Unpersönliche Werbung im Lifestream – ein Experiment

Gestern habe ich mir mal Magpie näher angeguckt, angelockt durch die Diskussionen in Blogs und auf Twitter. Magpie wirbt damit, dass man mit Twitter durch Werbung Geld verdienen könne. Irgendwie finde ich sowohl Geld als auch Werbung schon seit einiger Zeit durchaus interessant, weswegen ich mich dann bei Magpie mal angemeldet habe.

In einem Interview mit Jan Schulz-Hofen über Magpie habe ich dann mal versucht, die Ideen der Gründer ein wenig zu durchleuchten.

Ich glaube, dass die Idee mit guten Intentionen gedacht ist, aber letztendlich nicht zum Erfolg führen wird, und zwar aus mehreren Gründen:

1. zwar wird ein Hashtag #magpie benutzt, um die Tweets zu kennzeichnen, aber #ad oder #werbung wäre passender. Allerdings dürfte bald in vielen Clients eine Filtermöglichkeit auftauchen, die Tweets mit diesen Hashtags herausfiltern.

2. ich kann in keinster Weise kontrollieren, was in meinem Namen als Werbung getwittert wird. Bislang sind für mich zwei Tweets rausgeschickt worden, einmal für Magpie selber, einmal für Ringtones. Letzteres hätte ich als Werbetweet abgelehnt, führe das geringe Targeting allerdings auf die fehlende Masse der Werbekunden zurück.

3. ich halte das TKP-Modell, also die Bezahlung durch den Kunden auf Basis eines Tausender-Kontaktpreises für nicht wirklich zielführend aus Kundensicht, denn bei Twitter gibt es keine Möglichkeit, wirklich darzulegen, dass jemand die Werbung auch nur annähernd gesehen hat.

4. das Grundproblem allerdings bleibt: niemand will wirklich automatisierte Werbung in einer Konversation haben. Es mag wenig nervig sein, wenn nur 2-3 Leute Werbung in den Tweets haben, aber sobald mehr als nur eine Handvoll Werbe-Tweets pro Tag kommen, fängt es an, massiv zu nerven.

Bleibt eigentlich die Grundfrage bestehen, nämlich wie muß Werbung im Kontext von Konversationen funktionieren, ohne daß sie nervt, aber dennoch wahrgenommen wird? Ja, ich weiss, aber die einfachen Fragen waren schon weg.

Mein Magpie-Experiment ist damit erst einmal beendet, wer mag, darf mir also wieder followen, kann sich aber auch gerne weiter eine Runde entrüsten, wenn es denn helfen sollte.

7 Antworten auf „Unpersönliche Werbung im Lifestream – ein Experiment“

  1. Hallo Nico,

    vielen Dank für dein Feedback.

    Darf ich die Diskussion einfach direkt aufnehmen?

    1. Viele haben auch vorgeschlagen, den Hashtag komplett wegzulassen. Wir denken aber, dass eine Art Disclaimer auf jeden Fall rein sollte. #Werbung oder #Ad find ich irgendwie…öde :-) Sehr wahrscheinlich wird's der Twitterer bald selbst konfigurieren können. Was meinst du?

    2. Das Problem ist uns bewusst. Bin mir nicht sicher, ob's wirklich vom Aufwand für den Twitterer vertretbar ist, wenn er jeden Magpie-Tweet abnicken muss. Bislang ist unsere Favoriten-Lösung Stopwords, die der Twitterer einstellen kann.

    3. Richtig, aber das geht bei „traditionellen“ Werbemitteln, die nach TKP abgerechnet werden auch nicht immer so einfach. Wäre per-klick besser? Sicher nicht für den Twitterer, weil die Entscheidung „klick oder nicht“ ja stark von der Qualität der Werbebotschaft abhängt. Und ein Tweet bietet ja doch mehr direkten „Kontakt“ als ein Banner oder ähnliches.

    4. Richtig. Wie mit allem: nicht übertreiben :-) Es obliegt ja jedem Twitterer selbst, zu entscheiden, wie oft und wann die Magpie-Tweets kommen. Du entscheidest bei deinem Blog ja auch, welche und wieviel Werbung drauf soll. Sonst bleiben auch da die Leser weg.

    Bin gespannt auf deine Gedanken. Und auf die von anderen natürlich!

    Viele Grüße

    Jan
    CEO Magpie & Friends Ltd.

