DIW-Chef Zimmermann ist ein Zyniker

Nico —  4.01.2009

Im Tagesspiegel wurde heute die Sichtweise vom Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, noch einmal erläutert, der Konjunkturprogramme derzeit nicht befürwortet. Die Sichtweise kann man teilen, insbesondere wenn man die lächerlichen Ideen wie Senkung der KFZ-Steuer zur Incentivierung von Neuwagenkäufen denkt. Allerdings finde ich diese Aussagen im Artikel DIW-Chef hält Abschwung für reinigend für sehr zynisch:

Die Rezession beschleunige überfällige Reformen und führe dazu, dass sich ganze Branchen besser aufstellten, sagte Zimmermann. „Ein Abschwung wirkt in gewisser Weise reinigend, nur gesunde Unternehmen überleben.“ Insgesamt werde es „nicht so dramatisch, wie viele befürchten“. So werde der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im neuen Jahr voraussichtlich weniger als drei Prozent betragen. Ab Mitte 2009 werde es wieder bergauf gehen, und 2010 werde sich die Besserung festigen. Allerdings werde es bis dahin „einige Hunderttausend Arbeitslose mehr“ geben.

Man kann nicht von einer „reinigenden Wirkung“ und „einigen Hunderttausend Arbeitslosen mehr“ in einem Atemzug sprechen, es sei denn, man sieht als Problemlösung vor allem den Abbau von Beschäftigungsverhältnissen vor.

Wenn dieser Abschwung eine reinigende Wirkung haben soll, dann muß neben den notwendigen Reformen in der Wirtschaftspolitik und in den Unternehmen jetzt tunlichst auch darüber nachgedacht werden, was wir mit Beschäftigten in Branchen anstellen sollen, die keine wirklich rosige Zukunft mehr haben. Einfach nur zu sagen, daß es dann eben „einige Hunderttausend Arbeitslose mehr“ geben wird, ist nicht genug. Wir leben in einer Konsumgesellschaft und können es uns nicht erlauben, daß dauerhaft Millionen von Mitbürgern in Arbeitslosigkeit leben müssen und eben auch nur eingeschränkt konsumieren können. Als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sollte man sich darüber im Klaren sein, dass „einige Hunderttausend Arbeitslose mehr“ gesellschaftliche Auswirkungen haben werden, die die Wirtschaft beeinflussen werden, denn hier geht es mehr als um nur die zynische Reduzierung des Headcounts.

3 responses to DIW-Chef Zimmermann ist ein Zyniker

  1. Der Chefökonom kennt den Track-Record von Herrn Z.:
    http://www.ftd.de/wirtschaftswunder/index.php?op=

  2. vielen Dank fr002000640065006e Hinweis, Hubert!

  3. Die Sprache ist es, die da entlarvt. Wer von reinigenden Gewittern und dem Überleben des Stärkeren faselt, wenn er sozial-kulturelle Zusammenhänge meint, ist in meinen Augen nicht besser als Autobahn-Blondinen.

    Wer dahinter Zynismus vermutet und kein soziotrophes Weltbild, der ist naiv!