SPD Hamburg gähnt in den Wahlkampf

In den USA tobt der Vorwahlkampf und in der Freien und Hansestadt Hamburg soll es auch einen Wahlkampf geben. Grund genug, sich einmal die Wahlkämpfe der Parteien anzugucken, natürlich mit der Brille eines Netzbürgers.

Noch 4 Wochen bis zur Wahl in Hamburg und die Umfragewerte für die SPD werden immer besser. Bislang allerdings kann man in der Hansestadt den Wahlkampf kaum wahrnehmen, es sei denn, man geht zu einem der zahlreichen Infostände oder einer Großveranstaltung. Nur ist es wenig spannend, sich vorm Supermarkt eine Handvoll Altpapier in die Hand drücken zu lassen und die Großveranstaltungen sind eher nach innen gerichtet um die eigenen Mitglieder zu mobilisieren.

Michael NaumannDie Website der SPD Hamburg jedenfalls ist sowas von gähnend langweilig, das man sich wirklich fragen muss, was die Intentionen beim Aufsetzen dieses Informationsangebotes sein sollten. Letztendlich reiht sich das Web-Angebot aber nahtlos in die bisherige Kampagne ein. Ein überall plakatierter Michael Naumann, der eher unfreundlich dreinblickt, das bringt irgendwie auch keine Sympathiepunkte. Alle Aktionen der Landes-SPD sind darauf ausgelegt, dass am darauffolgenden Tag in Abendblatt, Bild und Mopo ein Artikelchen erscheint, das ist und bleibt die Maxime im Hamburg. Dialog mit Bürgern, massive Präsenz in den Quartieren, all das kann ich bislang nicht erkennen. Amüsant finde ich das Kompetenzteam mit lauter honorigen Personen, von denen alle wissen, dass die meisten im Fall der Fälle eh nicht als Senator zur Verfügung stehen würden. Aber für einen Zeitungsartikel reicht es allemal. So war Wahlkampf schon vor 20 Jahren. Richtig toll ist allerdings der Wahlkampfspot der Hamburger SPD, punktgenau angepasst an das Web und erstaunlich viral in seiner Wirkung, wenn man mal ausser Acht lässt, dass man auf einer “Podcast” genannten Seite der SPD-Hamburg keine Möglichkeit bekommt, den Film sofort zu embedden, Uwe Friedrichsen beim Sprechen schon mit dem Schlaf ringt, 4 Minuten eher nicht dazu geeignet sind, dass man sich das Machwerk wirklich bis zu Ende anguckt, zumal auch kein Spannungsbogen erkennbar ist.

Link: sevenload.com
Bemüht ist die Hamburger SPD jedenfalls, mit reichlichen Newslettern die Mitglieder zu mobilisieren. Dabei wird leider völlig verkannt, dass der Begriff Email-Marketing nicht nur das Aussenden von Emails beinhaltet, sondern auch Marketing, was die Texte bislang nicht zum Ausdruck bringen. Da fehlt eine konkrete Handlungsaufforderung, Texte sind zu lang, nichts zum Clicken, etc., also zusammengefasst noch durchaus Möglichkeiten zur Verbesserung.

Damit mir jetzt nicht gleich vorgeworfen wird, hier zu clementisieren, noch ein kleiner Auszug aus einem Newsletter von Mike Naumann:

Deshalb werden wir den Bürgerinnen und Bürgern in den nächsten Wochen sagen, was wir anders machen werden als der schwarze Senat, der sich von einer rechtspopulistischen Partei ins Amt wählen ließ und dem der eindeutige Wählerwillen beim Verkauf der Krankenhäuser vollkommen gleichgültig war. In erster Linie geht es um den Aufbruch zu neuer sozialer Gerechtigkeit, es geht aber auch um eine neue politische Kultur in unserer schönen Stadt. Der Beust-Senat wird schon bald Geschichte sein. Hamburgs Zukunft sieht besser aus – mit einem sozialdemokratisch geführten Senat:

– Unser Senat kämpft im Bundesrat für den gesetzlichen Mindestlohn.
– Unser Senat hört auf mit der Privatisierung von Hamburger Besitz.
– Unser Senat wird Kitas, Schulen und Erststudium von den Gebühren befreien.
– Unser Senat wird ein Stadtwerk gründen und den Energiekartellen Paroli bieten.
– Unser Senat wird sich endlich wieder um den sozialen Wohnungsbau kümmern.
– Unser Senat wird die Verträge mit Asklepios und Prestigeobjekte wie die U4 auf den Prüfstand stellen.
– Unser Senat wird mit Vattenfall über das Monsterkraftwerk in Moorburg neu verhandeln.
– Unser Senat wird eine eigenständige Umweltbehörde wieder einsetzen.
– Unser Senat wird das Korruptionsregister wieder öffnen.
– Und unser Senat wird sich an Volksentscheide halten. Wer den Bürgerinnen und Bürgern nicht vertraut, hat auch kein Vertrauen verdient.

Das ist alles sehr vernünftig, allerdings muss diese Botschaft die nächsten vier Wochen auch mal massiv herübergebracht werden. Ich bin gespannt auf die Großplakate und die restlichen Akzente der Kampagne, viel ändern kann und sollte man jetzt nicht mehr. Mich allerdings reisst die Kampagne nicht vom Hocker, wählen werde ich die SPD natürlich trotzdem. Ich hoffe nur, dass der Funken bei vielen anderen Wähler überspringt.

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3 Antworten auf „SPD Hamburg gähnt in den Wahlkampf“

  1. Hm, beim Wahlkampffilm könnte man meinen, die Hamburger Genossen hätten in Hamburg noch nicht die Bewegtbildkamera entdeckt. Aber dann auch noch verwackelte Fotos einzureihen, die nicht farbkorrigiert sind, ist dann schon fast Kreisklasse. Schade, hätte man was draus machen können.

  2. Komm doch mal runter vom Sofa. Immer nur auf der Tribüne zu sitzen und zu erzählen wie schlecht die Welt ist macht doch niemanden glücklich. Warum kommst Du nicht am 6.2 zur Aschermittwochsveranstaltung ins Hofbräuhaus Hamburg, Esplanade 6? Das ist eben nicht nur für Mitglieder.
    Viele Grüße

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