  2. „wie muß Werbung im Kontext von Konversationen funktionieren, ohne daß sie nervt, aber dennoch wahrgenommen wird“

    Ist das nicht das Grundproblem? „Werbung“ ist für mich etwas, was von einem mir nicht bekannten 'Sender' an ein vergleichsweise verstreutes Publikum ausgestrahlt wird. In Konversationen erlebe ich keine Werbung, sondern maximal Empfehlungen oder Hinweise.
    Sobald sich jemand in eine Konversation einschaltet und mir – meinetwegen auch extrem an die Situation angepasste – kommerziell motivierte Hinweise gibt, empfinde ich das als störend. [Gedankenspiel: Ich sitze in der Kneipe und unterhalte mich über, sagen wir, Duschgel. Auf einmal klinkt sich einer vom Nachbartisch ein und sagt: „Ich hab grad mitgehört und finde, dass das neue Nivea Twit for Men einfach fantastisch ist.“ – ich wäre irritiert, wenn nicht sogar peinlich berührt.]

  3. Deine Kernfrage: Wie muss Werbung im Konversationskontext eigentlich sein? Finde ich schon in deinem Post beantwortet: Sie muss da sein, ohne zu nerven. Ohne Hashtags o.ä. So, wie das eigentlich immer funktioniert – als Empfehlung unter Bekannten/Freunden. Denke, dass diese von Magpie zwischengeposteten Tweets einem schnell auf die Nerven gehen können.

    Wo die schon Parallelen zu Google ziehen: Google verdient doch auch den größten Teil über Werbung, die NEBEN dem relevanten Content platziert wird. Nicht mittendrin. Mir persönlich gefällt sowas nicht. Ich klicke eher auf Werbung, die nicht direkt im Inhalt eingebaut ist. Habe dann ein gutes Gefühl, weil ich weiß, dass es Werbung ist und mich bewusst dafür entschieden habe.

    Und um Deine Grundfrage zu beantworten: Meiner Meinung nach gibts im Moment keine Werbung im Kontext von Konversationen, die überhaupt funktioniert. Bis das geht, wird sicher noch ein bisschen Zeit durch ein paar schlaue Köpfe durchrauschen müssen.

  4. um mich nicht unnötig zu wiederholen, dies habe ich gerade bei Falk
    kommentiert (http://www.falk-lueke.de/index.php/2008/11/03/m

    das war dann vielleicht ein wenig zu schmal formuliert.

    ich gehe davon aus, dass konversationen künftig eigentlich überall im
    web stattfinden werden, insbesondere im context von dem, was wir
    bislang als reine content-plattformen wahrnehmen. und dann gibt es
    ganz schlicht und einfach das problem, dass content finanziert werden
    muß, sicherlich durch werbung und diese werbung natürlich auch vom
    user wahrgenommen werden muß, wenn sei funktionieren soll. nur, im
    kontext von konversationen wird das eher tricky.

    ja, ich weiss, du hast kein bock auf werbung. ich allerdings gehe
    davon aus, dass werbung sinnvoll ist, um inhalte finanzieren zu
    können.

  5. Das ist irgendwie das Perverse an der Sache: Bin sehr davon überzeugt, dass Werbung gut und sinnvoll ist, um Inhalte zu finanzieren. Verdiene mit sowas in der Art sogar meine Butter und das Brot dazu.

    Hab also schon Bock auf Werbung im Kontext meiner Konversationen – nur eben nicht auf die „plumpe“ Art. Die Herausforderung wird m.E. wohl sein, dieses Plumpe in etwas Eleganten umzudingsen, damit es funktioniert. Oder zumindest in etwas nicht Nervendes so wie das mit Google Adwords im Moment zu funktionieren scheint … Gute Sache, um sie mit in die (all)abendlichen Gedanken vorm Schlafengehen einzuflechten.

  6. Mich erinnert das Modell ein wenig an Trigami: Es wird Werbung im Content-Bereich platziert. Und ebenso wenig wie das bei Trigami wirklich erfolgreich ist (man schaue sich nur die Preise an, die sie derzeit für bezahlte Blogpostings zahlen), glaube ich, dass dieses Modell aufgehen wird. Sobald man den „#magpie“ sehen wird, werden die Meisten instinktiv ihren eigenen Filter anschmeißen und zum nächsten Tweet übergehen oder die jeweilige Person unfollowen.

    Twitter ist ein Medium, in dem ich Authentizität erwarte. Werbung ist alles – nur nicht authentisch.

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