Mehr Beflaggung für alle!

Nico —  13.06.2008

Ich mag keine Nationalflaggen schrieb Wolfgang letztens. Ich sehe das ganz anders.

EM-Vorbereitungen sind abgeschlossenJe mehr Leute die schwarz-rot-goldene Flagge hissen, am Auto haben, auf T-Shirts oder im Gesicht, desto mehr ist unsere Nationalflagge ein Symbol für uns alle. Die Fahne kommt damit aus ihrer Schmuddelecke heraus und damit nehmen wir den Rechtsnationalen ein Identifikationssymbol. Ich plädiere für einen gesundenen Patriotismus, der sich unverkrampft mit dem Thema Nation auseinandersetzt. Ausserdem verstehe ich das Thema Nation als Work in Progress, um nicht zu sagen als perpetual Beta, und wir sind alle herzlich eingeladen, daran mitzuwirken.

Das hat auch nichts mit Fanatismus zu tun, wenn man zu einem Ereignis die Nationalflagge zeigt, in anderen Ländern ist es auch üblich, wie unsere Nachbarn in Dänemarkt und Schweden immer wieder zeigen. Ich gehe sehr mit Heinemann konform, der auf die Frage, ob er Deutschland liebe, sagte: „Ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau.“ – aber ich finde es auch toll, wenn man seine Verbundenheit mit dem Staat und der Nation zum Ausdruck bringen kann, ohne dass Nationalismus gleich mitschwingt. Noch dazu sorgen Ereignisse wie WM und EM vor allem dafür, dass in Deutschland viele verschiedene Flaggen gezeigt werden und das Stadtbild schön bunt wirkt, quasi als Abbild des Einwanderungslandes Deutschland.

Ich wünsche mir einen unverkrampfteren Umgang mit Deutschland und seiner Flagge, es ist eben noch alles Beta.

7 responses to Mehr Beflaggung für alle!

  1. Sehr schön!

  2. Genau. Sag ich doch. Es könnte alles so einfach sein, wenn man sich es nicht immer so unnötig schwer machen würde…

  3. Hm. Was ist das, \“uns alle\“, für das die Flagge ein Symbol sein soll?

  4. Das \“uns alle\“ kann für dich unsere Verfassung sein, oder, dass die Polizei nicht wie in Frankreich schwarze Kinder schlägt, oder dass Frauen nicht gesteinigt werden dürfen, oder dass Schwule heiraten, oder dass innerhalb von 60 Jahren einer der stärksten Wirtschaften der Welt aufgebaut wurde, oder, dass nur bei uns ernsthaft über Atomausstieg diskutiert wird, während andere noch Reaktoren bauen, oder einfach, dass Fußball mit Grillen und Freunden Spaß macht. \“Uns alle\“ macht Spaß und bringt uns voran. Warum also nicht?

  5. @Rafael: Deutschland hat ein Grundgesetz, und ein Gesetz ist nichts, womit ich mich in meinem Wesen identifiziere, höchstens ein gesellschaftlicher Vertrag, nach dem sich mein Handeln richtet, wenn ich meinen Interessen mehr damit diene, es zu tun, als es nicht zu tun. Weiterhin von dir referenzierte universelle Werte wie Gleichheit menschlicher Rechte unabhängig von sexueller Präferenz oder Geschlecht oder die Vermeidung grausamer Strafen sind eben das, Werte mit universellem Anspruch, die nicht an eine Nation gebunden sind, von denen ich vor allem nicht sagen kann, der durchschnittliche deutsche Bundesbürger repräsentiere sie strahlender als jeder andere. Es ließen sich genug Gegenbeispiele auffahren.
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    Die deutsche Nation hier als Identifikations-Maßstab zu nehmen anstatt den westlichen Kulturkreis (und ein Kulturkreis ist eine weitaus losere Eingrenzung als ein geographisch-juristisch festgelegter Nationalstaat) ist eine große Beliebigkeit. Ich habe als Berliner nicht den Eindruck, wesentlich mehr mit dem Durchschnittseinwohner eines bayrischen Dorfes gemein zu haben als mit einem durchschnittlichen Einwohner von Paris. Atomkraft finde ich knorke und Fußball todlangweilig, und wenn mich das irgendwie undeutscher macht, habe ich kein Problem damit. Wer meine Freunde für ein \“Uns\“ sind, definiert sich für mich nicht über Nationalgrenzen, und \“Uns alle\“ versinnbildlicht durch die Schlaaand-Gröhler \“macht\“ mir keinen \“Spaß\“, ich sehe da nur eine tierische Hordendynamik drin, die mich anwidert, und ich kann mir nichts Gutes vorstellen, das von einer solchen in einer modernen Gesellschaft vorangebracht werden könnte.
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    Warum also?

  6. Ich warte auf den Tag, an dem sich Isreal (mit absicht so geschrieben) für die EM qualifizieren … solange es Nationen gibt, stinkt die Welt .)

    PS: auf das Deutsche Wesen und seinen unverkrampften Patriotismus kann ich gern verzichten, besonders weil ich so einiges von dieser Spezies gesehen habe …

  7. @Rafael uns alle war auch schon mal was anderes. Btw. Im allgemeinen wird \“uns alle\“ gern genutzt, wenn es gilt, Kröten zu schlucken. Ich zucke zusammen, sobald jemand uns alle anzusprechen gedenkt. Und das geht uns alle an, you know.