21. November 2008

Jetzt im Angebot: De-Mail mit AWO-Spendenmarke für €1,86

Bevor der eigentliche Rant losgeht, noch mal ganz kurz vorweg: welche von allen guten Geistern verlassene Flitzpiepe hat sich eigentlich das Wortungetüm-Dreigestirn aus De-Mail, De-Safe und De-Ident ausgedacht? Kommt auch noch De-Install? Soll man dann später sagen können “das habe ich Ihnen doch ge-de-mailt?” – wenn wir eines gelernt haben, dann doch, dass deutsche Bürokraten grundsätzlich keine nutzbaren Begriffe schaffen können, oder?

Aber, nun gut, die De-Mail kommt nun wohl, ein tolles Vorzeigeprojekt aus De-utschland. Sicherheitshalber hat man sich dann auch gleich überlegt, wie diese sichere Variante der Email eingesetzt werden kann. Laut FAQ:

Preise und Modalitäten wird jeder Anbieter von De-Mail im freien Wettbewerb um die Kunden selbst festlegen. Es wird voraussichtlich ein ähnliches Prinzip wie beim Postversand gelten: der Absender zahlt ein e-Porto.

Das ist eine tolle Idee. Wirklich. Damit kann man die De-Mail gleich begraben. Bürokratischer Aufwand plus Kosten sind ideal, um keinen Schritt vorwärts zu kommen mit einem neuen System. Eine Zwangsnutzung verbunden mit Zusatz-Kosten wird aber auch nicht wirklich die Akzeptanz steigern.

Aber gut, da beweisst Deutschland mal wieder die selbstzugedachte Vorreiterrolle in der IT. De-Vorreiter quasi.

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Ich finde die Idee prinzipiell nicht schlecht. Eventuell ist es ja machbar, dass eine Gemeinnu00c3u00bctzige (z.b. Spenden-basierte) Organisation einen solchen Dienst betreibt.
Ich bin durchaus bereit einen angemessenen Preis fu00c3u00bcr eine solche Dienstleistung zu bezahlen (muss ich fu00c3u00bcr den Brief ja schlieu00c3u009flich auch). ABER: Es sollte ein gefu00c3u00bchlt fairer Preis sein. Ein Markt, der von Profit-gierenden Unternehmen bestimmt ist schafft weder Vertrauen noch eine gute Anwendungs-"Experience"!

ganz de-iner me-inung.

Naja, die Infrastruktur muss ja auch irgendwie bezahlt werden.
Das ganze wurde erfunden um es Firmen zu erlauben mit den Kunden elektronisch rechtsgu00c3u00bcltig zu kommunizieren. Dies geht z.Zt. u00c3u00bcber plain eMail nicht, sobald personenbezogene Daten im Spiel sind.
"Schicken Sie mir doch eben Ihren PGP Key zu und wir u00c3u00bcberpru00c3u00bcfen dann am Telefon den Fingerprint" wird man wohl seltenst von seinem Bankberater hu00c3u00b6ren. Einschreiben mit Empfangsbestu00c3u00a4tigung ist gar nicht mu00c3u00b6glich.
Gewisse Branchen werden durch das System Millionen sparen.
Aber wer weiter ranten mu00c3u00b6chte:
Es wird dann auch sicherlich weitere Arbeitsplu00c3u00a4tze bei der Post kosten.

treffer und versenkt: bei netzpolitik ist gleiches zu lesen. mich hat auch der Begriff "Bu00c3u00bcrgerportalgesetz" stark irritiert. am 3.12. gibt es ja einen chat zum thema ;-)

Als nu00c3u00a4chstes kommt dann sicher das De-Netz. ein geschlossenes system mit sicheren und u00c3u00bcberpru00c3u00bcften Inhalten gegen Nutzungsgebu00c3u00bchr.
Ach - stopp - das gab's doch schon mal und hieu00c3u009f AOL.

Die Idee stammt bestimmt von De-pp.