CDU Hamburg wahlkämpft in schwarz-weiss

Die CDU Hamburg schneidet ihren Wahlkampf komplett auf Ole von Beust zu, was ja auch zu erwarten war. Zwar gibt es derzeit Signale, dass Ole von Beust amtsmüde ist, aber ich denke mir mal, das ist nur ein Kokettieren von Beusts. Noch vor ein paar Tagen warb die CDU Hamburg allerdings mit einer Headergrafik vom letzten Wahlkampf, was durchaus sparsam wirkte und den generellen Stellenwert vom Internet als Wahlkampf-Medium darstellte.

Ole von BeustBislang hat sich Ole von Beust ziemlich zurückgehalten, sicherlich auch, um zu signalisieren, dass er als Amtsinhaber bekannt ist und nicht schon im Herbst mit dem Plakatieren anfangen muss. Die ersten Plakate hingen Anfang des Jahres und wirkten blass, sehr blass, und trotz des freundlichen Lächelns ist das Plakat irgendwie eher suboptimal. Plakatieren für einen Chat wirkt noch dazu eher anbiedernd und lächerlich, aber man kann es ja mal versuchen, trotz zu erwartenden Medienbruchs. Seit Ende der Woche hängen nun Großplakate mit Motiven, die ich wirklich schön finde, die zum Hingucken einladen und die Ole von Beust im Mittelpunkt zeigen, aber irgendwie auch doch nicht. Das finde ich sehr gelungen, inklusive einer sehr guten Motivwahl. Paralell zum Start mit den Großplakaten gibt es auch das altbekannte Cafe Ole sowie ein neu gestartetes Ole TV, was allerdings den üblichen Fehler macht und null auf Viralität setzt. In mehreren Episoden erzählt Ole von Beust, was er alles als Erfolge ansieht und warum man in wählen sollte, durchaus in den üblichen Worthülsen dargereicht und nicht für das Medium Web passend.

Ole von Beust ist für seine eher präsidiale Amtsführung bekannt und die CDU-Kampagne spiegelt dies auch ziemlich genau wieder. Die Motive sind ansprechend gewählt, sagen aber eher wenig aus. Ein Internet-Wahlkampf ist eher nicht zu sehen. Mal sehen, ob noch ein ordentlicher Offline-Wahlkampf seitens der CDU anläuft.

[ Disclaimer: Ich wähle SPD. ]

Woobbier

Ich liebe unverlangt zugesandte Präsente, das ist der eigentliche Grund, warum ich seit all den Jahren blogge. Aber warum bitte schickt mir jemand eine Dose Kölsch zu? Es hat alles seine Grenzen, echt jetzt.
Trotzdem viel Erfolg mit Eurer Plattform.

Der Wähler nun wieder – eine kleine Wahlanalyse

Die ersten beiden Wahlen des Jahres 2008 sind vorbei, aber die Nachwirkungen des heutigen Urnenganges werden noch lange anhalten.

In Niedersachsen freut sich Wolfgang Jüttner, dass die SPD bei der Wahl präsent war, aber das reichte natürlich vorne und hinten nicht, so wurde Christian Wulff kampflos das Feld überlassen. Da kamen drei Faktoren zusammen:
1. ein SPD-Spitzenkandidat, der ein verdienter Landespolitiker ist, aber nie Format erringen konnte und aufgrund seiner innerparteilichen Stellung zum Spitzenkandidaten ausgerufen wurde. Langeweile triumphierte, abgesehen von dem Hinweis auf seine intakte Ehe und die des Amtsinhabers Wulff kam kein Schwung in den Wahlkampf.
2. ein populärer Amtsinhaber, an dem auch kritische Themen eher vorbei gingen, der die Mitte breit besetzt hat.
3. die SPD machte keinen Wahlkampf, spitze nicht zu, trieb den Amtsinhaber nicht vor sich her, kurzum, der Wahlkampf fand nicht statt. In Hessen wiederum sieht es ganz anders aus. Hier wurde die SPD von einer merkbefreiten Kampagne von Roland Koch überrascht, der unter völliger Fehleinschätzung der Lage auf die Idee kam, so sehr am rechten Rand auf Stimmenfang zu gehen, dass sich Teile der Mitte angewidert von der CDU abgewendet hat. Auch hier waren wieder 3 Faktoren für den Wahlausgang entscheident:
1. Siegessicherer, arroganter Amtsinhaber postuliert populistische Forderungen, um am rechten Rand auf Stimmenfang zu gehen. Die Positionen werden von der eigenen Partei nur mit viel Zähneknirschen mitgetragen, aber völlig absurd wird das Theater, als herauskommt, dass Koch in Hessen in 8 langen Jahren es nicht geschafft hat, die von ihm thematisierten Probleme auch nur ansatzweise in den Griff zu bekommen.
2. Das Thema soziale Gerechtigkeit und die Kampagne für den Mindestlohn sorgen in Hessen für eine komplett anderes Agendasetting durch die SPD.
3. Die auf die Spitzenkandidatin Ypsilanti zugeschnitte Er/Sie-Kampagne führte zu einer entsprechenden Polarisierung, die dem Wähler die Entscheidung einfach machen sollte. Die SPD in Hessen war abgeschlagen und hat gekämpft, das machte den Unterschied aus.

