die Bedeutungslosigkeit der Twitter-Konkurrenten

Dieser Post soll heute mal Twitter und seinen Konkurrenten kwippy und plurk, stellvertretend für alle anderen Mikroblogging-Dienste gewidmet sein und ist in allererster Linie thesenartig und voll des gefühlten Wissens zu verstehen:
Seit Freitag geht ja eine kwippy Einladungswelle durchs Land und so kam auch ich in den Besitz einer dieser "raren" Einladungen, ich folgte ihr aus Neugier. Auf der Seite angekommen stellte ich fest, dass es sich bei diesem Projekt um Twitter ohne Zeichenbegrenzung und mit GTalk-Einbindung handelt. Ähnliches hatte ich circa einen Monat davor bereits mit Plurk erlebt (USPs hier: flashy Optik und eine Einbindung von Stimmungen in die Statusupdates). Nach 10 Minuten der Beschäftigung mit der kwippy-Seite (absolut analog zu Plurk übrigens) verließ ich sie und bin mir sicher, dass ich sie zukünftig auch nicht mehr besuchen werde. Falls sich jemand fragen sollte warum das so ist kann ich sagen, ich habe schon einen Twitteraccount und damit keinen Bedarf für einen zweiten Dienst, der meine Statuszeilen verwaltet!
Die Frage, die ich mir bei diesen Diensten regelmäßig stelle (geht mir bei friendfeed übrigens nicht anders) ist, ob sich die Entwickler schon mal Gedanken darüber gemacht haben, wieviel Zeit dem User so zur Verfügung steht, all diese Dienste auch zu nutzen – und Twitter ist nun wirklich ein zeitlich durchaus intensives Tool – und wie wichtig gerade das Element "soziale Bindungen" für Dienste wie Twitter sind und wie schwer diese auflösbar sind. Nicht umsonst könnte StudiVZ sonstwas tun und trotzdem würden nur relativ wenige User zu facebook wechseln. Ich meine jetzt mal ehrlich, wie sehr nervt es, jedes Mal die gleichen Leuten auf einem neuen Dienst zu suchen, ihnen zu folgen, Freundschaften zu schließen, sich mit dem Dienst vertraut zu machen, etc.
Am Ende ist es doch so: Twitter ist eher TROTZ seiner Funktionalitäten zum Standard geworden, aber inzwischen kann wohl keiner mehr leugnen, DASS es der Standard für Microblogging ist. Ich bin der Ansicht, dass es schon ein wenig mehr braucht als eine seitwärts ausgerichtete Timeline und schicke Bildchen (plurk) oder die Anbindung von GTalk und eine wahnsinnig virale Einladungsfunktion (kwippy), um jemanden, der sich seit dem Anlegen seines Accounts langsam und beharrlich seine Follower aufgebaut hat, davon zu überzeugen, dass es jetzt Zeit wäre zu wechseln und das alles erneut durchzuführen. Die Frage die bleibt ist: was planen die Betreiber dieser Dienste, denen wird ja auch auffallen, dass es schwer ist, User dauerhaft von Twitter abzulösen, wenn nicht gleich deren ganzes Netzwerk mitgeht? Was sind da die Argumente für die Investoren, wo der eigene Antrieb UND das wichtigste: Was müsste passieren, damit du, lieber Leser, dauerhaft Twitter den Rücken kehrst und zukünftig nur noch kwippy o.ä. nutzt? Auch eine letzt Frage sei noch erlaubt: Ist das meine persönliche Einzelmeinung oder geht das noch jemandem so?

PS: Grundlage dieser gesamten Annahme ist, dass der Mainstream Standardtools nutzt und da ist eben nicht in letzter Konsequenz die reine Funktion entscheidend, sondern die Verbreitung, denn wenn keiner meine Tweets liest, muss ich auch keine schreiben. Ich glaube schlicht, dass am Ende die Marke über den Mainstreamerfolg entscheidet und da kommen Dienste wie kwippy und plurk einfach nicht mit Twitter mit…

[Christoph]

8 Antworten auf „die Bedeutungslosigkeit der Twitter-Konkurrenten“

  1. Ich sehe das genauso wie Du. Ich bin gerade neu bei Twitter und es ist wirklich zeitraubend und man sollte Leben um das erlebte zu bloggen und nicht bloggen um zu leben. Daher ist Twitter gerade aufregend, aber mein Drang viel zu erleben (in der wirklich Welt) ist dann zum Glück größer !! *lol* Irgendwann reicht es auch mal mit Netzwerken ;-)
    Übrigens musste ich bei Deiner Beschreibung lachen. Es ist wirklich so. Man meldet sich neu an und sucht erstmal wie ein Eichhörnchen seine Leute zurecht *lol*

