Archives For Mai 2008

Es ist immer ein leichtes, den Abgeordneten des Bundestages und der Landtage eine Selbstbedienungsmentalität vorzuwerfen. Der Vorwurf ist genau so alt und unpassend wie der, dass die Abgeordneten eh nichts tun würden, schliesslich seien die Parlamente oftmals leer. Nun gab es einen Vorschlag, die Diäten an die Vergütung von Bürgermeistern und Richtern anzulehnen und dann gleichzeitig mit deren Bezügen steigen zu lassen. In diesem Rahmen sollten die Diäten noch einmal angehoben werden für 2009 und 2010.

Wie jedes Mal, wenn die Diäten erhöht werden sollen, gab es einen Sturm der Entrüstung in den Medien und die Stimme des Volkes war auch eher ablehnend zu vernehmen. Daraufhin wurde jetzt die Diätenerhöhung gekippt.

Ich finde dies falsch. Ich will, dass die Abgeordneten gut bezahlt werden und ich finde die Erhöhungen nicht verkehrt. Ich will aber auch, dass die Politik sich nicht immer nur nach den Umfragen richtet, sondern auch mal durchzieht, was sie geplant hat. Zur Politik gehört auch Standhaftigkeit, das Durchfechten eigener Positionen und auch das Stehen in der Kritik. Wenn man sich immer nur nach den Umfragen richtet, kann keine klare Politik entstehen, eigentlich etwas, was immer alle fordern.

In einem langen Text erklärt Robert Scoble Why Microsoft will buy Facebook and keep it closed und die Kernaussage ist:

It’s Facebook and Microsoft vs. the open public Web.

Can the open public Web fight back? Yes. It’s called FriendFeed. Notice that FriendFeed replaces almost all of Facebook’s killer features with open ones that are open to Google’s search.

So, now, do you see why I’m so interested in FriendFeed? It’s our only hope to compete with Microsoft’s new “buy enough and keep it closed” search strategy.

Interessant.
Einige Annahmen sind aber irgendwie schon mal ziemlicher Müll. Die erste Annahme ist, dass Google gut und Microsoft böse ist, die zweite, dass es einen fundamentalen Unterschied zwischen dem “freien Web” und Facebook gibt. Und die dritte falsche Annahme ist, dass alle Leute unbedingt Walled Gardens schlimm finden.

Fangen wir mal mit Annahme 3 an. Klar, ich will keine Walled Gardens, wollte ich noch nie. Ich will alle von mir genutzten Dienste fröhlich als Webservice hier und da zusammenlaufen lassen oder auch nicht. Ich sehe das wie bei Unix, wo es lauter kleine Tools gibt, die dann zusammengefügt sehr mächtig werden können, wenn man weiss wie es geht. Letzteres ist eben genau das Thema, weswegen viele Leute Walled Gardens durchaus präferieren werden, denn es ist einfach alles da, man muss auch keine komplizierte Sachen können. Bei Annahme 2 ist doch wohl mittlerweile klar, dass die Profile der User auch ohne Walled Garden sehr umfangreich sind und Google mit allen seinen Aktivitäten dafür sorgt, dass der User immer gläsender wird, ich verweise nur zu gerne auf Doubleclick, Google Analytics und Adsense, damit ist sicherlich ein Großteil des Webs von Google vertaggt. Das mündet dann auch nahtlos in der ersten Annahme. Google ist genau so ein riesiger Konzern mit Dominanz- und Allmachts-Phantasien wie Microsoft, da sollten wir uns von aller Rhetorik nichts vormachen lassen.

Friendfeed jedenfalls wird hier nicht die Rettung bedeuten, sondern wenn überhaupt wird es die Profile für Google noch anreichern.

Am Mittwoch fand die Facebook Developer Garage in Hamburg statt und am Tag darauf die Next08 von SinnerSchrader. 300 Leute an einem Tag, 1200 am anderen Tag, da fühlte sich Hamburg ziemlich silikontalisch an.

Über die Next08 haben schon einige geschrieben: Next Next wird alles gut, Glücklich ohne Email und next08: rund, über die Garage u.a. Doreen auf dem Travello-Blog.

