07. Dezember 2008

SPD will Zeitungs-Abo von der Steuer absetzen

Man sollte Zeitungs-Abo von der Steuer absetzen können, fordert der Vorsitzende der SPD- Medienkommission, Marc Jan Eumann:

Viele Tageszeitungen verlieren derzeit deutlich an Auflage. Die Zahl der über ein Abonnement verkauften Zeitungsexemplare sei im vergangenen Quartal auf etwa 14 Millionen pro Tag zurückgegangen, sagte Eumann, der die Medienkommission des SPD-Bundesvorstands leitet. Er bezifferte die Kosten seines Vorschlags auf grob geschätzt 500 Millionen Euro im Jahr.

In Deutschland würden Zeitungen im Vergleich zu andern europäischen Staaten vergleichsweise wenig gefördert, sagte Eumann. Sie profitierten bisher nur von dem auf sieben Prozent reduzierten Mehrwertsteuersatz. In vielen anderen Ländern gebe es ein System direkter Hilfen für Zeitungen. “Da steht Deutschland am Ende der Liste.”

Ah ja. Das ist ja eine sehr zukunftsweisende Sicht der Dinge. 500 Millionen Euro pro Jahr soll der Spaß kosten, damit die Verlage für ihre Versäumnisse der letzten mindestens 10 Jahre nicht zu sehr vom Markt bestraft werden? Ich glaube ja nachwievor nicht daran, dass das Trägermedium über die Qualität des Journalismus entscheidet, also sehe ich nicht, warum Tageszeitungsabos jetzt von der Steuer abgesetzt werden sollten.

Aber, was man an diesem Vorstoß sehr gut sieht ist die Denke eines Vorsitzenden der SPD-Medienkommission, der augenscheinlich nicht versteht, wie sich das Medien-Nutzungsverhalten verändert und warum immer mehr Bürger ihre Informationen aus Online-Quellen holen. Besitzstandswahrer aller Länder, merkt endlich mal was!

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Und wenn das nicht hilft, werden Printmedien eben ku00c3u00bcnftig per GEZ finanziert...

"I'm glad to see that no one in this industry has had the gall to ask Washington for a bailout." Steve Chapman, Kolumnist der Chicago Tribune, am Tag, an dem die Tribune Co. Glu00c3u00a4ubigerschutz beantragt hat. (http://newsblogs.chicagotribune.com/steve_chapman...

Torsten: Ja, bestimmte Abos kann man als Selbstu00c3u00a4ndiger (und sicherlich auch als Arbeitnehmer) unter dem Label "Weiterbildung" absetzen. Das gilt allerdings nicht fu00c3u00bcr jede Zeitung und jeden Arbeitnehmer. Der Flieu00c3u009fbandarbeiter bei VW du00c3u00bcrfte es schwer haben sein Lokalzeitungsabo abzusetzen. Und genau das will der Medienexperte der SPD.

Ich frag mich ja, wieso er nicht gleich "Abogutscheine" fu00c3u00bcr Jeden vorschlu00c3u00a4gt ;)

@Torsten: Sieh an, ich wusste gar nicht, dass das geht. Ich hatte nur mal u00c3u00bcber ein Gerichtsurteil gelesen, nachdem Buchhalter ihr Zeitungsabo nicht von der Steuer absetzen du00c3u00bcrfen.

Schmarrn. Ich habe als Denkarbeiter mein Abo schon immer erfolgreich und widerspruchslos absetzen du00c3u00bcrfen. Wird die SPD immer doofer?

Warum zahlen wir die 500 Millionen Euro nicht gleich als Bu00c3u00bcrgschaft an die Verlage aus? Ist doch viel moderner!
u00c3u009cbrigens funktionieren die Trackbacks hier irgendwie nur eingeschru00c3u00a4nkt. Darum:
http://www.narragonien.de/?p=310

Die 500 Millionen sollten dafu00c3u00bcr eingesetzt werde, dass alle Bu00c3u00bcrger Breitband mit mehr als DSL-Light oder DSL 1000 bekommen ku00c3u00b6nnen. Mit dieser Subventione von drei Jahren (=1,5 Milliarden ku00c3u00b6nnte man das erreichen.

Trackbacks

  1. [...] nicht verstehen. Journalismus und dessen Qualität setzen sich nicht am Papier fest. (via) Autor: Thomas Gigold Veröffentlicht am: 07.12.2008, 13:06 [...]

  2. [...] Sie dazu auch: SPD will Zeitungs-Abo von der Steuer absetzen auf im Lummaland-Blog oder Steuerlich absetzbarer Medienkonsum bei Medienrauschen. Dieser [...]

  3. [...] 3. “SPD will Zeitungs-Abo von der Steuer absetzen” (lumma.de, Nico Lumma) “Ah ja. Das ist ja eine sehr zukunftsweisende Sicht der Dinge. 500 Millionen Euro pro Jahr soll der Spaß kosten, damit die Verlage für ihre Versäumnisse der letzten mindestens 10 Jahre nicht zu sehr vom Markt bestraft werden? Ich glaube ja nachwievor nicht daran, dass das Trägermedium über die Qualität des Journalismus entscheidet, also sehe ich nicht, warum Tageszeitungsabos jetzt von der Steuer abgesetzt werden sollten.” [...]