Egal wie die Wahl in Hessen nun wirklich ausgehen wird, gibt es Auswirkungen für die Bundespolitik:
1. Merkels Kurs der Wischiwaschi-Politik in Nähe der Mitte wurde durch den Wahlsieg Wulffs und dem dramatischen Stimmenverlust von Roland Koch bestätigt. Wenn die Abgrenzung zur SPD schwach ausgeprägt ist, tendieren die Wähler zum Amtsinhaber, wenn zu deutlich rechts agiert wird, gehen die Wähler den Weg nicht mit und wählen andere Parteien, die ebenfalls in der Mitte agieren wollen.
2. FDP und Grüne müssen sich damit anfreunden, dass die konservative sog. Linke ebenfalls im Parlament rumlungern wird, was die Opposition interessanter und Koalitionen schwieriger machen wird. Zumal die FDP immer noch davon träumt, eine relevante Rolle in der Politik spielen zu können. Die Grünen allerdings müssen sehen, dass sie ihr Profil schärfen, ihre Themen werden mittlerweile quasi Standard-Themen für Wähler der Mitte.
3. Das Thema Mindestlohn eingebettet in das Oberthema soziale Gerchtigkeit wird für die Wahlkämpfe 2008/2009 bestimmend sein. Die SPD muss natürlich sehen, dass die Verluste an die Linke eingedämmt werden.
4. Es wird einen ordentlichen Wahlkampf geben, der Startschuss ist gefallen und die Kampagnen werden zügig starten, in den unterschiedlichsten Ausprägungen in Bund, Ländern und Kommunen.

Der Wahlauftakt 2008 war doch schon ganz spannend, das kann gerne so weiter gehen.

SPD Hamburg gähnt in den Wahlkampf

In den USA tobt der Vorwahlkampf und in der Freien und Hansestadt Hamburg soll es auch einen Wahlkampf geben. Grund genug, sich einmal die Wahlkämpfe der Parteien anzugucken, natürlich mit der Brille eines Netzbürgers.

Noch 4 Wochen bis zur Wahl in Hamburg und die Umfragewerte für die SPD werden immer besser. Bislang allerdings kann man in der Hansestadt den Wahlkampf kaum wahrnehmen, es sei denn, man geht zu einem der zahlreichen Infostände oder einer Großveranstaltung. Nur ist es wenig spannend, sich vorm Supermarkt eine Handvoll Altpapier in die Hand drücken zu lassen und die Großveranstaltungen sind eher nach innen gerichtet um die eigenen Mitglieder zu mobilisieren.

Michael NaumannDie Website der SPD Hamburg jedenfalls ist sowas von gähnend langweilig, das man sich wirklich fragen muss, was die Intentionen beim Aufsetzen dieses Informationsangebotes sein sollten. Letztendlich reiht sich das Web-Angebot aber nahtlos in die bisherige Kampagne ein. Ein überall plakatierter Michael Naumann, der eher unfreundlich dreinblickt, das bringt irgendwie auch keine Sympathiepunkte. Alle Aktionen der Landes-SPD sind darauf ausgelegt, dass am darauffolgenden Tag in Abendblatt, Bild und Mopo ein Artikelchen erscheint, das ist und bleibt die Maxime im Hamburg. Dialog mit Bürgern, massive Präsenz in den Quartieren, all das kann ich bislang nicht erkennen. Amüsant finde ich das Kompetenzteam mit lauter honorigen Personen, von denen alle wissen, dass die meisten im Fall der Fälle eh nicht als Senator zur Verfügung stehen würden. Aber für einen Zeitungsartikel reicht es allemal. So war Wahlkampf schon vor 20 Jahren. Richtig toll ist allerdings der Wahlkampfspot der Hamburger SPD, punktgenau angepasst an das Web und erstaunlich viral in seiner Wirkung, wenn man mal ausser Acht lässt, dass man auf einer “Podcast” genannten Seite der SPD-Hamburg keine Möglichkeit bekommt, den Film sofort zu embedden, Uwe Friedrichsen beim Sprechen schon mit dem Schlaf ringt, 4 Minuten eher nicht dazu geeignet sind, dass man sich das Machwerk wirklich bis zu Ende anguckt, zumal auch kein Spannungsbogen erkennbar ist.