Die Facebook Developer Garage war eher enttäuschend, jedenfalls was die präsentierten Inhalte anging. Als Developer hätte ich mich ziemlich geärgert und ich frage mich auch immer wieder, was diese langweiligen Firmenpräsentationen bewirken sollen, wenn es doch um ein anderes Thema geht als die Darstellung der eigenen vermeintlichen Erfolge. Aber, ich habe viele gute Gespräche geführt, wenn auch weniger über Facebook. Extrem schwach fand ich den Auftritt von Matt Cohler, das hätte man sich sparen können. Nach dem eher unbemerkten Start von Facebook in Deutschland war hier die Gelegenheit, ein Feuerwerk abzubrennen und das interessierte Publikum mitzureissen, aber stattdessen wurde gelangweilt eine Standardpräsi durchgeflippt und danach schleunigst der Event verlassen. Chance verschenkt. Vielleicht kommen auf der nächsten Facebook Developer Garage in Berlin ja auch mal Entwickler und reden über ihre Erfahrungen, das würde dem Thema gut stehen. Die Garage wurde in sehr kurzer Zeit organisiert und ein möglichst breiter Ansatz gewählt, was sicherlich für den ersten Event in Deutschland auch der richtige Ansatz war. Allerdings hätten sich die Vortragenden wirklich mehr um das Thema kümmern sollen.

Die Next08 führte bei mir zu einem schmerzenden rechten Arm, so viel Hände durfte ich schütteln, ich war schwer beeindruckt, wer alles dar war. Während Thomas Knüwer die Organisation gut fand und Inhalte vermisste, muss ich sagen, dass ich das Thema “realtime” und das Aufgebot an Rednern und Vorträgen ziemlich imprägnierend fand. Ich habe mir allerdings wenig angehört, da warte ich auf den Videostream, schliesslich kann ich dann auch skippen, was den Protagonisten von Web 2.0 und ADD auch sehr entgegen kommt. Begeistert war ich von den vielen Gesprächen, die ich führen konnte, das hat sehr viel Spass und noch dazu den ein oder anderen Erkenntnisgewinn gebracht. Die an mich am häufigsten gestellte Frage war: “Was ist die Faszination an Twitter? Ich verstehe es nicht.” Ob meine Antworten jetzt wirklich erhellend waren, weiss ich nicht, aber ich werde sicherlich noch mehr als bisher versuchen, diese Frage auf Twitterdings.de zu erläutern.

Mein einzig wirklicher Kritikpunkt: Wozu bitte muss die Musik abends überall krachlaut und das Angebot an Sitzgelegenheiten rar sein? Es gab eine Ecke zum Rumhüpfen, das muss doch reichen, wer sich unterhalten will, sollte sich nicht anbrüllen müssen. Das nervt mich bei den meisten Events, und auch bei der Next08 und der FDGHH-Afterparty war es sehr störend.

Heute habe ich ca. 1200 ungelesene Feeds, dutzende neue Xing-Requests, etliche Follower mehr auf Twitter und vor allem vom vielen Reden eine Stimme, mit der ich jeden Joe-Cocker-Karaoke-Abend locker gewinnen könnte. Aber es hat sich gelohnt.

ein paar Tidbits

Nico —  13.05.2008 — Leave a comment

In aller Kürze mal ein paar Themen der letzten Tage:

  • simfy spielt jetzt auch bei piczo – mit einem kleinen Widget ist Simfy jetzt auch bei 28 mio Piczo-Usern zu finden.
  • Derzeit finde ich Mento ganz interessant, gerade auch weil es sich nett mit Facebook, Friendfeed und Twitter verzahnt.
  • Am 11. Juni findet das TechCrunch-Meetup in Berlin statt, anmelden kann man sich über eine Beta-Registrierung bei den Freunden von Twidox.
  • Auf Twitterdings habe ich einen Kurztest von Twitter Desktop-Apps basierend auf Adobe Air veröffentlicht, quasi die Top8.
  • Die Next08 wird mit 1100 Teilnehmern durchaus voll werden.
  • Die Facebook Developer Garage in Hamburg ist voll.

So viel dazu.

Vor zwei Jahren fielen mir in Iowa die Unmengen Leute auf, die grellfarbige Gummischuhe trugen und ich hab das flink auf provinzielle Mode-Erscheinungen des Mittleren Westens zurückgeführt. Als sich nun letztens mein Blog- und Stil-Vorbild ix als Träger gelber Crocs outete, da merkte ich auf. Gestern bekam Söhnchen seine Crocs und ich zog dann heute nach. Macht zwar nicht direkt einen schlanken Fuß, aber es geht sich damit sehr angenehm, auch im Ostseewasser, trotz Sand.