Yahoo! – macht doch was ihr wollt

So langsam aber sicher kann ich es nicht mehr hören, gschweige denn lesen. Erst will Microsoft Yahoo! kaufen, aber die wollen nicht, dann will der Investor Carl Icahn aber doch, dass die wollen, dann will Microsoft nicht mehr, aber Icahn will immer noch, und so weiter und so fort, und alle paar Tage wird AOL ins Spiel gebracht, oder irgendeine andere größere Firma, die ihre Zukunft lange hinter sich hat.

Yahoo! ist für den deutschen Markt relativ irrelevant, mal abgesehen davon, dass ich bei Flickr viele Bilder habe. Aber in den USA ist Yahoo! immer noch ein Traffic-Gigant, insofern ist es nachvollziehbar, dass dort großes Interesse an Yahoo! besteht. So langsam muß man sich aber echt fragen, ob die alle nix besseres zu tun haben, als irgendwelche Übernahme-Abwehr-irgendwieaberdoch-Pläne zu schmieden. Alle Beteiligten reiten Yahoo! noch tiefer in die Krise, während gerade munter die Protagonisten der letzten Jahre das Schiff verlassen. Sinkt es? Oder wird nur bei voller Kraft voraus die Mannschaft ausgetauscht und ein Kurswechsel vorbereitet? Erst war ich zuversichtlich, aber je länger das Geeier anhält, desto pessimistischer bin ich. Ich kenne Yahoo! noch, als es ein täglich händisch gepflegter Link-Katalog war, insofern habe ich durchaus Sympathien für die Firma. Allerdings finde ich es auch beeindruckend, dass trotz der interessanten Aquisitionen der letzten Jahre und der frühen Fokussierung auf mobile Themen (Yahoo! go) mittlerweile der ganze Drive verloren gegangen ist und nichts mehr wirklich gelingt. Ausser “ah, die gibt es auch noch!” passiert leider nicht mehr viel bei Yahoo! – das ist schade.

Ich bin schon lange nicht mehr gespannt, wie das Gezerre um Yahoo! weitergeht, auch wenn es täglich neueste Gerüchte gibt, jedenfalls in den amerikanischen Techblogs. Weckt mich, wenn Yahoo! geschluckt wurde, aber nur, wenn dies Auswirkungen hat und nicht ebenso ergebnislos bleibt wie die Yahoo!-Strategie der letzten Jahre.

Das Möchtegern-Leitmedium

DER SPIEGEL schreibt über “Die Beta-Blogger”, allein der Titel lässt schon darauf schliessen, worum es in dem Text geht. Ohne dass ich den Artikel gelesen habe, möchte ich nur eine Sache anmerken:

Ich lasse mir nicht eine Diskussion über Blogs in Deutschland aufschwatzen von einem Magazin, das ich vor Jahren aufgehört habe zu lesen.

Das Netz, die Politik, und wir alle

Wenn schon der große deutsche Alpha-Blogger Robert Basic in einer kleinen Mini-Serie gleich drei (1, 2, 3) mal über Politik bloggt, dann gilt es aufzuhorchen, dann hat man sich hinzusetzen und tut gut daran, seine Gedanken zu sortieren und ebenfalls ein wenig zum Thema zu bloggen. Naja, eigentlich wollte ich eh schon länger wieder mal was über das Thema schreiben, aber ich bin nicht früher dazu gekommen und jetzt hat Robert sich des Themas schon angenommen, was auch okay ist, dann kann ich ihn wenigstens dissenerwähnen.

