10. Dezember 2008

Links als Gradmesser für blogübergreifende Konversation?

Lange Zeit galt, was Robert Basic just formulierte:

Links sind ein Gradmesser für die blogübergreifende Konversation

Ist das wirklich so? Ich glaube, das war einmal.
Robert hat die Anzahl der Links in der deutschen Blogosphäre anhand von DeutscheBlogcharts.de analysiert und festgestellt, dass die Anzahl der Links ungefähr wieder auf dem Stand vom Februar 2006 angekommen ist.
Ich glaube nicht, dass Links von einem Blog zum anderen noch die Relevanz haben, die sie vor 4-5 Jahren hatten:

  • es gibt nicht die eine deutsche Blogosphäre, sondern viele, die nur lose miteinander verknüpft sind, das bedeutet auch, dass nicht alle unbedingt zu den sog. Top-Blogs verlinken und vor allem bedeutet es auch, dass die Top-Blogs für viele Konversationen gar nicht relevant sind.
  • die Anzahl der Blogs und der Artikel hat in den letzten Jahren ordentlich zugenommen, man kann und will daher gar nicht mehr auf die Vielzahl der Artikel eingehen. 2003/2004 gab es täglich nur eine übersichtliche Anzahl von Artikeln, auf die dann mit Verlinkungen eingegangen wurde, da allerdings damals auch der Vernutzungsgrad unter den paar hundert Bloggern recht hoch war.
  • durch die verstärkte Nutzung von Feedreadern hat sich die Rezeption von Blogs verändert, anstatt “ich blogge das!” wird jetzt eher der “ich share das!”-Impuls getriggert.
  • die Konversation hat sich verlagert, sie findet nicht nur in Blogs, sondern auch in Facebook, auf Twitter, meinetwegen auch bei Friendfeed oder sonstwo statt.
  • der schnelle Link am Rande wird heutzutage über Twitter ausgeklingt und nicht mehr als Blog-Posting a la “guckt Euch das mal an, ist interessant” gewürdigt.

Spannend ist daher nicht mehr nur das Tracken von Verlinkungen, sondern vor allem die semantische Analyse von Blog-Inhalten und ihrer Beziehung zu einander. Dann kann man auch nachvollziehen, wie sich Konversationen entwickeln, denn diese setzen nicht immer zwingend einen Link vorraus, auch wenn das natürlich die höfliche Tour ist.

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Ich habe den gleichen Eindruck gewonnen. Speziell in meiner "Blog-Sphu00c3u00a4re" an Spiele-Blogs ist die Bereitschaft zur Verlinkung recht "Klein".

der Ru00c3u00bcckgang der Backlinks insgesamt ist eine ganz normale Erscheinung und ist keinesfalls mehr "der" Indikator fu00c3u00bcr Relevanz. Deine Einschu00c3u00a4tzung trifft auch ungefu00c3u00a4hr das, was ich vor gut 6 Monaten schon schrieb.
http://www.werbeblogger.de/2008/05/20/blogwaehrun...
Besonders fu00c3u00a4llt mir auf, dass wir immer u00c3u00bcber die Welt der "Prosumer" reden, also der Menschen, die selbst aktiv Inhalte produzieren, sei es nun bei Twitter, als Blogger, Kommentator oder sonstwo. Der weitaus gru00c3u00b6u00c3u009fte Teil (mindestens 90%) sind immer noch die Leser. Eine schweigende, aber wohl die substanziell relevanteste Mehrheit.

Trackbacks

  1. [...] auf die Zahl der Verweise an, sondern auch darauf, wer sie gesetzt hat und wer sie wahrnimmt. Nico Lumma ist da gerade zu ganz ähnlichen Erkenntnissen gelangt: Ich glaube nicht, dass Links von einem Blog [...]

  2. [...] hatte vorgestern meinen Beitrag zur Gesprächssphäre der Blogs aufgegriffen und sich Gedanken zum Link als postulierten Gradmesser gemacht. Und kommt zum Schluss, dass die [...]