Obama und Owens

Nico —  22.07.2008

Als ich die Einladung zur Rede von Barack Obama an der Siegessäule gesehen hatte, kamen mir sofort folgende Assoziationen: „Leni Riefenstahl“, „Olympia“, „Jesse Owens“, aber auch „Triumph des Willens“ und „Siegessäule“. Mir ist klar, dass der Film von Leni Riefenstahl vor Olympia gedreht wurde, aber spontan kam mir diese Assoziationskette. Ist dies intendiert? Wird Obama den Rückgriff auf Jesse Owens ziehen, den vierfachen Goldmediallen-Gewinner der Olympischen Spiele in Berlin 1936, und daran festmachen, wie weit Amerika und die Welt seit dem gekommen sind, dass er nun an diesem geschichtsträchtigen Ort in dieser Stadt, die wie keine andere für Rassenwahn, aber auch für das Überkommen von Mauern und das Zusammenführen einer Nation steht?

Es wäre eine imposante Choreographie, im Berliner Abendlicht, mit großen Gesten und großem sozialdemokratischen Führungsriege-Gedrängel in seiner Nähe, in der Hoffnung auf Abstrahleffekte wie bei Kennedy und Brandt.

Das Politik-Großereignis des Sommers wird so ziemlich auf allen Kanälen übertragen und auf Twitter kommentiert werden.

One response to Obama und Owens

  1. Die Owens Assoziation ist nahe liegend. Aber das liegt wohl eher daran, dass wir es nicht gewohnt sind, Menschen mit dunkler Hautfarbe auf Plakaten zu sehen. Es gibt einfach nicht so viele solcher Bilder. Und klar, Obama wird als Mann des Aufbruchs stilisiert, in dessen Bildrhetorik das ganze Spektrum vorhandener Freiheitssymbolik eingearbeitet wird. In diesem Fall ist es die Sonne, die entgegen strahlt und dem Gesicht markante Konturen verleiht. Das ist auch bei Owens so, und zwar realitär, während bei Obama das künstliche Licht der Technik mithilft bzw. die digitale Strahlkraft von Photoshop. Ansonsten besteht die Gemeinsamkeit in dem nach rechts weit hinausweisenden Blick, auf den Weg, die Zukunft, das Mögliche gerichtet. Der Unterschied ist allerdings, dass Owens (auf deinem Bild) dabei ein klares Ziel vor Augen hat, den klar definierten sportlichen Erfolg, während der (inszenierte) politische Ausblick ins Ungewisse geht, also einen visionären Charakter annimmt. Ob hinter diesem Blick ins weite Feld der Möglichkeiten etwas Substanzvolles steckt, wird sich zeigen. Ich habe da so meine Zweifel und es wundert es mich auch nicht, dass die Rede nichts Konkreteres zu bieten hatte als das übliche Blabla von Hoffnung und Freiheit.