Authority lies in the eye of the beholder

Nico —  28.12.2008

Es ist gerade Techie-Sauregurkenzeit zwischen den Jahren, da kann man auch mal versuchen, ein völlig idiotisches Thema zu pushen, dachten sich Michael Arrington und Loic le Meur, es werden dann schon alle auf das Thema aufspringen und Traffic sowie Aufmerksamkeit zu den Blogs der Protagonisten schieben.

Also fordert Loic eine Twitter-Suche, die nach Authority rankt, Michael findet das gut, Robert Scoble nicht und etliche andere haben auch eine Meinung dazu. Klasse. Alle sind zufrieden, Traffic wird generiert und die Werbe-Einnahmen steigen. Heute dann wird twitority präsentiert, als erster Lösungsansatz.

Die Forderung von Loic nach gewichteten Ergebnissen bei der Twittersuche sind allerdings ziemlicher Stuß. Schon das Ranking von Technorati mit seiner stumpfen Gewichtung nach Inbound-Links führt letztendlich dazu, daß diejenigen oben gerankt werden, die als populär gelten, egal wieviel Ahnung sie von einem Thema haben. Auf Deutschland bezogen wäre also mit zwei, drei Artikeln über Mode das Blog BasicThinking auf einmal das führende Fashion-Blog in Deutschland, was eine reichlich absurde Vorstellung ist für alle, die Robert kennen, ohne dass ich ihm da zu nahe treten will. Kennt man ihn nicht, könnte man anhand des Rankings denken, dass er wirklich eine Authorität auf dem Gebiet darstellt. Wie gesagt, hier geht es um Blogs und die Möglichkeiten, aus Popularität völlig falsche fachliche Ableitungen zu ziehen.

Twitter allerdings ist eine gänzlich andere Micropublishing-Anwendung, hier geht es weniger um Inbound-Links, RSS-Feeds oder PageImpressions, hier sind derzeit lediglich zählbar die Anzahl der Follower und die Anzahl derjenigen, denen man folgt sowie die Anzahl der Tweets. Daraus kann man dann einige interessante Statistiken ableiten, wie Benedikt Köhler es beispielsweise mit Twitter-Friends tut, aber die Beziehungen der Twitter-User untereinander stellen eine viel größere Gewichtung dar als die Popularität eines Users gemessen an der Anzahl der Follower. Oder eher: sollten eine größere Gewichtung darstellen. Und hier wird gleich schon eine der Kernfragen des personal Micropublishing aufgeworfen: wie lange ist man noch personal und micro? Ein paar hundert Follower? 50? 5000? 25000? Die Tweets der populären Twitter-Nutzer dürften doch für die meisten Leute recht unpersönlich sein, da die wenigsten Follower noch direkt den einzelnen User kennen. Damit dürte aber auch die Authorität leiden, von einer fachlichen Relevanz mal abgesehen.

Insofern ist die von Loîc und Michael angestossene Diskussion zwar interessant in Hinblick auf einen Aufmerksamkeit bringenden Sturm im Wasserglas, aber auch total am Thema vorbei. Denn ich selber definiere doch, wen ich für eine Authorität auf einem Gebiet halte und nicht die woher auch immer resutierende Popularität lässt Rückschlüsse darauf zu. Gucke ich von außen auf Tweets, dann ergibt sich wiederum ein völlig anderes Bild. Dann hat auch nicht unbedingt derjenige die größte Relevanz für mich, sondern vielmehr derjenige, der in seiner Peergroup zum jeweiligen Thema die meisten Diskussionsansätze bringt. In dieser Diskussion wurden die völlig falschen Fragen gestellt und daher auch unsinnige Lösungen präsentiert.

@jeffcannata ist übrigens derzeit die Twitter-Authority zum Thema sex. Wer hätte das gedacht.


11 responses to Authority lies in the eye of the beholder

  1. Einer der Kommentatoren bei Loic hat das ja wunderschön ausgedrückt: Twittority drückt nicht die „Authority“ aus, sondern die „Popularity“. So wie alle diese quantitativen Neugier- und Rankingtools wie beispielsweise bis zu Technorati.

    Die „Authority“ ergibt sich allein aus der Qualität des Autors, die unter anderem vom Content abhängt und möglicherweise auch von seiner Vita im Kontext und ein paar naderen Dingen. Quantitativ ist das nicht messbar meine ich. Damit erübrigt sich jede Tooldiskussion, die auf Massen und Mengen und Abzählreimen beruht.

  2. @michael mosmann: hier http://twitturly.com/ „is a service for tracking what URLs people are talking about as they talk about them on Twitter“ :-)

  3. Ich dachte so ein Sommerlochthema gäbe eben nur im Sommerloch. Aber es scheint wir haben auch noch ein Weihnachtsloch.

  4. naja, aber google sieht mich in fragen des hsv auch als authorität an:
    http://www.google.de/search?q=wer+wird+deutsche

    :)

  5. und wer ist DER hsv experte? http://twitority.com/search.php?keywords=hsv
    du ;-)

  6. Nur der Vollständigkeit halber:

    Man kann außer der Anzahl an Followers/Following und Anzahl der Tweets noch einiges mehr messen, zum Beispiel:

    * Anzahl @-Replies (sowohl am Anfang als auch innerhalb eines Tweets)
    * Anzahl Retweets (auch wenn da bisher noch keine einheitliche Syntax definiert worden ist… „RT“ scheint zumindest recht häufig Verwendung zu finden)
    * Anzahl Followers/Following zweiten Grades (also Kontakte der Kontakte)

    Schönes Material für Ranking-Algorithmen oder Suchfilter.

  7. stimmt, aber wer wurde 2005/06 meister? nicht der hsv. wzbw ;-)

  8. ..witzig was menschen so aus langeweile so anstellen.. wobei sich mir da eher eine andere frage stellt: wozu brauche ich bei 140 zeichen eine suchmaschine?

    dinge, die ich in twitter schreibe haben eine sehr geringe halbwertszeit.. spannender wären da schon infos über die empfohlenen seiten und deren zeitliche verbreitung innerhalb der angrenzenden sozialkreise. das wäre aber im ersten moment auch nur interessant…

    ..es ist ein sommerloch im winter..

  9. Boulevard und Fachthemen sind häufig genug ein Widerspruch in sich ;-).

Trackbacks and Pingbacks:

  1. Basic Thinking Blog | auf der Suche nach den Twitter-Experten - 29.12.2008

    […] die sich über Tweets (so werden die Miniartikel in Twitter genannt) bemerkbar machen: Authority lies in the eye of the beholder. HIntergrund: Kaum hatte Loic Le Meur -ein bekanntes Webface- den Vorschlag gemacht, dass man sowas […]

  2. "Freunde" und "Follower" beim Microblogging » Von Cem Basman » Beitrag » Microblogging Conference 09 - 8.01.2009

    […] Netzwerke ebenfalls anwenden. Wie YouTube, Blogs und Business Netzwerke. Also Vorsicht bei der Ableitung von Linkhäufigkeit auf die Autorität eines Nutzers zu schliessen. das ist nur Populismus. Autorität, Follower, Freunde, Microblogging, Popularität, […]