Sabbel, Sabbel, bla, bla
Das große Rauschen: Mit anderen Leuten reden ist ein einfaches wie unbegreifliches Phänomen. Via Sprache reden die Leute über Belanglosigkeiten ihres Alltags.
Von Bernd Graff
Die gewöhnliche Tonlage eines Journalisten ist oft von ergreifender Schlichtheit. Ob dieser mehr zu sagen hat?
Manche Phänomene des Lebens sind beides zugleich: absolut einfach und absolut unbegreiflich. Das Phänomen des sogenannten mit anderen Leuten reden könnte jeder auf Anhieb begreifen. Denn technisch gesehen ist daran nichts Unverständliches. Man sagt etwas, andere Leute hören zu, andere auch nicht, eventuell schreibt sogar jemand auf, was gesagt wurde.
Unklar daran ist nur, warum man das tun sollte, warum man also überhaupt mit anderen Leuten reden oder, wie man – benannt nach dem prominentesten mit anderen Leuten reden-Anbieter – inzwischen auch sagt, warum man “reden” sollte.
Journalisten veröffentlichen auf Papier Gedanken und Beobachtungen. Das tun sie in jeder beliebigen Länge, und sie tun es in fremdbestimmten Turnus. Das relativ alte mit anderen Leuten reden unterscheidet sich davon lediglich darin, dass die Textlänge der im Gespräch veröffentlichten Beiträge in der Regel auf wenige Sätze begrenzt ist. Man könnte darum einen einzelnen Rede-Beitrag, der hier “Satz” oder “Kommentar” genannt wird, auch schlicht als eine Unterhaltung mit allen, die es interessiert beschreiben. Und tatsächlich werden die meisten dieser kurzen Sätze, die dann zwischen Menschen ausgetauscht werden, auch von Menschen verfasst.
Gedanken und Befindlichkeiten
Das mit anderen Leuten reden ist gerade zwischen Menschen eine der beliebtesten Aktivitäten. Jeder kann sich hier dabei sein und entscheiden, ob seine Beiträge, die “Sätze”, dann öffentlich einsehbar oder nur von einem Kreis von Freunden abrufbar sein sollen. Außerdem kann man über Gespräche verfolgen, was Freunde und Bekannte gerade so treiben, weil man diesen im Gespräch auch zuhören kann.
Neben mit anderen Leuten reden gibt es noch weitere Gesprächsformen, etwa Klönschnack, oder sogar Klatsch und Tratsch im Treppenhaus.
Die wirklich spannende Frage aber bleibt: Warum sollte man sein Leben, seine Gedanken und Befindlichkeiten mit anderen teilen? Denn, so viel ist auch schon klar: Die gerade heftig diskutierte Möglichkeit, dass der Dienst zur Verbreitung von Augenzeugen-Nachrichten aus Krisenregionen genutzt wird, so wie es vor wenigen Tagen aus den von Terrorangriffen heimgesuchten Luxushotels in Mumbai geschah, diese Anwendung ist eher die Ausnahme als die Regel.
[ via: Der neue Trend: Twitter - Tschilp, tschilp, bla, bla - Computer - sueddeutsche.de ]
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