdienen und vor allem darauf achten, dass der tägliche Output stimmt und viele gute Keywords vorkommen sowie tolle Pressemitteilungen oder Infohappen von Heise.de umgeschrieben werden. Wir haben Unmengen an Literaturversuchsbaustellen auf Schülerzeitungsniveau mit dem immer gleichen Spannungsbogen der Geschichte und wir haben einige sprachlich ausdrucksstarke Schreiber, die erstmal gegen Alles sind, weil es am einfachsten ist. Was wir in den 5 Jahren immer noch nicht erreicht haben, ist eine Strahlkraft des Geschriebenen über den eigenen Mief hinaus. Wer mit wem gegen wen was bloggt und wieso, das interessiert keine Sau. Es interessiert eine fundierte Meinung, ein Diskurs über die Grenzen eines Weblogs hinweg. Es interessieren keine Awards, keine Kommentarhighscores, keine Rankings, es mangelt nachwievor an Professionalität und an Relevanz, insbesondere bei den sich selbst exponierenden Bloggern mit professionellem Anspruch. Da kann man sich einen Wolf bloggen, es ist schlichtweg egal, die Meinungsführerschaft wird woanders definiert, recherchiert wird eh seltenst in Blogs. Aber es mangelt weiterhin an Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben und dies auch tun, und zwar mit ihrem Weblog und die sich einen Namen machen über die knappen Grenzen der Blogosphäre hinaus, die für Aufmerksamkeit sorgen wegen Inhalte und nicht wegen anderer Attribute.
Blogs haben in Deutschland keine gesellschaftliche Relevanz. Das beanspruchen viele auch gar nicht für sich, aber es lässt tief blicken, dass ausser einer Handvoll PR-Kriselchen, die durch Blogs entstanden sind, wenig Substantielles aus den vielen geschriebenen Artikeln aus der Blogosphäre in andere Teile der Gesellschaft diffundiert. Es darf jeder gerne so amateurhaft sein wie er will und bloggen über das, was ihn interessiert, aber diejenigen, die einen professionellen Anspruch haben, sollten sich einmal Gedanken machen, warum sie und ihr Geschreibe so irrelevant sind. Die Mechanismen hinter den Blogs können zu einer immensen Aufmerksamkeit führen, aber sie werden in Deutschland nicht genutzt. Es sollte mehr gehen als das Umformulieren von Pressemeldungen oder die Beschäftigung mit Gadgets. Die Macht der Blogs, unabhängig von den bestehenden Publikationsstrukturen Inhalte an die Leser zu bringen, versiegt aufgrund der fröhlich grassierenden Verflachung der Inhalte. Wenn hinzu noch eine unterentwickelte und eher aufs zerstören angelegte Diskussionskultur, die vor allem die Faktoren Neid, Missgunst und persönliche Verunglimpfungen in die Debatte einbringt, dann wird weiterhin die digitale Revolution der Distribution der Inhalte in Deutschland auf sich warten und journalistische Schnarchnasen werden als Maß aller Dinge angesehen.
Wo ist eigentlich die hungrige Generation junger Journalisten, die etwas zu sagen hat und sich einen Namen erschreiben will? Blogs haben enormes Potential einen Diskurs anzuschieben, aber man kann es auch so machen wie in Deutschland und einfach das Potential ungenutzt vor sich liegen lassen. Dann kann man sich auch weiterhin über den Zustand in Staat und Gesellschaft beklagen, da geht einem wenigstens kein Thema aus.
So viel zum Thema Bloggen 2008, es war kein gutes Jahr, rückblickend im Vorgriff auf die Entwicklung.


