Heute kamen die Ministerpräsidenten der Länder zusammen und haben verkündet, wie sie sich künftig das Internet-Engagement von ARD und ZDF vorstellen. Denn es ist klar, dass Angebote von Fernsehsendern ebenso wie von Verlagen immer mehr über das Internet distribuiert werden sollen. Hans-Jürgen Jakobs fasst auf Sueddeutsche.de zusammen:
Diese große Wiese des digitalen Marktes wollen sie alle mähen: die Intendanten der Anstalten, die alerten Manager der Privatsender, die Verleger von Zeitungen und Zeitschriften sowie die Macher neuer Angebote. Sie kombinieren online Text, Bild und Ton in ganz unterschiedlichem Mischungsverhältnis. Weil ARD und ZDF dabei frei Haus Gebührenmilliarden zur Verfügung stehen, den anderen aber nur jenes Geld, das Werbekunden in Hoffnung auf Kundenkontakte investieren, verlangt das kreative Chaos nach Regeln.Solche Regeln glauben die Ministerpräsidenten jetzt insofern gefunden zu haben, als dass die Öffentlich-Rechtlichen künftig nur “sendungsbezogene” Angebote ins Netz stellen und keine “elektronische Presse” veranstalten dürfen. Presseähnliches soll es nicht geben. Beiträge über große Sportereignisse wie Olympia dürften nur 24 Stunden bereitgestellt werden, alles andere höchstens sieben Tage. Über die Online-Aufbereitung von Unterhaltung gibt es noch viele Unklarheiten – so viele, wie es bei ARD und ZDF Unterhaltung gibt.
Und da merkt man es wieder: die Medienpolitiker in Deutschland haben nicht ansatzweise einen blassen Schimmer vom Internet, allen voran Kurt Beck. Da hat die Verleger-Lobby schön einige ihrer Punkte durchsetzen können, um ARD und ZDF das Leben im Netz schwerer zu machen. Es wird mit ungleichen Waffen gekämpft, während Verlage und Privatsender munter Kooperationen schliessen können, um Traffic für ihre Online-Angebote zu generieren, sollen ARD und ZDF sich auf ihre Sendungen konzentrieren, kommerzielle Links vermeiden und vor allem nach sieben Tagen ihre Inhalte wieder löschen. Was für ein Käse. Wenn ich schon gezwungen werde, mit der GEZ-Steuer ARD und ZDF zu finanzieren, dann will ich auch, dass online ein entsprechend umfangreiches Angebot zu finden ist, gerne auch mit einem anderen Anspruch als bei vielen Privatsendern und Verlagen.
Ich stelle mir das Angebot von ARD und ZDF so vor:
1. alle Sendungen werden gestreamt, auch mit Werbung, eben genauso wie im Runfunk auch.
2. alle Sendungen kommen ins Archiv, abgesehen von Live-Mitschnitten wird es keine Werbung geben, sondern nur “die pure” Sendung.
3. Redaktionelle Inhalte sind ausdrücklich erwünscht, auch Formate ohne Sendeplatz, ohne Werbung.
4. Entwicklung eigenständiger Web-Konzepte, quasi Innovation. Ja ich weiss, ich Träumer.
Für die Finanzierung eines solchen Angebots zahle ich gerne GEZ. Verlage und Privatsender können weiterhin ihre Angebote mit Werbung finanzieren. Alles andere ist totaler Anachronismus. Wenn man das nicht will, dann muss man generell die Gebührenfinanzierung von ARD und ZDF in Frage stellen.
Die starre Trennung von Presse und Rundfunk kann man mit dem Internet als Distributionsebene nicht mehr aufrecht erhalten. Im Internet ist der Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser eine ganz andere. Und im Zweifel gibt es viele Auswahlmöglichkeiten, denn Inhalte kann heutzutage einfach jeder publizieren. Das werden die deutschen Politiker auch auf lange Zeit hin nicht verstehen können, weil sie das Internet nicht nutzen.
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