Robert stellt einige interessante Fragen, aber als Aufhänger fungierte die Löschung eines Forums auf meinespd.net. Die Pressemeldung zur Schliessung des Forums ist quasi das, was alle Parteien immer befürchten: Irgendetwas passiert irgendwo online bei einer Partei und es entsteht eine Lose-Lose-Situation. Im Fall von meinespd.net war es ein Beck-kritisches Forum. Hätte die SPD dieses Forum nicht gelöscht, wäre die Schlagzeile gewesen: “selbst bei den Genossen im Internet hat Beck keinen Rückhalt mehr”, eventuell sogar noch mit dem Zusatz, dass die eigenen Mitarbeiter nicht eingreifen wollen, wenn derartiges passiere, um noch mehr in die gewollte Kerbe zu hauen. Denn das Schöne am Netz ist ja, aus Sicht eines Redakteurs: er kann Schlagzeilen fabrizieren, die auf den Vorurteilen seiner Leser beruhen. Es wird also schon stimmen. Auch wenn, wie in diesem Fall, alle nur aus der Presse von der Existenz des Forums erfahren haben. Dieser Fall und das Vorgehen der Partei sind keinesfalls SPD-spezifisch, das kann bei allen anderen Parteien auch eintreten. Denn mit dem Internet passiert etwas, bei dem die dezentral aufgebauten, aber von der Theorie her zentral geführten Parteien noch nicht verstanden haben, wie sie damit umgehen sollen. Auch früher gab es immer konträre Meinungen und immer wieder ein paar vermeintliche Wichtigtuer, die aus der Reihe tanzen wollten. Wenig davon hat es in die Tageszeitungen geschafft. Aber es gehört zu den Parteien und dem Partei-internen Diskurs dazu, dass Leute von der vorherrschenden Meinung abweichen. Das schärft das Profil und fördert die Diskussion, auch gegenüber dem politischen Gegener. Das Netz macht es möglich, dass all diese Meinungen nur einen Click entfernt sind und damit auch unliebsame Themen eine große Aufmerksamkeit bekommen können. Ich würde den Parteien hier mehr Laissez-faire empfehlen und mehr Gelassenheit an den Tag zu legen, aber ich weiss auch, dass die Parteien heutzutage noch anders organisiert sind und immer noch glauben, die Hauptnachrichten des Abends sind der ideale Moment, um vor die Kameras zu treten und dass generell alles, was aus der Partei nach aussen dringen soll, durch den Pressesprecher abgesegnet oder verkündet werden sollte.

Damit wären wir auch schon beim zweiten Punkt, nämlich der von Robert aufgeworfenen Frage, warum eigentlich nicht jeder Politiker bloggt. Ich nerve damit jeden Politiker, den ich kenne, schon seit 2003, mit eher durchwachsenem Erfolg. Sollen Blogs authentisch sein, was wir ja alle wollen, dann wäre es hilfreich, wenn der Politiker selber bloggt. Das passt eher schwer in den Zeitplan, schliesslich wollen wir ja auch, dass vor dem Bloggen ein klein wenig über den Text nachgedacht wird. Ein halbwegs motivierter Abgeordneter findet dafür in aller Regel keine Zeit, sondern geniesst das Internet quasi nur per Blackberry. Bleibt als Ausweg sicherlich die Verlagerung des Bloggens hin zum Mitarbeiter, zum Redenschreiber. Will man das? Im Zweifel kommen dann semi-persönliche Artikel dabei heraus, die Nähe suggerieren, wo keine vorhanden ist. Auf derartige Blogs kann ich verzichten. Wenn aber sich jemand die Zeit nimmt, ein Blog mit seinen persönlichen Ansichten zu füllen, dann finde ich das große Klasse. Aber ich kann durchaus verstehen, wenn das nicht in den Zeitplan passt, wie so vieles, was man gerne machen würde.

Was aber in den Zeitplan passen sollte, ist das Monitoren der relevanten Blogs, Foren und Social Networks, sowie das Kommentieren dort, eventuell ein Gast-Beitrag ab und zu. Twitter sollte sowieso jeder Politiker nutzen, da kann man sich gar nicht erst um Kopf und Kragen reden und die Wähler werden sich um kurze und klare Aussagen freuen. Ich denke, dass es falsch ist, generell zu sagen, dass Politiker die Blogs wichtiger oder gar ernster nehmen sollten. Ich halte es für sinnvoller, auf einen Mix zu setzen, der ganz unterschiedlich sein, je nachdem wie das Umfeld des Politikers aussieht. MySpace, StudiVZ, Blogs, Twitter, Gesichterparty, WkW, etc. – das alles kann Sinn machen, oder auch total dämlich und anmassend sein. Praktischerweise gibt es kein Patentrezept für Politik im Netz und man kann auch nicht die Resonanz der User, also der Wähler, vorraussehen.

