Blogs, Tools und die Diskussionen

Markus hat einmal Verlinkungen gezählt und festgestellt, dass in den letzten Jahren immer weniger verlinkt wird und daraus seine Schlüsse gezogen:

Doch die völlige Nichtvorhandenheit von Blogs, die spielerisch, kreativ, wenn man will auch kritisch neue Tools beschreiben (und die nicht nur den launch, alle fundings und ggf. den deadpool vermelden), wie es sie 2005 / 2006 doch noch in stattlicher Anzahl gegeben hat, ist ein echtes Problem, weil sich der diskursive Wert in einer Spirale nach unten bewegt.

und Marcel gibt zu Protokoll:

Ich beobachte Ähnliches und ich sehe das, besonders für den deutschsprachigen Raum, seit einiger Zeit mit zunehmender Besorgnis.

Ich könnte jetzt einfach mit „ach, das ist Linkbait am Sonntag morgen“ einfach die Diskussion links liegen lassen, aber natürlich sprechen die beiden ein interessantes Thema an. Die Verlinkung als Wert an sich hat nicht mehr die Bedeutung in der Blogosphäre. Insbesondere auf Markus Hinweis, dass es keine kritische Auseinandersetzung mit Tools gibt, kann ich nur entgegnen, dass es bei mir eine gewisse Abstumpfung gegeben hat, als einfach zu viele zu belanglose Tools gelaunched wurden. Oftmals handelt es sich eben leider nur um Features, die eine recht kurze Halbwertzeit haben werden, weswegen ich mich z.B. auf Twitterdings auch zunehmend schwerer tue, über irgendwelche neue Tools zu diskutieren.

Damals, wir hatten ja nix, da haben wir auf alles verlinkt und versucht, den Online-Diskurs in den Blogs abzubilden. Das war allerdings auch die Zeit, in der die Blogosphäre recht übersichtlich war und viele der neuen Plattformen noch gar nicht vorhanden waren. Die Diskussion zu Themen zerfasert eben, wenn nicht mehr nur eine Handvoll Blogs Teil der Diskussion sind, sondern auch Twitter, Facebook, Friendfeed und ähnliche Plattformen dafür sorgen, das Leute über ein Thema reden können.

Man könnte jetzt drei Schlüsse daraus ziehen:
1. Anstatt Verlinkungen zu fordern und selber zu setzen, müssten diese auf semantischer Ebene automagisch erfolgen, so daß man seinen Beitrag immer in Verbindung zu anderen Beiträgen sehen kann, ohne Links sammeln zu müssen.

2. Aus Tools wie Disqus und CoComment muss eine Art Meta-Comment-Schicht entstehen, damit auch Kommentare via Twitter, Friendfeed, etc. in die Diskussion mit einbezogen werden kann und Bezug auf mehr als nur einen Blog-Beitrag genommen werden kann, also quasi ein UniversalCommentFormat.

3. Man konnte noch nie wirklich eine Diskussion in seiner Ganzheitlichkeit nachvollziehen, und ehrlich gesagt, war das auch nicht wirklich schlimm. Es ist zwar schade, wenn man etwas schreibt und Leute reden dann drüber, ohne zu verlinken, aber ein wirkliches Drama resultiert hieraus nicht wirklich.

Den vierten Punkt mit dem Hinweis, dass vielleicht das Geschreibsel von Marcel und Markus einfach niemanden interessiert und daher niemand verlinkt, den verkneife ich mir jetzt einfach mal.

Letztendlich bleibt die Erkenntnis, dass künftige Social Media Monitoring Tools weit mehr können müssen, als Technorati, Blogmonitor oder Rivva, wollen sie eine Diskussion auch nur annähernd übersichtlich oder gar vollständig abbilden. Diskussionen werden weiterhin überall stattfinden, da hat sich eigentlich nichts geändert, nur das Spektrum der Plattformen hat sich verbreitert, dahinter stecken aber immer noch Menschen, die sich unterhalten wollen, aber eben nicht alle Themen gleich spannend finden werden.

10 Antworten auf „Blogs, Tools und die Diskussionen“

  1. Dass sich die Situation im Vgl. zu 2005 verändert hat (2005: 3 – 5 Launches am Tag, Abbildung in der Blogosphäre; 2008: 40 Launches am Tag, Abbildung fragmentiert in zig Plattformen) ist ja klar.

    Das Monitoring einer Marke / eines Tools schaut heutzutage natürlich auch anders aus. Nur muss man das Tool einerseits schon kennen, und anderseits einen grösseren Grad an Interesse (üblicherweise Eigeninteresse, also Community Manager und SMOs) dafür mitbringen, sonst macht man das nicht.

    Und Monitoring ist eben was anderes, als die – ich sag mal – organische Wissensbildung um die Möglichkeiten eines Tools, wie sie lange in Blogs stattgefunden hat.