Link: sevenload.com
Bemüht ist die Hamburger SPD jedenfalls, mit reichlichen Newslettern die Mitglieder zu mobilisieren. Dabei wird leider völlig verkannt, dass der Begriff Email-Marketing nicht nur das Aussenden von Emails beinhaltet, sondern auch Marketing, was die Texte bislang nicht zum Ausdruck bringen. Da fehlt eine konkrete Handlungsaufforderung, Texte sind zu lang, nichts zum Clicken, etc., also zusammengefasst noch durchaus Möglichkeiten zur Verbesserung.

Damit mir jetzt nicht gleich vorgeworfen wird, hier zu clementisieren, noch ein kleiner Auszug aus einem Newsletter von Mike Naumann:

Deshalb werden wir den Bürgerinnen und Bürgern in den nächsten Wochen sagen, was wir anders machen werden als der schwarze Senat, der sich von einer rechtspopulistischen Partei ins Amt wählen ließ und dem der eindeutige Wählerwillen beim Verkauf der Krankenhäuser vollkommen gleichgültig war. In erster Linie geht es um den Aufbruch zu neuer sozialer Gerechtigkeit, es geht aber auch um eine neue politische Kultur in unserer schönen Stadt. Der Beust-Senat wird schon bald Geschichte sein. Hamburgs Zukunft sieht besser aus – mit einem sozialdemokratisch geführten Senat:

– Unser Senat kämpft im Bundesrat für den gesetzlichen Mindestlohn.
– Unser Senat hört auf mit der Privatisierung von Hamburger Besitz.
– Unser Senat wird Kitas, Schulen und Erststudium von den Gebühren befreien.
– Unser Senat wird ein Stadtwerk gründen und den Energiekartellen Paroli bieten.
– Unser Senat wird sich endlich wieder um den sozialen Wohnungsbau kümmern.
– Unser Senat wird die Verträge mit Asklepios und Prestigeobjekte wie die U4 auf den Prüfstand stellen.
– Unser Senat wird mit Vattenfall über das Monsterkraftwerk in Moorburg neu verhandeln.
– Unser Senat wird eine eigenständige Umweltbehörde wieder einsetzen.
– Unser Senat wird das Korruptionsregister wieder öffnen.
– Und unser Senat wird sich an Volksentscheide halten. Wer den Bürgerinnen und Bürgern nicht vertraut, hat auch kein Vertrauen verdient.

Das ist alles sehr vernünftig, allerdings muss diese Botschaft die nächsten vier Wochen auch mal massiv herübergebracht werden. Ich bin gespannt auf die Großplakate und die restlichen Akzente der Kampagne, viel ändern kann und sollte man jetzt nicht mehr. Mich allerdings reisst die Kampagne nicht vom Hocker, wählen werde ich die SPD natürlich trotzdem. Ich hoffe nur, dass der Funken bei vielen anderen Wähler überspringt.

Facebook-Gruppe: Freiheit für Loki und Helmut!

Eine Strafanzeige gegen Loki und Helmut Schmidt wurde gestellt, und auch als oft von Rauchern genervter Nichtraucher finde ich durchaus, dass man es übertreiben kann:

“Die beiden rauchen immer wieder rücksichtslos im Beisein Unbeteiligter”, so Horst Keiser, Vorsitzender des Vereins. Anlass waren Bilder des Altkanzlers, der mit seiner Frau während des Neujahrspunsches im Winterhuder Fährhaus genüsslich paffte. Auch gegen den Fährhaus-Intendaten Michael Lang habe der Verein Anzeige erstattet. Keiser: “Das ungesetzliche Verhalten wurde unterstützt, indem ein Aschenbecher trotz Rauchverbots gereicht wurde.” Kommentar von Rüdiger Bagger, Sprecher der Staatsanwaltschaft: “Wir prüfen das.”

Daher mein Aufruf: Freiheit für Loki und Helmut!