Was man aber vorraussehen kann ist die Art und Weise, wie in Deutschland die herkömmlichen Medien darauf eingehen werden. Was in den USA bejubelt wird, gehört sich in Deutschland nicht, da es die Relevanz des eigenen Mediums, sei es Tageszeitung, Magazin, Radio oder TV, negiert. Und so lange die meisten Politiker in Deutschland nicht mit dem Netz leben, werden sie weiterhin gucken, dass sie die herkömmlichen Medien ordentlich bespassen. Dadurch wird es immer mehr zu dem Problem kommen, dass die Parteien die Wähler zwischen 18 und 40 nicht mehr erreichen, denn hier hat sich die Medien-Nutzung bereits ordentlich verändert und das Netz spielt eine viel größere Rolle als im Bevölkerungsdurchschnitt. Dessen sind sich einige in der Politik durchaus bewusst, aber gerade für die Älteren wird das Netz immer nur ein leidiges Add-On bleiben.

Der nächste Wahlkampf steht vor der Tür. Wir können gespannt sein, mit welchen Angeboten die Parteien uns auch online zu verzücken versuchen. Sie werden es nur ansatzweise schaffen. Dafür wird es wieder alles das geben, was es schon all die Jahre vorher auch gab. Flyer, Kugelschreiber, Feuerzeuge, Wahlprogramme, Luftballons, Fernsehspots und den lieblosen Infostand vorm Aldi als die Ultima Ratio im Dialog mit dem Wähler.

BILD kann Link-Bait

Gina-Lisa nackt

Ich habe natürlich wieder von nix etwas mitbekommen, aber Marco twitterte dann, dass er etwas über Bloggerszene made by Bild.de geschrieben hätte und dabei stiess ich dann auf den hervorragenden Titel Gina-Lisa und das Sex-Video: Riesen-Wirbel in der Blogger-Szene. Riesen-Wirbel. In der Blogger-Szene. Klar. Die Anzahl der Postings ging in ganz Deutschland nach unten, weil alle nur nach dem Video suchen konnten, bei den Verheissungen. Gina-Lisa. Nackt. Was will man mehr?

Es gibt nicht eine Blogger-Szene, es gibt viele. Die Blogs, die ich so lese, interessiert Gina-Lisa herzlich wenig und auch die BILD ist eher nicht so der tägliche Hochgenuss an Informationen, sondern wird als überflüssig angesehen.

Ich suche immer noch den Riesen-Wirbel, denn abgesehen von ein paar Blogs, die jetzt versuchen, von dem Ruhm zu profitieren und mit ein paar Affiliate-Links zu Pr0n-Sites ihren kurzen Ruhm auch richtig monetarisieren zu können, schreibt eigentlich niemand über dieses ominöse Video.

Eigentlich ist das ein interessantes Muster, man nimmt einen Pseudo-Aufreger, verweist auf irgendwas im Netz, lässt es nach einer riesigen Welle aussehen und schreibt dann darüber, schiebt noch dazu lauter wirre Kommentatoren rüber und schon kommen einige auf die Idee, dass wirklich ein Thema gefunden wurde, über das alle gerade reden. Nur mich langweilt das so langsam. Ach ja, hier ist der Link zu Gina-Lisas Porno-Video, kostenlos!

moo-pr0n

Es wurde Zeit für neue Visitenkarten, einmal als “klassische” MiniCards und einmal als BusinessCards, beides Mal mit bunten Bildchen aus meinem Flickr-Stream.