    Jetzt wo du es schreibst wird mir der Quatsch deutlich *lol*

  2. Witzig – du sprichst mir da wirklich aus der Seele. Für Plurk hab ich etwa 5 Minuten verwendet. Bei kwippy hab ich nicht mal die Einladung genutzt, weil ich schon auf der Seite gesehen habe, dass es nichts Neues ist, was irgendwelche weitreichenden Vorteile hätte.
    Nebenbei ist das Hauptübel tatsächlich der Aufwand alle Freunde mitzuziehen und das wird sicherlich nicht funktionieren also auch nicht den Aufwand wert sich darum zu bemühen. Wenn tatsächlich mal ein paar mehr Leutchen auf einen Dienst aufspringen wie es teilweise bei friendfeed der Fall ist, dann mag das noch angehen. Dabei hat friendfeed ja sogar eine crossposting Möglichkeit, so dass man damit sogar twittern kann.
    Es erinnert mich ein wenig daran, dass es fast unmöglich ist einen Programmierer an einen neuen Editor heranzuführen. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Es sieht also tatsächlich so aus, als ob Twitter schon gewonnen hätte und die machen bzw. machten ja nun wirklich ziemlich viel um ihre Benutzer abzuschrecken. Aber das scheint nicht zu funktionieren. Selbst die in D gestarteten Klone hatten ja nicht wirklich eine Chance ob wohl sowas wie frazr ja sehr früh dran war, aber dann doch nicht die Publizität erreicht hat, wie es twitter schon mehrfach auf Konferenzen gelang.
    Die reingesteckte Zeit ist wohl das Hauptargument dafür bei einem Dienst zu bleiben und den auszubauen.Das ist bei twitter noch erheblich extremer als bei den ganzen Blogging-Plattformen, die man viel schneller mal wechselt, weil die Beziehungen nicht so intensiv waren bzw. sind, wie es bei Twitter erscheint.

  3. ich möchte euch beiden danke, nämlich dafür, dass eure kommentare mir perönlich sichtbar machen, dass die schweigende first-mover-masse das schon ähnlich sieht und vor allem bei twitter ziemlich angekommen ist. der zweite grund ist, ich weiß jetzt, dass ich bei kwippy und plurk wirklich nichts übersehen habe, was den wahnsinnigen vorteil ausmacht, aber ich würde trotzdem noch gern einen überzeugten nutzer eines der beiden dienste zu wort kommen lassen wollen, meldungen?

  4. „Was müsste passieren, damit du, lieber Leser, dauerhaft Twitter den Rücken kehrst und zukünftig nur noch kwippy o.ä. nutzt?“

    Einfache Frage, einfache Antwort: Twitter müsste den Dienst einstellen ;-)

    “ Auch eine letzt Frage sei noch erlaubt: Ist das meine persönliche Einzelmeinung oder geht das noch jemandem so?“

    Nein. Das frage ich mich schon länger bei dem ganzen Web 2.0 Geraffel. Man kann auch überinformiert und übervernetzt sein. Irgendwo im Netz gibt es auch schon einen Artikel dazu ( http://www.readwriteweb.com/archives/real_peopl… ).

    Noch ein Tool und NOCH ein Tool, das im Prinzip die gleiche Funktionalität abbildet.. naja, ich glaube das gibt es bei jedem Trend.

  5. naja, wenn man es mal genau nimmt, dann ist twitter ja auch nur eines dieser tools, mit dem es mal genau so angefangen hat, insofern bist du (und ich ja auch) ja auch teil dieses geraffels, nur das twitter eben schon diese wichtigkeit erreicht hat (siehe deine aussage zur wechselwilligkeit) und daher eben als standard wahrgenommen wird – aber irgendjemand muss plurk doch benutzen, oder mal benutzt haben, hypes finden doch nicht ohne user statt?!

  6. Ich spiel mal den advocatus dingsbums: Was an Plurk, Kwippy und identi.ca und anderen interessant ist, ist, dass sie bestimmte Aspekte, wohin es mit den Themen Presence etc. gehen könnte, aufgreifen.
    Bestimmte Ansichten von FF z.B., also die Wochansicht z.B. haben durchaus einen schönen 'Digest'-Effekt; der spielt das bei der von dir angesprochenen Zeitfrage ne Rolle.
    Identi.ca deutet an, dass Presence so etwas werden könnte wie E-Mail, dass es egal ist, WO du deine Updates hinwirfst und WO deine Kontakte sind.
    Ansonsten denke ich eher, ass sich bestimmte Gruppen bestimmte Dienste aussuchen, so wie die einen bei neu.de sind, andere bei elite Partner, die Dritten bei XING, so werden sich eben manche bei Twitter finden und andere anderswo. (Ich hatte kürzlich mal über nen indischen SMS/Presence-Dienst geschrieben, bei dem MEHR User sind als bei Twitter.)
    Kwippy ist, wenn ich recht verstehe, massiv stärker auf IM-User orientiert und könnte sich deswegen in der Ecke eine Klientel zusammensammeln.
    Leute dafür gibt es ohnline wohl genug.
    Und irgendwann gibt es dann lLeute, die Meta-Clients schreiben, damit wir bequem an alles drankommen ;) Also:
    1 Fenster/Sidebar für Twitter, FF, Kwippy, indenti.ca, Facwebookstatus, XINGzeile etc.

    Evenuell geht ja Snowl in deise Riochtung (muss es aber noch testen ;) )

  7. Yup, da stimme ich Dir zu. Habe auch bisher nichts gefunden, dass mich mehr überzeugt hat und habe dementsprechend nun aufgehört zu suchen. Was die ewige Vernetzung und Wiedervernetzung angeht, stimme ich Dir ebenfalls zu. Vor einiger Zeit habe ich gnadenlos reinen Tisch gemacht und begnüge mich seitdem mit einem (! -ich weiss, wie untechnisch von mir) Nutzerkonto eben dort, wo die meisten meiner Kontakte sich befinden.

    Und wenn man ständig ohnehin nur auf dieselben Leute verlinkt, bzw. sie auf seine Kontaktseiten setzt, wie ich das von vielen meiner Bekannten kenne, ergibt sich die Frage: wie oft muss man diesen selben Leuten noch mitteilen, wer man ist und was man gerade macht? Gibts da nicht irgendwann einen Übersättigungsfaktor?

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