    Du liest auch, glaub ich, was falsches in meine Beobachtung hinein. Weder fordere ich mehr Verlinkungen zwischen Blogs, schon gar nicht auf mein Geschreibsel, noch behaupte ich, dass sich keine anderen Formen entwickelt haben. Ich sag ja nur, dass immer mehr Tools von immer weniger Blogs überhaupt noch besprochen werden und dass das für das Ökosystem Web nicht unbedingt gut ist, weil Blogs eine sehr effektive Form waren, Gruppenwissen bzgl. der Nützlichkeit von Tools auf einem gewissen Niveau zu halten und Dinge spannend zu machen.

  2. naja, meine vermutung ist, dass die 28. variante eines themas eben
    nicht mehr die begeisterungsstürme hervorruft, daher interessiert neue
    tools weniger leute, daher auch weniger verlinkung, kommentare, etc.

  3. Sehr schöne Ansätze her Lumma – das animiert mich ja gerade wieder dazu die OpenID Flagge zu hissen! Und zwar für die von Dir skizzierten Schlüsse 1. und 2.

    Unter der Annahme eines fortschreitenden Siegeszuges von OpenID kann man nämlich mt einer ziemlichen Sicherheit sagen, dass man dieser Fragmentierung von Diskussionen Herr werden können wird.

    Tools wie z.B. das schöne Disqus hier werden nämlich auf dauer weitesgehend überflüssig werden, da durch die Nutzung meiner OpenID ich meine Aktivitäten auf alle möglichen Blogs und sonstigen Webseiten, mit mir mitschleifen werde. (habe da im übrigen zufällig gestern drüber gebloggt http://tinyurl.com/567ahe )

    Dadurch entsteht dann automatisch diese von Dir skizzierte Meta-Schicht. Dann lassen sich auch wieder viel einfacher Kriterien ermitteln, wie stark ein Thema, bzw. Blog Artikel besprochen wird.

  4. Hmm,
    es ging mir weniger um Links, und mehr um Inhalte generell. Blogübergreifende Diskussionen etwa, bei denen es um mehr als Abmahnungen und Metablogging (wie das hier..) geht. Links sind dann die Vehikel, um Artikel zu für andere nachvollziehbare Diskurse zu verbinden. Rivva zB braucht Links nicht unbedingt zum Clustern, soweit ich das sehe.

    Es ging mir auch nicht um mein „Geschreibsel“ und dessen Verlinkung – netzwertig.com etwa liegt nach einem halben Jahr Bestehen auf Platz 10 der DBC, was auch immer das heißen mag; es ist auf jeden Fall kein Grund zum Jammern -, sondern auch um die gesamte dt.. Blogwelt. Es ist doch schon ein Armutszeugnis, wenn die deutschen Blogs regelmäßig nicht einmal genug zusammenbekommen, dass Rivva seine Startseite mit deutschen Artikeln gefüllt bekommt.

    Diskussionen und Verweise finden ja auch weiterhin statt. Nur eben mehr auf Diensten, die mMn zumndest heute noch weit weniger kompatibel für größere Reichweiten sind als Blogs (bzw. ganz andere Dynamiken haben (hier stecken mindestens zwei Artikel zu dem Thema drin)). Das führt dazu, dass man oft unter sich bleibt, und die von 'außerhalb' auch dort bleiben: draußen.
    Es stört mich einfach ein bisschen, dass über die Möglichkeiten von Blogs auch 2008 in D zwar gern geschwafelt wird, diese aber einfach nicht bzw. von kaum jemanden auch mal ernstzunehmend umgesetzt werden.

    (PS: Wo hast Du ein Linkbait gesehen? Bei mir? Bei Markus? Bei uns beiden? So zynisch wie falsch. :) Markus hat nur ein Thema angesprochen, dass mir schon länger durch den Kopf ging. Genau genommen, seit ich angefangen habe zu bloggen, finde ich die Diskurse hier in den DACH-Blogs eher mau (besonders im Vergleich zu den US), und 2008 ist es zumindest gefühlt eher noch schlechter geworden. U.A. weil man mittlerweile zB Twitter für weit mehr benutzt, als es geeignet ist.)

    (PPS: Wenn ich meine Antwort auf netzwertig.com mit seiner ggü neunetz.com knapp zehnfachen Leserzahl veröffentlicht hätte, wären wir jetzt höchstwahrscheinlich damit an erster oder zweiter Stelle auf Rivva. Soviel zum Linkbait-Dingens. :))

  5. @1 Welchen Wert haben automatische Links? Da kann man das ja auch gleich dem Browser überlassen und der sucht mir dann zu jeder Seite raus „Leute die das gelesen haben, lesen auch das…“

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