Zwar ruft Robert das Jahr der Fachblogs aus, und dann muß das ja eigentlich auch eintreten, aber ich habe da irgendwie so meine Zweifel. Sicherlich haben sich die deutschen Blogosphären in den letzten 5 Jahren durchaus gewandelt, aber es gibt immer noch etliche limitierende Faktoren, die dafür sorgen werden, daß Fachblogs es sehr schwer haben werden.
1. Finanzierung: Google Adsense ist nicht nur wegen des Dollarkurses nicht die attraktivste Möglichkeit, sein Blog zu vermarkten. Adnation kommt auch nicht wirklich vom Fleck, hat aber mal die ein oder andere Kampagne, die dann manchmal auch hier zu bewundern ist. Man muß also schon massiv PageImpressions bolzen, will man mit Werbe-Vermarktung Geld verdienen. Fachblogs werden aber eher in einer Nische positioniert sein, also dürfte das ein Problem werden. Bleibt das Sponsoring, was von Thema zu Thema sicherlich unterschiedlich gut funktioniert. Man kann natürlich auch auf eine externe Finanzierungsquelle verzichten und das Fachblog betreiben, um ordentliches Selbstmarketing zu betreiben, aber das funktioniert auch nicht bei jedem Thema. Blog-Netzwerke wie Blogwerk sind leider immer noch die Ausnahme, die es den Autoren ermöglichen, sich weitesgehend auf die Inhalte zu konzentrieren.
2. Inhalte: Wer die Anfänge von Creative Weblogging mit den nur zaghaft umgeschriebenen PR-Meldungen erinnert, der weiß, was das größte Problem der sog. Fachblogs ist. Ordentliche Inhalte. Die kosten in aller Regel viel Zeit, jedenfalls auf diesem Fachblog hier. Die Zeit hat man nicht immer, wenn man nebenbei bloggt. Dann sind die Inhalte mager und die Leser bleiben aus. Es gibt sicherlich auch immer ein paar Ausnahmen, aber genuine Inhalte werden das Grundproblem von Fachblogs sein. Einfach nur bei amerikanischen Blogs abzuschreiben wird nicht gehen. Recherche wäre so eine Sache, die Fachblogs wirklich relevant machen könnte.
3. Themen: Das dürfte bei den Fachblogs ein nicht unwesentlicher Faktor sein. Findet man ein Thema, für das es auch genügend Leser gibt? Oder will man einfach ein Thema beackern, das schon von etlichen Blogs täglich durchgekaut wird (Autos, Apple, Gadgets, etc.)? Beissen sich dann der Anspruch, das Thema und die mögliche Größe der Leserschaft?
4. Frequenz: Muss ein gutes Fachblog täglich einen Artikel publizieren? 2? 5? oder reicht es einmal die Woche mit einem guten Artikel herauszukommen? Die Frequenz hat durchaus Auswirkungen auf die Zugriffszahlen, aber kann man dabei die Qualität halten? Das Gegenteil kann auch eintreten, also daß man einfach nicht genügend Artikel in seinem Fachblog publiziert bekommt und zu viel auslassen muß, weil der Tag eben auch nur 24 Stunden hat.
5. Leserschaft: Sind Blogger die primäre Leserschaft, oder bekommt man es hin, eine größere Zielgruppe zu erreichen? Kann man dann die Leserschaft auch einbeziehen ähnlich wie bei Blogs, also mit Kommentaren oder Votings? Die meisten Blogs werden nachwievor als Blog stigmatisiert und nicht als “anständiges” journalistisches Medium.
Dennoch wird es sicherlich einige neue gute Fachblogs geben, aber ich bin skeptisch, ob es für ein Jahr der Fachblogs ausreichen wird. Themen gäbe es meiner Meinung nach genug, allein schon weil in 2009 etliche Wahlen stattfinden, die Gesellschaft und Wirtschaft vor immensen Herausforderungen stehen, und und und.
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