Jeffersons Erben – digitale Medien im US-Wahlkampf

Ich habe mir ein wenig die Spannung genommen und Jeffersons Erben: Wie die digitalen Medien die Politik verändern von Tobias Moorstedt erst nach der Wahl in den USA gelesen, wusste also, dass es der strahlende Held des Buches auch wirklich schaffen würde. Also fehlt jetzt eigentlich ein Kapitel bei diesem Buch, aber so ist das eben mit Print-Erzeugnissen.

Das Buch ist seine 9 Euro durchaus wert, denn es zeigt ziemlich kompakt auf, wie in diesem Wahlkampf das Internet eingesetzt wurde, wie die Demokraten aus den Erfahrungen der letzten beiden Wahlkämpfe gelernt wurde, wie extrem viele Mitbürger motiviert wurden, sich an diesem Wahlkampf zu beteiligen und dass dies quasi den guten alten Thomas Jefferson erfreut hätte.

Sollten sich Wahlkampf-Verantwortliche aus Deutschland dieses Buch durchlesen, werden sie merken, dass hier genau eine Sache gemacht wurde, die in Deutschland auf absehbare Zeit nicht passieren wird: irgendwelche Leute durften organisieren und das machen, was sie für richtig halten. Weil man ihnen vertraut hat, dass sie selber am besten wissen dürften, wie sie lokalen Wahlkampf organisieren. In diesem Loslassen steckt der eigentliche Erfolg der Kampagne von Barack Obama, natürlich massiv unterstützt durch die konsequente Nutzung und moderne Umsetzung von Internet-Tools. Ich empfehle da nur einmal den Vergleich zwischen my.barackobama.com und meineSPD.net, das ist heute im Vergleich mit Vorgestern, das ist mächtig und nutzbar im Vergleich mit angestaubt und hinderlich für die Mobilisierung.

Besonders gut an dem Buch hat mir die Auswahl der Gesprächspartner gefallen, von einfachen Bürgern, die in diesem Wahlkampf zu Aktivposten im Wahlkampf wurden, über Geeks, die geeignete Tools entwickeln hin zu den Strategen, die Aktivisten durch die Tools geeignet mobilisieren können.

Überraschend kam das Ende, hier fehlen jetzt quasi zwei bis drei Kapitel, zum einen über den Wahlsieg, zum anderen über die Übergangsphase und Change.gov, aber auch über die erste Regierungsphase und die hoffentlich weiterhin konsequente Nutzung der bisherigen Tools und eine damit verbundene Veränderung der Arbeitsweise der Regierung in den USA. Schön war aber das Zitat am Ende des Buches aus einem Brief von Jefferson an Abigail Adams, der Frau des zweiten Präsidenten der USA, vom Februar 1787:

Der Geist des Widerstands gegen die Regierung kann in bestimmten Situationen so wertvoll sein, dass ich wünschte, man könnte ihn ewig am Leben erhalten. Sicherlich wird er sich oft zu Unrecht Bahn brechen, aber das ist immer noch besser, als wenn er sich überhaupt nicht regt. Mich erfreut hier und da eine kleine Rebellion. Sie ist wie ein Sturm in der Atmosphäre.

6 Antworten auf „Jeffersons Erben – digitale Medien im US-Wahlkampf“

  1. Ja, ich weiß; normalerweise würde ich auch da bestellen. Aber meine Mutter meint immer, wir sollen den örtlichen Buchladen unterstützen, weil der ja soo wichtig ist. Und man muss ja nicht immer auf Konfrontationskurs gehen… ;)

  2. wäre oberster internetwahlkampfstratege der spd nicht ein job für dich? manche jobs muss man sich ja selbst schaffen.

  3. klingt spannend, aber in der realität wäre das ein extrem frustrierender job.
    1. geringer stellenwert innerhalb der organisation
    2. zu viele vorgaben und regeln
    3. unterfinanziert wäre noch freundlich ausgedrückt

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