05. Dezember 2008

Der neue Trend: mit anderen Leuten reden

Sabbel, Sabbel, bla, bla

Das große Rauschen: Mit anderen Leuten reden ist ein einfaches wie unbegreifliches Phänomen. Via Sprache reden die Leute über Belanglosigkeiten ihres Alltags.
Von Bernd Graff
Die gewöhnliche Tonlage eines Journalisten ist oft von ergreifender Schlichtheit. Ob dieser mehr zu sagen hat?

Manche Phänomene des Lebens sind beides zugleich: absolut einfach und absolut unbegreiflich. Das Phänomen des sogenannten mit anderen Leuten reden könnte jeder auf Anhieb begreifen. Denn technisch gesehen ist daran nichts Unverständliches. Man sagt etwas, andere Leute hören zu, andere auch nicht, eventuell schreibt sogar jemand auf, was gesagt wurde.

Unklar daran ist nur, warum man das tun sollte, warum man also überhaupt mit anderen Leuten reden oder, wie man – benannt nach dem prominentesten mit anderen Leuten reden-Anbieter – inzwischen auch sagt, warum man “reden” sollte.

Journalisten veröffentlichen auf Papier Gedanken und Beobachtungen. Das tun sie in jeder beliebigen Länge, und sie tun es in fremdbestimmten Turnus. Das relativ alte mit anderen Leuten reden unterscheidet sich davon lediglich darin, dass die Textlänge der im Gespräch veröffentlichten Beiträge in der Regel auf wenige Sätze begrenzt ist. Man könnte darum einen einzelnen Rede-Beitrag, der hier “Satz” oder “Kommentar” genannt wird, auch schlicht als eine Unterhaltung mit allen, die es interessiert beschreiben. Und tatsächlich werden die meisten dieser kurzen Sätze, die dann zwischen Menschen ausgetauscht werden, auch von Menschen verfasst.

Gedanken und Befindlichkeiten

Das mit anderen Leuten reden ist gerade zwischen Menschen eine der beliebtesten Aktivitäten. Jeder kann sich hier dabei sein und entscheiden, ob seine Beiträge, die “Sätze”, dann öffentlich einsehbar oder nur von einem Kreis von Freunden abrufbar sein sollen. Außerdem kann man über Gespräche verfolgen, was Freunde und Bekannte gerade so treiben, weil man diesen im Gespräch auch zuhören kann.

Neben mit anderen Leuten reden gibt es noch weitere Gesprächsformen, etwa Klönschnack, oder sogar Klatsch und Tratsch im Treppenhaus.

Die wirklich spannende Frage aber bleibt: Warum sollte man sein Leben, seine Gedanken und Befindlichkeiten mit anderen teilen? Denn, so viel ist auch schon klar: Die gerade heftig diskutierte Möglichkeit, dass der Dienst zur Verbreitung von Augenzeugen-Nachrichten aus Krisenregionen genutzt wird, so wie es vor wenigen Tagen aus den von Terrorangriffen heimgesuchten Luxushotels in Mumbai geschah, diese Anwendung ist eher die Ausnahme als die Regel.

[ via: Der neue Trend: Twitter - Tschilp, tschilp, bla, bla - Computer - sueddeutsche.de ]

Ähnliche Artikel:

  1. Neuer Web 2.0 Trend: Flashpodcastungen Wer meint, dass Podcasts gerade voll der Renner seien, oder gar Lesungen mit Blog-Inhalten, der...
  2. Bloggen auf einem anderen Markt Jochen schreibt von den vier Denkfehlern von Gawker (oder VNU) und ich bin auch recht...
  3. Reden + Texte Was haben Politiker eigentlich für Berater? Oder wann hören sie eigentlich auf diese? Beraten die...

Post comment as twitter logo facebook logo
Sort: Newest | Oldest

@nico Genau das nervt mich auch immer. Niemand redet daru00c3u00bcber, dass Telefon nie hu00c3u00a4tte funktionieren ku00c3u00b6nnen, weil da so viele Belanglosigkeiten ausgetauscht werden. Oder diese ergreifende Schlichtheit von Gespru00c3u00a4chen am Ku00c3u00bcchentisch. Auch ein Modell, das es nicht geben du00c3u00bcrfte.

@rednix Lustiger Spau00c3u009f mit Herrn Graff http://tinyurl.com/6hundu Danke!

Das ist ja schon ring2esker Stil hier. Habe herrlich wenig verstanden - das ist aber auch gut so.

Just commented http://tinyurl.com/6hundu

Mu00c3u00b6glicherweise mu00c3u00bcssen sich Kommunikations-Klassiker erst einmal daran gewu00c3u00b6hnen, dass Personen, die u00c3u00b6ffentlich Gespru00c3u00a4che fu00c3u00bchren, bald mehr Follower haben als so manche Print-Publikation Abonennten.

was mich generell aufregt: wenn leute belanglosigkeit beklagen.

twitter ist eine form der unterhaltung zwischen menschen, und da kommen einfach ganz oft belanglosigkeiten vor. ich gehe mal stark davon aus, dass herr graff auch ab und zu etwas belangloses von sich gibt, abgesehen von diesem laber-artikel in der su00c3u00bcddeutschen natu00c3u00bcrlich...

Am lustigsten ist der Teil, in dem Graff den Eindruck erweckt, 3 Mio Tweets gelesen zu haben: "Die gewu00c3u00b6hnliche Tonlage des Netz-Gezwitschers aus ungefu00c3u00a4hr drei Millionen tu00c3u00a4glichen Eintru00c3u00a4gen der mutmau00c3u009flich eine Million Twitter-Mitglieder ist monoton und von ergreifender Schlichtheit." Wu00c3u00bcrde gerne wissen, wie intensiv hier recherchiert wurde, um etwas u00c3u00bcber die "gewu00c3u00b6hnliche Tonlage" aussagen zu ku00c3u00b6nnen. Ich wu00c3u00bcrde mir das nicht zutrauen, daru00c3u00bcber zu urteilen obwohl ich schon den ein oder anderen Tweet gelesen habe.